Branchenpuls: Axa, Nachhaltigkeit, Corona

Was lässt den Puls der Branche höher schlagen? Quelle: OpenClipart-Vectors auf Pixabay.

Neues Jahr, neues Glück? Das Jahr 2022 ist bereits zehn Tage alt – doch die Herausforderungen des alten Jahres vor allem mit Blick auf Corona sind geblieben. Für manch Versicherer ist das neue Jahr allerdings auch mit einem Neustart verbunden. Aktuelles Beispiel: Die Axa Deutschland.

Was bisher geschah …

So setzt der Versicherungskonzern voll und ganz auf sein Strategieprogramm, „das entschlossen die Transformation und die kulturelle Weiterentwicklung unseres Unternehmens fortsetzt. Im Zentrum stehen weiterhin ein konsequenter Kundenfokus und der Ausbau einfacher Kundeninteraktionen beziehungsweise -services – alles mit der richtigen Mischung aus digital und persönlich“, betonte Sach-Vorstand Nils Reich jüngst im VWheute-Interview.

„Letztendlich werden wir unseren Kurs des nachhaltigen, stabilen Wachstums in unseren präferierten Geschäftsfeldern, wie zum Beispiel der Gewerbeversicherung, fortsetzen. Darüber hinaus setzen wir uns auch mit Blick auf die Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung ehrgeizige Ziele – etwa mit Blick auf Investments oder Absicherung der Energiewende“, betonte der 41-jährige Manager. Mit rund 2.250 Klicks waren seine Ausführungen das Topthema der vergangenen Woche.

„Der Klimawandel treibt uns als Versicherer definitiv um. Welchen Beitrag wir mit Blick auf die Energiewende leisten können, hat mehrere Facetten. Eine nachhaltige Gestaltung unserer Kapitalanlagen ist ein Hebel, den wir stringent nutzen. Auch dass wir uns konsequent aus der Versicherung von Kohleenergie zurückgezogen haben, ist bekannt. Die viel wichtigere Frage für uns in der Sachversicherung besteht allerdings darin, inwieweit wir grüne Infrastrukturen wie E-Mobilität, Windkraft, Biogas oder alternative Energiespeichermethoden und Transportmöglichkeiten stärker positiv beeinflussen können.“

Nils Reich, Vorstand für die Sachversicherung bei der Axa Deutschland

Für Unmut sorgte dieser Tage hingegen der geplante Corona-Zuschuss für rund neun Millionen privat Kranken- und Pflegeversicherte. So müssen Normalversicherte 3,40 Euro im Monat und beihilfeberechtigte Beamte und ihre Angehörigen 7,30 Euro für einen Coronazuschlag zahlen. Verfassungsrechtlich sei das bedenklich, erklärt der PKV-Verband.

Allerdings wird der Beitrag nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen verlangt. Diese erhalten einen Zuschuss vom Bund, Privatkassen hingegen gehen leer aus bei den Steuermitteln und müssen den Sonderbeitrag erheben. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei zwei Systemen, die laut Gesetz die gleichen Leistungen erbringen, nur eins vom Staat bezuschusst wird“, kritisiert die Debeka. „Diese Ungleichbehandlung durch eine Doppelbelastung durch Steuern und Beiträge für den gleichen Zweck ist nicht gerechtfertigt und verstößt gegen das Grundgesetz“, ergänzt der PKV-Verband.

Was diese Woche jeder wissen muss …

Auch das Thema Nachhaltigkeit dürfte in diesem Jahr weiter an Bedeutung gewinnen. So ist der Branchenverband GDV davon überzeugt, dass der Markt für nachhaltige Versicherungsprodukte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Ein Treiber werde die überarbeitete europäische Versicherungsvertriebsrichtlinie sein. An diesem Donnerstag diskutieren der Stuttgarter-Vorstand Ralf Berndt, Zurich-Vorstand Björn Bohnhoff, der Bayerische-Vorstand Martin Gräfer, sowie Christian Klein, Professor für Sustainable Finance an der Universität Kassel, über die Frage: „Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge: Zukunftshoffnung oder grüner Schein?“

Für Zurich-Deutschlandchef Carsten Schildknecht gehören „der Klimawandel und die daraus resultierenden Unwetterereignisse“ zu den drei wichtigsten Themen des vergangenen Jahres – deren Folgen die Branche auch in diesem Jahr weiter beschäftigen werden. Dabei sieht der Versicherungsmanager vor allem auch die Politik gefordert: „Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir Menschen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit nicht durch ein Mehr an Verboten und Regularien mitnehmen werden, sondern durch ein Mehr an Geschwindigkeit, Chancen und Möglichkeiten. Mit der neuen Ampelkoalition muss 2022 deutlich werden, dass ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld gefördert wird, das technologieoffen denkt und Anreize für nachhaltige Investitionen in die Zukunft schaffen.“

„Der menschengemachte Klimawandel zeigt sich weltweit und auch in Deutschland unter anderem in der deutlichen Zunahme von Frequenz und Intensität von Wetterextremen. Der Klimawandel ist kein abstraktes Phänomen, er ist wissenschaftlich belegt und hat schon jetzt Auswirkungen auf unsere Lebensqualität, auf die Existenzgrundlage vieler Menschen, auf die Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen und auf die Lebensräume künftiger Generationen. Doch die Sorge um den Klimawandel darf sich weder in kopfloser Panik noch in inhaltsleerer Rhetorik erschöpfen.“

Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Deutschland

Wie groß der Handlungsbedarf aus Sicht der Branche ist, zeigt auch die jüngste Unwetterbilanz des GDV: Noch nie haben Naturgefahren in Deutschland so hohe Schäden verursacht wie im zu Ende gegangenen Jahr. Verantwortlich dafür sind die verheerende Sturzflut im Juli und der Hagelschlag im Frühsommer 2021.

„Mit versicherten Schäden an Häusern, Hausrat, Betrieben und Kraftfahrzeugen von rund 12,5 Mrd. Euro ist 2021 das teuerste Naturgefahrenjahr seit Beginn der Statistik Anfang der 1970er-Jahre.“

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

„Mit 8,2 Milliarden Euro verursachte die Sturzflut im Sommer die höchsten Versicherungsschäden“, sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Ende Dezember 2021. Davon entfallen etwa 7,7 Mrd. Euro auf Wohngebäude, Hausrat und Betriebe und rund 450 Mio. Euro auf Schäden an Kraftfahrzeugen.

Von den 12,5 Mrd. Euro entfallen rund neun Milliarden Euro auf Schäden an Wohngebäuden, Hausrat und Betrieben durch Überschwemmung und Starkregen sowie zwei Milliarden Euro auf Sturm- und Hagelschäden. Die restlichen 1,5 Mrd. Euro sind auf Naturgefahrenschäden an Kraftfahrzeugen zurückzuführen. Insgesamt liegen die Schäden damit noch über denen im Jahr 2002 mit dem August-Hochwasser und verheerenden Stürmen (11,3 Mrd. Euro) und 1990 mit der Orkanserie „Daria“, „Vivian“ und „Wiebke“ (11,5 Mrd. Euro). 

Was über Branchengrenzen hinaus wichtig ist

Neben dem Klima hält auch die Corona-Pandemie die Politik und die Versicherer weiterhin auf Trab: Nach Delta sorgt nun die Omikron-Variante für Sorgenfalten. In vielen Ländern sind die täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus durch die sogenannte Omikron-Variante nach oben geschnellt. In Südafrika zeichnet sich dagegen eine Entspannung der Lage ab. In Deutschland möchte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aus Sorge vor einem Zusammenbruch der kritischen Infrastruktur und Folgen für die Wirtschaft verkürzte Quarantäne-Regeln einführen. Für bestimmte Kontaktpersonen von Infizierten soll die Isolation ganz entfallen.

Quelle: Statista

Zudem soll es nach dem Willen der Politik weitere Kontaktbeschränkungen geben. Demnach soll künftig bundesweit und unabhängig vom lokalen Infektionsgeschehen in der Gastronomie statt der 2G- die 2G-plus-Regel gelten. Offen ist hingegen noch immer die Frage, ob und wann sich die Politik zu einer allgemeinen Impfpflicht durchringen kann. Die Versicherer stehen einer solchen Regelung derzeit offen gegenüber.

„Wir halten das Impfen für einen ganz zentralen Faktor bei der Überwindung der Corona-Pandemie“, betonte die Sparkassenversicherung Anfang Dezember 2021 gegenüber VWheute. Einer Impfpflicht stehe das Haus „grundsätzlich positiv gegenüber.“ Es sei definitiv so, dass die derzeitige Impfquote von rund 70 Prozent nicht ausreicht, um der Pandemie Herr zu werden, ergänzt die Signal Iduna. „Daher ist es wichtig und richtig, über Maßnahmen wie beispielsweise eine allgemeine Impfpflicht nachzudenken, um hier eine Steigerung zu erreichen.“

Swiss Re und Zurich haben in der Schweiz zuletzt die Stellschrauben angezogen und Ungeimpfte praktisch aus ihren Häusern ausgeschlossen. In der vorangegangenen Geschichte zum Thema zeigten sich aber auch große deutsche Häuser gegenüber Verschärfungen aufgeschlossen, insbesondere Axa und Talanx.  Die derzeitige Situation in der Branche ist mit handlungsbereit wohl am besten beschrieben.

Autor: Tobias Daniel

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