Versicherer stehen Impfpflicht offen gegenüber

Der Corona-Veteran Versicherungsbranche bereitet sich auf eine Impfpflicht vor. Bild von Gerd Altmann auf Pixabay.

Corona ist in frischer Form und Intensität zurück. Die Lage ist ernst, die Zahl der Infizierten steigt, die neue Virus-Variante Omikron ist angekommen und Bald-Bundeskanzler Olaf Scholz spricht im Fernsehen über eine Impfpflicht. Die Versicherungsbranche ist auf die neue Mutation, einen möglichen Lockdown und die Impfpflicht vorbereitet. Letztere unterstützen einige Häuser offen.

Die neue Regierung ist mit Beginn ihrer Amtszeit in einer schwierigen Lage. Die Inzidenzen steigen, die Impfquote ist zu niedrig. Zudem ist  mit Omikron eine neue Virusvariante in Deutschland angekommen, deren Gefährlichkeit niemand so richtig einschätzen kann. Ohne erneute einschneidende Maßnahmen inklusive Durchhaltewille ist die vierte Welle nicht beherrschbar. Der kommende SPD-Kanzler Olaf Scholz war gestern Überraschungsgast in der Fernsehsendung Joko und Klaas und sprach eindringlich zu den Impfunwilligen.

„Die Linie zwischen einem milden und einem schweren Verlauf verläuft zwischen Geimpften und Ungeimpften“, stellt er klar. Wer sich nicht impfen lasse, gefährde sich selbst, Kinder und alle seine Mitmenschen. Der entscheidende Satz war unmissverständlich: „Es gibt keine roten Linien, dass die notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden, das ist meine Aufgabe und oberste Priorität.“ Unterstützung bekommt er von seinem künftigen Finanzminister Christian Lindner, FDP, dessen Partei eine Impfpflicht bisher kategorisch ausschloss. Ein Impfzwang sei „verhältnismäßig“, erklärte er.  Der Grünen (Co-)Chef Robert Habeck ist ebenso  wie Noch-Kanzlerin Angela Merkel für das „scharfe Schwert“ Impfpflicht.

„Einer Impfpflicht stehen wir grundsätzlich positiv gegenüber.“   

Sparkassenversicherung

Der Druck auf die Ungeimpften steigt, ob er Früchte trägt, ist vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre fraglich. Die Versicherer – viele im Corona-Krisengebiet Bayern ansässig – setzen auf den schützenden Piks in Verbindung mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln, wie Bayerische, Sparkassenversicherung, Signal Iduna, VKB und Nürnberger erklären.

„Wir halten das Impfen für einen ganz zentralen Faktor bei der Überwindung der Corona-Pandemie“, schreibt die Sparkassenversicherung. Einer Impfpflicht stehe das Haus „grundsätzlich positiv gegenüber.“ Es sei definitiv so, dass die derzeitige Impfquote von rund 70 Prozent nicht ausreicht, um der Pandemie Herr zu werden, ergänzt die Signal Iduna. „Daher ist es wichtig und richtig, über Maßnahmen wie beispielsweise eine allgemeine Impfpflicht nachzudenken, um hier eine Steigerung zu erreichen.“

Müssen Ungeimpfte künftig draußen warten?

Swiss Re und Zurich haben in der Schweiz zuletzt die Stellschrauben angezogen und Ungeimpfte praktisch aus ihren Häusern ausgeschlossen. In der vorangegangenen Geschichte zum Thema zeigten sich aber auch große deutsche Häuser gegenüber Verschärfungen aufgeschlossen, insbesondere Axa und Talanx.  Die derzeitige Situation in der Branche ist mit handlungsbereit wohl am besten beschrieben.

„Die Omikron-Variante hat bisher keinen Einfluss auf die Schutzpläne.“

Nürnberger Versicherung

Aktuell plant die Nürnberger keinen Ausschluss von Ungeimpften. Eine Impfpflicht, wie sie nun der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz ins Spiel gebracht hat, „würde die Situation aber natürlich ändern“. Die Bayerische passt ihre Maßnahmen „stetig den sich ändernden Rahmenbedingungen“ an und plant zeitnah Booster-Impfungen.

Die Angst vor der neuen Mutation des Virus lässt die Versicherer kalt. Die Omikron-Variante hätte bisher keinen Einfluss auf die Schutzpläne, „da wir bereits mit größter Sensibilität und Sorgfalt auf die gestiegenen Inzidenzen der vergangenen Wochen reagiert haben“, schreibt die VKB. Die Nürnberger sieht sich wegen „Schutzmaßnahmen auf einem sehr hohen Niveau“ in der Lage, die Mitarbeiter „auch vor neuen Varianten“ zu schützen. Auch die Sparkassenversicherung hält die internen Maßnahmen und Hygienekonzepte für „ausreichend“.

Das Gespenst der allgemeinen Ruhe

In der derzeitigen Situation kann wohl nichts mehr mit Sicherheit ausgeschlossen werden, bringt die Bayerische die derzeitige Lage auf den Punkt, das beinhaltet auch staatliche Zwangsmaßnahmen. Die vorangegangenen Lockdowns und Schulschließungen hätten aber gezeigt, „dass wir […] gut vorbereitet sind und diese im Fall der Fälle gut meistern werden“. Durch die Erfahrungen der letzten Monate sei das Haus „sehr gut vorbereitet“ und könnte den Geschäftsbetrieb „jederzeit uneingeschränkt aufrechterhalten“, schreibt die VKB. Die Signal Iduna stimmt zu und wäre zu einer „weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit“ bereit, um den zusätzlichen Betreuungsbedarf von Eltern abzufangen.

„Können mit erneutem Lockdown gut umgehen.“

Versicherungskammer Bayern

„Aufgrund unserer gut funktionierenden Pläne aus den letzten 1 1/2 Jahren, könnten wir auch mit einem erneuten Lockdown und/oder Schulschließungen gut umgehen“, zieht die VKB das Fazit für sich und indirekt auch für die Gesamtsituation und -branche. Ja, die Versicherer sind gut vorbereitet, doch dass Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg in das zweite Jahr der Pandemie gehen und die Straße abschüssig verläuft, sollte zu denken geben.

Autor: Maximilian Volz

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