“Frontal-Angriff”: ZDF legt mit pikanten Details gegen DVAG nach

Quelle: ZDF/feedmee

Die Deutsche Vermögensberatung steht dieser Tage offensichtlich im Visier des öffentlichen TV-Senders ZDF. Nachdem Starsatiriker Jan Böhmermann das Unternehmen jüngst böse auf die Schippe genommen hat, setzte das Magazin ZDF Frontal einen drauf. Im Fokus standen die Geschäftspraktiken der DVAG. Ein anonymer Berater erklärte, dass man “mit Geld zugeschissen wird”, wenn man eine Zeit lang hauptberuflich mit dabei sei. “Was deine Freunde zur DVAG sagen, scheißegal.”

Zunächst im Blick: Der vermeintlich hohe Vertriebsdruck auf die einzelnen Vermögensberater. Laut einer anonymen Aussteigerin gelte schlicht und einfach, möglichst viel zu verkaufen, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, so der Vorwurf. Die Beratungsqualität würde dabei auf der Strecke bleiben. Als Beleg dafür wird eine 29-jährige Kundin genannt, die bei der DVAG einen Fondssparplan, eine Riester-Rente und eine weitere Rentenversicherung abgeschlossen hatte. Von den eingezahlten 2.400 Euro würden 542 Euro für Verwaltungskosten abgezogen werden, rechnen die im Beitrag zitierten Verbraucherschützer vor. Die Kosten würden am Ende die Rendite der Kunden auffressen.

Die DVAG beschäftige zudem immer wieder die Gerichte. Das ZDF nannte zwei Beispiele: 2012 etwa verurteilte der BGH das Unternehmen wegen schlechter Beratung zu Schadensersatz. Ein anderes Mal musste im Jahr 2017 die AachenMünchener für die Beratungsfehler einer DVAG-Vermittlerin aufkommen. Für die DVAG selbst seien das Einzelfälle.

Provisionssystem in der Kritik

“Wenn du eine Zeit lang hauptberuflich mit dabei bist, wirst du mit Geld zugeschissen”, sagte ein anonymer und erfolgreicher DVAG-Berater im ZDF. “Was deine Freunde zur DVAG sagen, scheißegal. Scheiß auf die.”

Vor allem das Provisionssystem stand in der Kritik, mit dem am Ende auch der Vermittler selbst der Leidtragende sei: “Der Provisionsanreiz entpuppt sich sehr schnell als Fehlanreiz”, erklärt Professor Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigsburg gegenüber dem ZDF-Magazin.

Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg ihrerseits hält auch von den Werbekampagnen der DVAG mit Stars wie etwa Jürgen Klopp nicht viel. Dort ist häufig von Vertrauen und Hilfe die Rede. Die Expertin erklärte, dass anderen zu helfen vor allem darin liege, “neutral zu beraten, nicht provisionsorientiert Dinge zu verkaufen.” In einem Statement gegenüber dem ZDF wehrt sich die DVAG gegen die Kritik. “Bedarfsgerechte Beratung steht bei der Deutschen Vermögensberatung im Vordergrund.”

Politischer Einfluss

Indes seien laut Bericht auch andere Methoden der DVAG zweifelhaft. An Volkshochschulen referieren Coaches über den Umgang mit Geld. Zunächst wirkte der Kurs im aufgezeigten Fall wie eine unabhängige Finanzberatung. Erst später entpuppt sich, dass die Coaches “verdeckte” DVAG-Berater sind.

Zudem kritisiert Britta Langenberg von der Bürgerbewegung Finanzwende die engen Verflechtungen in die Politik: “Für die DVAG ist es natürlich wichtig, gut und frühzeitig über Gesetzesvorhaben informiert zu sein. Zum anderen hilft eine solche Kontaktpflege auch, wenn man Einfluss nehmen kann.”

So wurde erneut ein Einspieler von 2008 gezeigt, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel den mittlerweile verstorbenen Gründer Reinfried Pohl ausgiebig lobte. “Herr Pohl, sie haben ein tolles Konzept, ein klassisches Konzept der sozialen Marktwirtschaft.” Pohl habe immer wieder Menschen gefunden, die sich für andere Menschen engagieren. Das lässt viel Raum für Interpretationen.

Verwunderlich sind die engen Beziehungen in die Politik – und vor allem zur Union – nicht: So zählt die DVAG weiterhin zu den größten Geldgebern der Parteien. Allein in diesem Jahr hat das Finanzunternehmen bereits rund 650.000 Euro an die verschiedenen Parteien gespendet – der größte Teil davon (rund 300.000 Euro) geht an die CDU. Dahinter folgen die FDP mit einer Summe von 150.000 Euro sowie die SPD und Bündnis 90/Die Grünen mit jeweils 100.000 Euro. Dies geht aus einer aktuellen Liste des Deutschen Bundestages hervor, die alle Parteispenden von mindestens 50.000 Euro seit Jahresbeginn aufführt.

Die Spendenpraxis der DVAG ist allerdings schon lange bekannt. So gehört der Finanzkonzern schon seit Längerem zu den Großspendern der Parteien. Allein 2018 gehörten die DVAG sowie das Tochterunternehmen Allfinanz DVAG laut einem Bericht des Spiegel mit einer Summe von rund 240.000 Euro zu den größten Geldgebern der Parteien.

Bereits vor wenigen Tagen zerlegte Starsatiriker Jan Böhmermann in seiner Freitagnacht-Show Magazin Royale die DVAG in ihre Einzelteile. Rund 20 Sendeminuten widmete er dem von Reinfried Pohl gegründeten Vertriebskonzern.

“Über vermeintliche oder auch zugespitzte Satire kann man bekanntlich streiten. Grundsätzlich nimmt die Deutsche Vermögensberatung keine Stellung zu einseitigen Meinungsbeiträgen. Insbesondere wenn diese unzutreffende Aussagen enthalten, wie zum Beispiel, die DVAG sei ein Pyramidensystem”, erklärte eine Sprecherin gegenüber VWheute.

Neu sind die Vorwürfe an die DVAG nicht. Die Kritik an den Geschäftsmethoden des Unternehmens dürfte dennoch auch in Zukunft nicht leiser werden.

Autor: VW-Redaktion

23 Kommentare

  • Bereits im letzten Jahr habe ich einem “Jürgen” aus Liverpool geschrieben – leider ohne Antwort.
    Auf MiBB.net können alle den “offenen Brief” nachlesen….
    Bernhard Klabe

  • Bei allen Finanzvertrieben ist es im Gegensatz zu Einfirmenvertretern oder Maklern erstes Gebot:
    ” Verkaufen, verkaufen, verkaufen”. Das die Beratungsqualität und Kundenbedürfnisse hintenan stehen wird durch den immensen Verkaufsdruck und/oder Existenzsorgen grundsätzlich ” vergessen “.
    Ein Fachmann/frau sagte dazu: ” Ein seriöser Strukturvertrieb ist wie eine demokratische Diktatur”.

  • Eine Jahrhunderte andauernde krankhafte Marotte des Deutschen. Gepaart mit Neid, Missgunst, Gier. Ich entschuldige mich falsch ich eine eklige menschliche Begleiterscheinung nicht erwähnt habe. Man tut so als würde der Vermittler an sich ein zu erlegendes Schwein sein. Ob man nun die DVAG mag oder nicht, sei dahingestellt. Was kostet eigentlich ein Audi, VW oder Mercedes in der Produktion bis hin zum Vertrieb? Ich bekomme gerade etwas zu essen. Ich frage mal was an diesem Frass 15.00 € kostet.

  • Die “Vermögensberater” des Strukkivertriebes DVAG sind keine “Vermögensberater” sondern Versicherungsvertreter und als solche im Vermittlerregister eingetragen. Das wissen viele Kunden bis heute nicht. Vielleicht hätte man das in der Sendung einmal erwähnen sollen, denn die meisten Kunden kennen bis heute nicht den Unterschied zwischen Makler und DVAG-Strukki. Als Makler kann ich unabhängig beraten, als DVAG-Strukki nicht.

  • Als ehemaliger Kunde kann ich die Vorwürfe bestätigen. Mir wurden Versicherungsverträge angedreht, die dann umgedeckt werden sollten. Neuer Vertrag, neue Provision. Mit überteuerten Verträgen bei entsprechender Beratung hätte ich leben können, aber nicht mit Übervorteilen der Kund*in und Provisionsoptimierung zum Nachteil von Kund*innen. Schön wäre mehr Ehrlichkeit. Der Begriff Berater ist irreführend und mich wundert, dass dies vom Gesetzgebern nicht als Verbrauchertäuschung behandelt und geahndet wird. Mit Ethik will ich jetzt gar nicht anfangen.

  • So wie es hier im Bericht steht geht es auch in anderen Struktursystemen ähnlich zu.
    Die DVAG ist da nicht alleine Unterwegs. Es gibt sehr viele Parallelen zu anderen Finanzanbietern.
    Und man sollte jetzt nicht alle an den Pranger stellen aber die eine oder andere Institution hinterfragen.

    Ich bleibe anonym, aufgrund dessen das ich selbst in einem Strukturvertrieb gearbeitet habe, sehr erfolgreich Unterwegs war und auch aufgestiegen in die Führungsriege bin und genau weiß wie es dort abgeht, vertraglich aber zum schweigen verdonnert wurde. Die Aussage ” Was deine Freunde dazu sagen, Scheiß drauf”, kenne ich. Oder auch der Aspekt mit dem schnellen Geld, ja damit werden viele in solche Unternehmen gelockt.
    Man meldet ein Gewerbe an und es wird einem Suggeriert man sei Selbstständig, letztendlich ist man es auf dem Papier auch, aber es wird dir ganz genau Vorgeschrieben was du zu machen hast, welche Pflichtmeetings du zu besuchen hast, und und und. Widersetzt man sich seinen sogenannten Führungskräften, dann kann es passieren das man ganz alleine auf sich gestellt ist und einfach Fallen gelassen wird. Immer treu dem Motto ” spiel mir Geld ins Portmonee und ich bin dein Freund, hinterfragst du alles dann hast du einen holprigen Weg vor dir. Oft scheidet man dann aus diesen Strukturen aus. Und dann geht’s richtig los, deine Kunden werden von den neuen Beratern kontaktiert und besucht, in der Regel werden dann deine Verträge umgedreht. Somit gibt’s frisches Geld und der der ausscheidet aus der Struktur, der bekommt einen Storno uns muss seinen Provision zurück bezahlen.

    Ach ich könnte noch so vieles erzählen wenn die richtigen fragen gestellt werden würden!!!!

  • Ja Mister XXX. Und trotzdem wehre ich mich gegen Verpauschalisierungen. Wie kommen denn die Produkte in den Handel und dann zum Kunden? Hoffentlich ohne Vertrieb. Und der Verkäufer bekommt für einen Renault Twingo genauso viel wie der Verkäufer bei Mercedes für einen S 600. was für ein Schwachsinn wird hier nur diskutiert oder geurteilt oder berichtet. Ich wäre für die gesamte Abschaffung der Branche. Und gerade der Staat steht mit 19 % Versicherungssteuer in allen SHUK Sparten. Soviel wird das Produkt stellenweise nicht einmal verprovisioniert. Bei den Treibstoffen an der Tankstelle setzt eine Steuer auf die Nächste. Tabak, Alkohol ebenso. Und da werden andere Summen umgesetzt als in der verkommenen Altersvorsorge. Was möchten die Journalisten?

  • Selten so einen Quatsch gelesen. Von 2008 und 2017 wurden also Beispiele genommen! Wo sind die aus 2020 und 2021? Warum keine aktuellen Beispiele. Was ist mit den anderen Konzernen, wie Allianz, die genauso viel Spenden. Was ist mit den Beruf Verkäufer schlechthin? Will er mir immer das Beste verkaufen? Die Sendung Frontal wärmt olle Kamelle auf, wie leider viel zu oft, weil sie sonst nichts haben. Die gleiche Sendung gab es mit den fast gleichen Inhalten bereits vor drei Jahren….

  • Jawohl, selten so einen Quatsch gelesen, Herr Braun.
    Aber Verkäufer z.B. aus dem VW-Autohaus mit DVAG-Verkäufern zu vergleichen, wie kommen Sie darauf? Im Autohaus weiß man, dass man nur dei Produkte von VW oder Toyota etc. bekommt. Die DAVG-“Berater” suggerieren aber den Kunden sie seien Makler, die den Kunden “nur das Beste” vermitteln. Vielleicht glauben die Möchtegernberater sogar selbst an diesen Unsinn?

  • Quatsch?

    Das Problem war bei mir, dass Renten-Verträge umgedeckt werden sollten. Neue Provision, die Provision für die vorherigen Verträge wäre nahezu futsch gewesen. Die neuen Verträge natürlich mit schlechterer Garantieverzinsung. Überteuerte Verträge sind das Eine, Umdecken ist etwas Anderes und ethisch fragwürdig.

    Hoher Vertriebsdruck erklärt vieles. Einfach ehrlich sein und von Verkaufsgesprächen und von Verkäufern reden und ehrlich sein, dass man auf Provision aus ist.

  • Ach, es ist traurig mit diesem Land…

    Diejenigen die am wenigsten Ahnung von der Branche haben, reißen den Mund am weitesten auf. Es steht doch jedem frei in einem Vertrieb, ob nun Struktur oder nicht, ob Versicherungen oder Finanzen, durchzustarten. Die Branche sucht, wie viele andere auch, Nachwuchs.
    Die Wahrheit ist doch, dass die wenigsten Kritiker den Arsch in der Hose haben Ihre Komfortzone zu verlassen und in einen so gehassten Beruf einzusteigen. Stattdessen greifen Neid und Missgunst über die angeblich hohen Provisionen um sich. Erklärt den ganzen Besserwissern doch mal, dass die allermeisten Vertriebler Unternehmer sind, also eine gänzlich andere Kostenstruktur haben als ein Angestellter und erläutern Sie die Tatsachen, dass man bis zu 5 Jahre ausdauern muss, um die Provision, die man sich auch erarbeitet hat, behalten zu dürfen. Es ist einer von ganz wenigen Berufsständen, die Ihre Provisionen und Kosten allen gegenüber offen legen müssen. Die vielen Kontakte, Gespräche und Beratungen nehmen extrem viel Zeit in Anspruch, die eben nicht vergütet wird, bis es wirklich zu einem Abschluss kommt. Erklären Sie mal einem der Kritiker, er müsse mehrere Stunden oder Tage ohne Bezahlung arbeiten…
    Wenn man den Berufsstand weiterhin so dermaßen denunziert, wird er wohl irgendwann aussterben.
    Dann sind zwar alle Kritiker zufrieden, aber diese Geiz ist Geil Mentalität wird unser kapitalistisches System wohl oder übel zusammenbrechen lassen.

  • Werte(r) MK, wenn es so bitter, hart und traurig wäre als Strukki zu arbeiten, dann täte es wohl keiner mehr.

  • War doch nie anders. Ob HMI, OVB, Maschmeyers AWD, alle Strukturvertriebe sind davon gekennzeichnet Kunden möglichst schnell über den Tisch zu ziehen, damit diese die dabei entstehende Reibungsenergie als Nestwärme empfinden. Der Strukturvertrieb gehört schlicht verboten, zumindest in der Finanzindustrie.

  • @MK, wenn der Berufsstand des Strukturvertriebs ausstirbt, dann wird keiner etwas dagegen haben.

  • Ewig bekannter Abzockerverein. Sowohl für die Kunden als auch für die immer wieder neu angeworbenen kleinsten Leuchten in der Struktur.

    Die “oben” machen sich das Säcklein voll, unten geht’s nur ums rücksichtslose verkaufen. Wenn das Frischfleisch weniger Neukunden gewinnt, weil der Familien- und Freundeskreis abgegrast ist, wird es aussortiert – ausgequetscht und weggeschmissen.

    Warum sich das Unternehmen “Beratung” nennen darf, verstehe ich bis heute nicht.

  • @Marco: Wie ich bereits sagte, solche Aussagen können nur Menschen treffen, die nicht in der Materie stecken. Sie vergessen hierbei nämlich, dass es sich nicht nur um Strukturvertriebler handelt. Es hängen tausende Job´s an diesen unseriösen, bösen Menschen. Und leider gibt es unter diesen Vertrieblern auch zahlreiche sehr gute Leute, die Ihren Beruf und dessen Bedeutung sehr ernst nehmen.
    @FR: In der Tat sind die Zahlen seit Jahren stark rückläufig. In unserer heutigen Gesellschaft gibt es eben mehr bequeme Menschen, als jene, die sich eben doch noch den Hintern aufreißen wollen. Davon ist sicher nicht nur diese Branche betroffen.

  • Ich gebe MK in allen Punkten recht.
    Und schlechte Berater gibt es überall! Neulich beim Bäcker, das war eine Frechheit, was ich empfohlen bekommen habe. Kein Wunder, die Bäckereifachverkäuferin ging nicht auf meine Wünsche ein, wollte ein dunkles Brötchen. Ich habe dennoch auf die Empfehlung gehört. Wollte den anteiligen Service-Anteil im Preis dann später wieder zurück. Der Bäcker hat mich saublöd angeschaut…
    Eine Art Provision wird überall gezahlt, und kein anderer Beruf haftet so sehr wie Versicherungsvermittler. Bin sogar selbst aus Urzeiten auch DVAG-Kunde und sehr zufrieden. Hatte eben einen guten Berater.
    Und genauso berate ich heute, mit viel Empathie und bedarfsgerecht. Wie eben ganz viele andere auch, egal welcher Vertrieb oder Versicherer.

    Käme ich auf die Idee, meine GEZ zurück zu fordern, weil Jan Böhmermann schlechte (nein, sehr schlechte) Witze und Entertainment liefert oder die investigativen Reporter beim ZDF alle vier Jahre die Themen aufgrund eigener Unfähigkeit wieder aufwärmen?

  • “[…], dass man bis zu 5 Jahre ausdauern muss, um die Provision, die man sich auch erarbeitet hat, behalten zu dürfen.” Jetzt wird klar warum Versicherungsverkäufer NACH 5 Jahren motiviert sind, NEUE Verträge verkaufen zu wollen und bestehende stillzulegen, weil dann die Provisionshaftungszeit vorbei ist. Kunden stehen dann total im Minus.
    Was machen Verkaufsgesellschaften gegen diese Praxis?
    Wie werden Kunden gegen diese Praxis geschützt?

    Kunden die Fehlberaten wurden und Angst um Ihre Altersvorsorge haben, empfinden sicherlich keinen “Neid und Missgunst” eher Sorge um den Lebensabend.

    Wenn ein Brötchen nicht schmeckt, kauft man sich ein Anderes. Die paar Cent hat jeder. Bei einer Rentenversicherung, die nicht passt oder umgedeckt wird, sind schnell paar Tsd. € weg, in Einzelfällen mehr als 10 Tsd. €. Das ist eine ganz andere Nummer.

    Das Problem sind nicht nicht wirklich die Provisionen, sondern das Stilllegen und Umdecken von Renten- und Lebensversicherungen, die bis zum Lebensende angelegt sind, bei denen aber am Anfang der Einzahlung, also ganz am Anfang, Provisionen abgezogen werden, die also von den ERSTEN Einzahlbeträgen abgehen.
    Hier entsteht der Eindruck, dass es für Verkäufer keinen Anreiz gibt längerfristige Verträge zu erhalten, weil, ja weil dafür keine Abschlussprovisionen mehr fließen (Provisionshaftungszeit 5 Jahre, Riester noch 10 oder schon 5 Jahre?). Das spricht eigentlich gegen Provisionen. Hinzu kommen relativ hohe Fondsgebühren.
    Interessant wäre zu wissen, wie viel von den Provisionen wirklich bei den Verkäufern ankommen. Provisionen sind in Ordnung, wenn Kunden einen Mehrwert haben. Umdecken und überteuerte Verträge sind kein Mehrwert.
    Mich würde mal interessieren, wie Verkaufsgesellschaften verhindern, dass Kunden übervorteilt werden? Oder profitieren diese davon, durch höhere Umsätze? Fördert die gängige Vergütungspraxis ethisches Verhalten? Das ist eine ehrliche Frage!

  • Bei der DVAG kauft man die Rente im Sack.
    Sparvertrag bei dem man in einem oder mehreren Aktienfonds anlegt die mittendrin geschlossen werden ohne dass man informiert wird. Man kann ja kostenlos umschichten.
    Dass der Vertrag zuteilungsreif ist und man einen Antrag auf monatliche Rentenzahlung stellen kann, wird dem Kunden nicht wirklich verständlich mitgeteilt. Auch war bei Vertragsabschluss nicht klargestellt worden dass es eine Rente in unbekannter Höhe sein wird.
    Ah ja.
    Nachdem der Antrag gestellt wurde wird die Versicherungsmathematik beauftragt: Ergebnis, ohne Verzinsung und Inflationsausgleich dauert es mehr als 22 Jahre bis man seine eigenen Beiträge wieder zurück hat. Dann bin ich mehr als 80 Jahre alt. Werde ich überhaupt so alt ?
    Falls ja, die Rendite ist dennoch eindeutig im Minusbereich. Aber nachrechnen kann das aufgrund der Inflation eh niemand. Das miese Bauchgefühl reicht vollkommen aus.

  • @Rolf, zumindest für die Allianz kann ich dir folgendes sagen: Wird ein Lebensversicherungsvertrag gekündigt und innerhalb eines gewissen Zeitraums( ich glaube 12 Monate, Nagel mich da bitte nicht fest) ein neuer abgeschlossen, muss der Kunde unterschreiben, dass er sich der Kostensituation bewusst ist. Außerdem erhält man als Vermittler dieses Geschäfts keine Provision, das soll solche Praktiken unterbinden.

  • Da habe ich gerade wieder etwas dazugelernt.
    Bisher dachte ich, dass nur das ZDF mit Geld zuscheisst.

  • Werner O. Hamann

    MK hat in allen Ausführungen Recht! In jedem Job, gerade in Beratungsberufen, gibt’s unterschiedliche Ansichten und Meinungen und Verkäufer haben die Aufgabe, die Kunden-Meinungen zu ermitteln, dann zu beraten und zu verkaufen. Und verkaufen ist was anderes, als zu verteilen! In der Finanzbranche sind‘s sog. Analyseformulare, die mit dem Kunden durchgegangen werden, um z.B. Lücken in seiner Versorgung erkennen zu können; dann wird der Geldeinsatz mit ihm abgestimmt und das Produkt beantragt; dann erhält der Kunde den Vertrag! Dieser Zeitraum nimmt mehrere Wochen in Anspruch, wo der Kunde immer noch Abstand vom Antrag/Vertrag nehmen kann, wenn er sich zwischenzeitlich überfordert fühlt. Und kein Verkäufer kann ohne Empathie vermitteln, was absolut nix mit Verkaufsdruck zu tun hat !

  • Wie weit ist das Land gekommen, wenn ein sogenannter ‚Starsatiriker’ sich um Wirtschaftsfragen kümmert und dann noch als Kronzeuge herangezogen wird. Früher hatte das ZDF für sowas nach meiner Erinnerung eine Wirtschaftsredaktion. Belege: Eine Aussteigerin, eine Kundin – meine Güte, das bringt ja das System zum Erzittern. Ob bei der DVAG oder der örtlichen Sparkasse: Die ‚Vermittlung‘ von Anlageprodukten ist ein Verkaufsvorgang und kein Service der Heilsarmee. Richtig ist, dass der potentielle Kunde das besser vorher realisiert als hinterher.

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