Rückblick der Redaktion: Das waren die großen Versicherungsthemen 2021

Viele Themen dieses Jahres werden 2022 wiederkommen. Allen voran: Der Umgang mit Corona. Gerd Altmann auf Pixabay

Die Pandemie war das dominierende Thema 2021 – auch bei den Versicherern. Damit verbunden die Impfdebatte, Corona-Beschränkungen, Homeoffice und BSV-Schäden. Zudem sorgten die Bewegungen in der Lebensversicherung, die Medienkritik an der DVAG und die Debatte um das Provisionsverbot für Zündstoff. Welche Themen 2022 anstehen, beleuchten in der heutigen Spezialausgabe die führenden Manager der Branche. Die Redaktion verabschiedet sich an dieser Stelle für eine kurze Weihnachtspause. Ab dem 3. Januar sind wir dann mit den neuesten Insurance-News wieder für Sie da.

Im Januar 2021 blickten alle gespannt über den Atlantik auf die Abschiedstour von Donald Trump, der die US-Präsidentschaftswahlen verloren hat. Wie befürchtet wollt er nicht freiwillig gehen und hetzte seine Anhänger am 6. Januar auf das US-Parlamentsgebäude. Mittendrin in politischen Säbelrasseln befanden sich große Versicherer beim Bau von Nord Stream 2. Die Zurich und Munich Re verkündete den Ausstieg aus dem Projekt, um US-Sanktionen zu vermeiden. Bis heute ist die Pipeline nicht in Betrieb.

National sind die M&A-Aktivitäten der Industrieversicherungsmakler zu erwähnenswert. „Warweg kauft GGW, MRH Trowe erwirbt Fivers, MLP will RVM“, hieß eine Schlagzeile. Was Corona angeht, musste GDV-Präsident Wolfgang Weiler zugeben, dass die Branche bei Leistungen um BSV-Produkte einen hohen Imageschaden erlitten hat. Währenddessen sind britische Versicherer mit der Berufungsklage gegen das High-Court-Urteil gescheitert und mussten damit Millionenentschädigungen an BSV-Kunden zahlen.

Versicherer bügeln deutsches Impfdesaster aus

Seit Dezember 2020 wurde in Deutschland fleißig geimpft. Die Kampagne wurde allerdings auch von Unsicherheiten begleitet. Die Impfung von AstraZeneca wird wegen starken Nebenwirkungen im Februar gestoppt. Was das für Versicherer bedeutet, wurde zum Klickhit des Jahres 2021. „Wird AstraZeneca zum Schadenfall für die Versicherer?“ haben über 56.000 VWheute-Nutzer gelesen.

Ohnehin lief die Impfkampagne der Bundesregierung nur schleppend voran, weil zu wenig Vakzine bestellt wurde. Im März nahmen Versicherer deshalb den Schutz ihrer Angestellten selbst in die Hand: „Zurich, Generali, Allianz, R+V: Versicherer bügeln das deutsche Impfdesaster aus“ – mit 44.000 Klicks auf Rang drei der meistgelesenen Beiträge.

Zudem bewegte die Branche im Frühjahr, dass die Allianz unter Nutzung der Treuhänderklausel die Rentenfaktoren in bestehenden Verträgen kürzt sowie die mächtige Deutschland-Holding auflöst sowie ein Urteil zu PKV-Prämienanpassung, was mit 43.000 Klicks auf dem 5. Rang der meistgelesenen Beiträge landete.

Politisch was interessant zu beobachten, wie der Programmentwurf der Grünen und der SPD aussehen wird – zumal den Parteien realistische Chancen bei der Regierungsbildung zugetraut wurden. Sie sprachen sich beide für die Einführung einer Bürgerversicherung aus . Die Grünen wollten zudem die Provisionen abschaffen, 9 Monate später ist davon nichts mehr zu hören.

Provisionsverbot scheint vom Tisch, Run-offs für Altbestände bleiben eine Option

Im April war es fast ein Jahr, dass die Manager-Elite der Versicherungsindustrie an keinen öffentlichen Veranstaltungen teilnahm. Umso aufgeregter waren die Gäste des ersten Panels des VersicherungswirtschaftClub – einem neuen Talk-Format, das die Zeitschrift Versicherungswirtschaft zu seinem eigenen 75. Jubiläum gemeinsam mit den Badischen Versicherungen (BGV) in Karlsruhe auf die Beine stellte. Selten zuvor zeigte eine Diskussion so offen, wie sich die Branche sieht, womit sie zu kämpfen hat und wo sie wirklich hin will.

(v.l.n.r.) Michael Stanczyk, Chefredakteur Versicherungswirtschaft; Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht Bafin; Giovanni Liverani, CEO Generali Deutschland; Zeliha Hanning, CEO Württembergische Versicherung; Norbert Rollinger, CEO R+V, Ramin Niroumand, CEO und Gründer von Finleap; David Gorr, Redakteur Versicherungswirtschaft (Bildquelle: www.artis-foto.de)

Im April veröffentlichten die Lebensversicherer ihre Solvenzberichte. Neben der Last der Niedrigzinsen drückte die Corona-Pandemie bei manchen Gesellschaften die Solvenzquoten weiter nach unten. Alles zum Thema Lebensversicherung und Run-offs wurde vielfach geklickt. Am zweithäufigsten im Jahr 2021 (45.000 Klicks) wurde die Meldung zur Streichung der volle Beitragsgarantie in der betrieblichen Altersvorsorge bei der Allianz geklickt.

Kürzlich kündigte Signal Iduna an, ab Januar Neugeschäft über neuen, nachhaltigen Lebensversicherer (Signal Iduna Lebensversicherung AG) zu machen. Zurich prüft derzeit einen Run-off für seine Altbestände. Dabei hat das Geschäft mit dem Ankauf von Altbeständen noch gar nicht sein vollstes Potenzial ausgeschöpft, glaubt Arndt Gossmann, geschäftsführender Gründer der Gossmann & Cie.-Gruppe. Denn nicht der Zinssatz sei ein Game Changer, sondern die Digitalisierung, erläuterte er in einem Gastbeitrag. Eng verbunden mit dem Lebengeschäft wurde ein mögliches ProvisionSverbot diskutiert. Hohe Wellen schlug zuletzt auch die Zukunft der Riester-Rente und der Vorschlag für ein digitales Standardprodukt.

v.l.n.r: BVK-Präsident Michael H. Heinz (Quelle: BVK), TH-Köln-Professor Torsten Oletzky (Quelle: Thilo Schmülgen / TH_Köln), GDV-HauptgeschäftsführerJörg Asmussen (Quelle: GDV) lieferten sich einen Schlagabtausch um die neue Riester-Rente.

Zweikampf bei Kfz, vorzeitige Aufgabe in der Cyber-Sparte

In der Top-Ten der Klickhits landete zweimal auch das Thema Kfz-Versicherung. Ein Interview mit Huk-Coburg-Chef Klaus-Jürgen Heitmann über Ökologie, Telematik und neue Partnerschaften und sowie eine Analyse über die neue
Kfz-Strategie des Konkurrenten Allianz. Selbst die Sommerflut hatte Auswirkungen auf die Sparte. Denn: „Hohe Elementarschäden sprechen klar gegen eine Prämiensenkung bei Kfz“, sagte Dennis Wittkamp von Assekurata.

Eine andere Sparte hingegen war fast wöchentlich groß in den Medien: die Cyberversicherung. Hacker griffen auch Versicherer an, nämlich die Haftpflichtkasse. Im Zuge der zunehmenden Schäden hat sich der französische Versicherer Axa dazu entschieden, kein Lösegeld mehr an Cyber-Kriminelle zu zahlen. Unter den 20-Klickhits fand sich auch entsprechend die exklusive Meldung, wie stark einzelne Gesellschaften von der Sicherheitslücke Log4Shell betroffen sind.

(v.l.n.r.) Michael Stanczyk, Chefredakteur Versicherungswirtschaft; Carsten Schildknecht, CEO Zurich Deutschland; Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (inzwischen Wirtschaftsberater von Olaf Scholz); Theodoros Kokkalas, CEO Ergo Deutschland; Frank Walthes, CEO Konzern Versicherungskammer, Michal Trochimczuk, CEO Sollers; David Gorr, Redakteur Versicherungswirtschaft.

Im Herbst fanden führende Manager erneut den Weg nach Karlsruhe für den Versicherungswirtschaft Club. Beim Hauptthema Vertrieb waren sich die Chefs von Ergo, Zurich oder Konzern Versicherungskammer beim Live-Talk am Freitag einig: Der persönliche Vertrieb bleibt fester Bestandteil der Strategie der Versicherer.

Wie ehrlich es die Vermittler, vor allem die Vermögensberater der DVAG, beim Vertrieb von Policen meinen, thematisierte Satiriker Jahn Böhmermann – was unsere Leser mit vielen Klicks honorierten. Fast doppelt so stark wurde dann in der gleichen Woche die Meldung aufgerufen, bei der das ZDF den Finanzvertrieb kritisch unter die Lupe nahm.

In eigener Sache:

An dieser Stelle bedanken wir uns für das große Interesse, Feedback und die aufmerksame Lektüre unseres Tagesreports Versicherungswirtschaft-heute. Wir verabschieden uns für eine kurze Weihnachtspause und versorgen Sie ab dem 3. Januar 2022 wieder tagesaktuell mit den Themen, die die Branche bewegenWissensvorsprung inklusive.

Die Redaktion wünscht Ihnen eine frohe Weihnachtszeit, einen ruhigen Jahresausklang und ein gesundes sowie erfolgreiches Jahr 2022.

Michael Stanczyk, Maximilian Volz, David Gorr, Tobias Daniel

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