Alle wollen mehr Nachhaltigkeit – eine gute Idee?

Ist Nachhaltigkeit in der Finanzbranche die Zukunft? Bild von Gerd Altmann auf Pixabay.

Die Stuttgarter konnte im letzten Jahr den Absatz in der Altersvorsorge insbesondere wegen ihrer Nachhaltigkeitsangebote steigern. Doch nicht nur der Versicherer aus der schwäbischen Hauptstadt ist auf den grünen Zug aufgesprungen, das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Mitte der Finanzbranche angekommen. Doch es droht eine Blasengefahr.

Die Bedeutung des Themas steigt exponentiell an. Ralf Berndt und Guido Bader, Vorstände der Stuttgarter, haben bereits im November ausführlich mit VWheute über diese Themen gesprochen. Im Interview mit der Zeitschrift Investment erklärten sie nun erneut, dass sie eine gesteigerte Nachfrage bei nachhaltigen Produkten erwarten und Eingriffe der Aufsichtsbehörden fürchten.

“Junge Menschen machen sich heute mehr Gedanken um die Zukunft und denken verstärkt über ihre Altersvorsorge nach, anstatt in den Tag zu leben, erklärt Berndt gegenüber der Finanzzeitschrift.

Und wie stets gilt, was die Kunden wollen, bieten die Unternehmen. Viele haben sich bereits darauf eingestellt. “Klimawandel und Nachhaltigkeit sind als Dauerthemen in den Chefetagen angekommen”, erklärt Sven-Olaf Leitz, Mitglied des Vorstands Financial Services bei KPMG . Viele Finanzdienstleister gehen das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich an und hinterfragen ihre Produkte, Prozesse sowie Infrastruktur, aber auch ihre Lieferketten anhand von Nachhaltigkeitskriterien, erklärt er. Die Relevanz des Themas gewinne für Aufsicht, Kunden und Öffentlichkeit “zunehmend an Bedeutung”. Der Finanzdienstleister MLP hat mit Ines Löffler eine Nachhaltigkeitsbeauftragte ernannt, die die Weiterentwicklung und Koordination sämtlicher Nachhaltigkeitsinitiativen des MLP Konzerns verantwortet.

Grüne Pflicht

“Wir spüren eine unheimliche Dynamik, die zunehmen wird, wenn die Berater das Thema Nachhaltigkeit ab dem nächsten Jahr im Zuge der Transparenz-Verordnung aktiv ansprechen müssen”, erklärte Berndt gegenüber VWheute. Die Vermittler müssen sich dafür wappnen.  

Bei einer größeren und plötzlichen Nachfrage schwingt stets Gefahr mit. “Ein bisschen Sorge habe ich vor einer grünen Blase […]. Es könnte schlagartig ein enormer Anlagedruck in nachhaltige Kapitalanlagen entstehen”, führt Bader aus.

“Solange die Menschen nachhaltige Finanzprodukte nicht verstehen, wird der gewünschte Boom ausbleiben”, glaubt dagegen Prisma-Life-Chef Holger Beitz und fordert eine bessere Aufklärung zum Thema. Wie sich der Markt entwickeln wird, entscheiden – wie immer – die Kunden mit ihrer Anlageentscheidung.

Autor: VW-Redaktion