Branchenpuls: Impfung, Private Krankenversicherer, Fußball-Europameisterschaft

Was lässt den Puls der Branche höher schlagen? Quelle: OpenClipart-Vectors auf Pixabay.

Seit einer Woche ist die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben. Gleichzeitig dürfen auch Betriebsärzte gegen das Coronavirus impfen. An vorderster Front dabei: Die Versicherungskonzerne. Die privaten Krankenversicherer hatten sich schon lange für Impfungen in den Betrieben starkgemacht. Dabei geht es für die PKV in dieser Woche auch um die künftigen Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems.

Was bisher geschah …

702.000 Dosen Biontech-Impfstoff – so viel ging in der ersten Woche an die Betriebsärzte. “Zunächst hat die Politik uns 800 Dosen pro Betriebsarzt angeboten. Das wäre aus unserer Sicht eine vernünftige Größe. Das wären bei einem größeren Betrieb 3.000 Dosen bei vier Ärzten und einer Belegschaft von fünf-, sechs- oder achttausend Menschen”, wurde Wolfgang Panter, Präsident beim Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte, im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zitiert.

Schon im März kündigten Versicherer wie etwa die Kölner Gothaer an, ihren rund 4.800 Mitarbeitenden und ihren Partnerinnen und Partnern im Exklusivvertrieb kostenlose Impfungen anbieten zu wollen. Die Zurich Deutschland begann ebenfalls am 8. Juni 2021 mit den ersten Impfangeboten für alle rund 4.500 Mitarbeitenden. Die Impfungen starten an den Hauptstandorten in Köln und Frankfurt, wo der Versicherer bereits entsprechende Impfstraßen eingerichtet hatte, und werden sukzessive auf die dezentralen Standorte bundesweit ausgeweitet.

“Wir haben in den vergangenen Monaten mit Hochdruck daran gearbeitet, alle nötigen Vorkehrungen für eine Impfkampagne zu treffen. Wir haben auch der Politik sehr frühzeitig erklärt, dass wir bereit und in der Lage sind, Impfungen durchzuführen, um mehr Geschwindigkeit in das Impfthema in Deutschland zu bringen. Dadurch, dass wir nun endlich in die Lage versetzt werden, unsere Mitarbeitenden zu impfen, werden wir einen maßgeblichen Beitrag leisten können, um die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Negativfolgen der Pandemie wirksam zu minimieren.”

Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland

Der leitende Allianz-Betriebsarzt Dr. Berthold Schröder erklärte gegenüber der Ärztezeitung, dass der Konzern bereits in der Vergangenheit gute Erfahrung mit Impfungen gemacht habe, da in jeder Saison die Grippeschutzimpfung angeboten werde. Ähnliches berichtet die R+V. Die nötige Erfahrung sei vorhanden. Sie selbst ist vor einigen Monaten sogar von einem breitflächigeren Impfstart schon im April ausgegangen. Doch es mangelte am Impfstoff.

Was in dieser Situation neu ist. Für die Branche ist es eine Blaupause, eigene Impfzentren aufzustellen. Bei der Allianz etwa sind bis zu 25 Impfstraßen an allen großen Allianz-Standorten bundesweit geplant.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt erfolgreicher verläuft als der Start des Tochterunternehmens Allianz Direct im Jahr 2019. Mit viel öffentlichem Tamtam gestartet, sorgte der “neue” Direktversicherer des Branchenprimus bislang nur selten für positive Schlagzeilen. Und auch bei der Profitabilität hat das Unternehmen wohl noch Luft nach oben. Die etablierten Player haben die Nase vorn. Mit rund 4.300 Lesern war die VWheute-Analyse das Topthema der Woche.

Was diese Woche jeder wissen muss

Welche Herausforderungen auf das deutsche Gesundheitssystem in der Zukunft zukommen, erörtern die privaten Krankenversicherer auf der (digitalen) Jahrestagung 2021 am kommenden Donnerstag. Die Forderungen des PKV-Verbandes sind im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2021 klar: “Im anstehenden Bundestags-Wahlkampf sind die Parteien daher gut beraten, dieses bewährte System nicht anzutasten. Dass einige Parteien trotzdem pünktlich zum Wahlkampf wieder den alten Hut der sogenannten Bürgerversicherung aufsetzen, soll wohl vor allem ideologisch mobilisieren und sich einen gewissen Neid zunutze zu machen”, betonte der PKV-Vorsitzende Ralf Kantak jüngst im Sommerinterview mit VWheute.

“Die neue Bundesregierung sollte endlich ernsthaft die Herausforderungen des demografischen Wandels in der Kranken- und Pflegeversicherung angehen. Denn was die Verfassungsrichter im Karlsruher Klimaschutz-Urteil mit den Freiheitsrechten künftiger Generationen schützen, sollte in der Sozialpolitik unter dem Aspekt der Generationengerechtigkeit nicht weniger Beachtung finden. Der Überbietungswettbewerb um steuerfinanzierte Leistungsausweitungen in der Pflegeversicherung oder die Erhöhung des Bundeszuschusses in der Gesetzlichen Krankenversicherung zeigt derzeit in die falsche Richtung.”

Ralf Kantak, Präsident des PKV-Verbandes

Unterstützung dabei auch von bedeutender politischer Prominenz wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner. Wie es um die wirtschaftlichen Aussichten für die privaten Krankenversicherer aussieht, erläutert übrigens die Ratingagentur Assekurata in ihrem Marktausblick am morgigen Dienstag.

Sicher ist: Die Branche hadert mit den aktuellen Entwicklungen beim Zins – und den gesetzlichen Kassen. Und dann war da ja auch noch der BGH. Guten Jahren folgen schlechte. Diese alttestamentarische Weisheit trifft unverändert auch auf die Entwicklung der Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) zu. Nach einigen Jahren moderater Beitragsanpassungen verteuert sich 2021 die Vollversicherung bei einigen Anbietern deutlich und marktweit schätzungsweise um acht Prozent. Der Grund: Es fehlt unverändert das Element, das die dem aktuellen Rechenverfahren geschuldeten drastischen Beitragssprünge glätten könnte.

Weitere relevante Termine in dieser Woche: Der BDVM zieht am Dienstag im Maklersymposium eine Bilanz nach einem Jahr Covid-19. Zudem lädt Aon am Donnerstag zu seinem Marktforum ein.

Was über die Branchengrenzen hinaus wichtig ist

Wie sich die Corona-Pandemie mittel- bis langfristig auf das Risikobewusstsein der Kunden und Versicherer auswirkt, zeigt eine aktuelle Analyse der Geneva Association. Unter den Kunden, die während der Pandemie mit ihrem Versicherer interagierten, haben 88 Prozent der Privatkunden und 86 Prozent der kleinen Unternehmen eine positive Erfahrung gemacht. “Fernarbeit” wurde am häufigsten vom Einzelhandel (64 Prozent) und von kleinen Unternehmen (62 Prozent) als der Pandemie-Trend genannt, der sich am ehesten fortsetzen wird.

Auf die Frage nach ihren größten Sorgen für die Zukunft nannten Kunden aus dem Einzelhandel (64 Prozent) am häufigsten “längere Krankenhausaufenthalte” und kleine Unternehmen “Mitarbeiter entlassen oder freistellen zu müssen” (69 Prozent). Die von Privatkunden und kleinen Unternehmen am häufigsten genannte Erwartung an Versicherer für die Zeit nach der Pandemie ist “umfassendere Policen zur Berücksichtigung zukünftiger Krisen” (39 Prozent / 39 Prozent).

“In der Welt nach der Pandemie sind die Chancen für Versicherer groß. Das individuelle und unternehmerische Bewusstsein für Risiken für Leben, Gesundheit, Einkommen und Vermögen hat neue Höhen erreicht. Auf gesellschaftlicher Ebene wird es den Versicherern durch die Hinwendung zur Nachhaltigkeit leichter fallen, ihren sozialen Zweck zu vermitteln: den Aufbau von Widerstandsfähigkeit und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Gleichzeitig sind die Erwartungen der Beteiligten gestiegen. Nach der Pandemie müssen die Versicherer ihre Anstrengungen verstärken, um die vielen Schutzlücken zu schließen, die durch COVID-19 aufgedeckt wurden.”

Kai-Uwe Schanz, Head of Research & Foresight bei The Geneva Association

“Unsere große Umfrage unter Versicherungskunden liefert viele neue Erkenntnisse. Es ist lobenswert, dass die Versicherer während der Pandemie für ihre Kunden erreichbar waren und auf sie eingingen, obwohl sie ihre eigenen Geschäftsabläufe schnell umstellen mussten. Darüber hinaus sind sich die Versicherungskunden des Umfelds und der Risiken bewusst, die sich um sie herum entwickeln. Dies führt jedoch nicht notwendigerweise zum Kauf eines zusätzlichen Versicherungsschutzes; ein erhöhtes Cyber-Risiko ist ein typisches Beispiel. Hier gäbe es Handlungsbedarf für Versicherer, Kunden über den Wert ihrer Angebote aufzuklären”, betont Jad Ariss, Geschäftsführer der Geneva Association.

Für die Fußball-Fans unter Ihnen: Am morgigen Dienstag greift die deutsche Nationalmannschaft in das europaweite EM-Turnier ein: Auftaktgegner ist Weltmeister und Topfavorit Frankreich. Glaubt man einer Umfrage der Kollegen von Cash-Online, gehören die Deutschen allerdings nicht gerade zum engsten Favoritenkreis.

“Natürlich Deutschland, weil wir Frankreich und Portugal ja schon in der Vorrunde schlagen werden, und Jogi sich zu seinem Abschied nicht von Stefan Kuntz und seiner U21 übertrumpfen lassen will. Falls Deutschland wider Erwarten doch nicht Europameister werden sollte, kann das nur daran liegen, dass sich elf Spieler verletzt haben oder unfähige Schiedsrichter uns verpfiffen haben. Für diesen höchst unwahrscheinlichen Fall kommen wir auf jeden Fall immer noch weiter als Holland.”

Sylvia Eichelberg, Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung

“Frankreich – eine Weltklassemannschaft mit einer guten Mischung aus Erfahrung und jungen hungrigen Spielern”, glaubt Bayerische-Vorstand Martin Gräfer. “Frankreich wird Europameister. Nach der WM-Endrunde gab es keine namhaften Rücktritte aus der französischen Mannschaft. Viele Spieler haben noch ein großes Entwicklungspotenzial bei der EM. Deutschland kommt ins Halbfinale”, meint auch Wolfgang Hanssmann, Vorstandsvorsitzender HDI Vertriebs AG. Für Eric Bussert, Vertriebsvorstand der HanseMerkur, und Markus Drews von Canada Life scheint hingegen klar: “Deutschland wird Europameister!”

Geht man indes nach dem reinen Marktwert, liegt das englische Team mit rund 1,2 Mrd. Euro klar an der Spitze. Auch die französische Mannschaft wird mit über einer Milliarde Euro bewertet und steht damit auf Rang 2 vor Deutschland (936,5 Mio. Euro), Spanien (915 Mio. Euro) und Portugal (872,5 Mio. Euro). Schlusslicht ist hingegen EM-Neuling Finnland mit einem Marktwert von etwa 45 Mio. Euro.

Quelle: Statista

Als teuersten Spieler identifiziert transfermarkt.de Frankreichs Stürmer Kylian Mbappé. Der 22-Jährige kommt mit einem Preisschild von rund 160 Mio. Euro. Der Engländer Harry Kane folgt auf dem zweiten Platz mit etwa 120 Mio. Euro. Wertvollster Spieler der deutschen Nationalelf ist Joshua Kimmich: Mit rund 90 Mio. Euro belegt er Rang acht der teuersten Spieler dieser Europameisterschaft.

Sicher ist hingegen nur, dass die meisten Stadien in den elf europäischen Austragungsorten pandemiebedingt nicht voll ausgelastet sein werden. Einzig die Puskas-Arena in der ungarischen Hauptstadt Budapest hat seitens der Regierung die Zusage bekommen ihre Kapazität voll ausschöpfen zu können (Stand: 06. Mai 2021).

Quelle: Statista

Nicht einmal im Londoner Wembley-Stadion, in dem das Endspiel ausgetragen wird, sollen mehr als 22.500 Zuschauende Einlass bekommen – trotz einer Kapazität von sage und schreibe 90.000 Personen. In Deutschland schreiben die Vorgaben für die Münchener Allianz-Arena vor, dass die Heimatstätte des FC Bayern mit 14.500 Zuschauenden nur zu knapp einem Fünftel gefüllt sein wird.

Ob Bundestrainer Joachim Löw sein letztes großes Turnier indes mit einem neuerlichen Erfolg abschließen kann, wird sich spätestens in einem Monat zeigen.

Autor: Tobias Daniel

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