Map-Report: Alte Oldenburger ist bilanzstärkster privater Krankenversicherer

Bildquelle: Axa Deutschland

Wie haben sich die privaten Krankenversicherer im Geschäftsjahr 2022 geschlagen? Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat die aktuellen Bilanzzahlen der PKV-Unternehmen untersucht. Insgesamt zeigt sich die Branche widerstandsfähig.

Laut aktuellem Report hat die Alte Oldenburger ihre Position als bilanzstärkster privater Krankenversicherer mit 272 (90,7 Prozent) von insgesamt 300 Punkten verteidigt. Und auch der LVM und die Universa zählten mit 267 (89,0 Prozent) bzw. 264 Punkten (88,0 Prozent) Punkten zur Elite, die mit der Bewertungskategorie „mmm+“ für hervorragende Leistungen ausgezeichnet wurde. Die Signal Iduna führt mit 254 Punkten (84,7 Prozent) das Feld der mit „mmm“ für sehr gute Leistungen bewerteten Krankenversicherer an und verpasst die Höchstbewertung nur knapp.

Quelle: Franke und Bornberg

Dicht dahinter folgen VGH Provinzial (83,7 Prozent) sowie Hallesche (80,7 Prozent), die ihre sehr guten Ergebnisse der Vorjahre ebenfalls wiederholen konnten. Auch der R+V gelang es erneut mit einer sehr guten Bewertung auftrumpfen (77,7 Prozent), während der Gothaer (78,7 Prozent) sowie Inter und Landeskrankenhilfe – punktgleich mit 230 Zählern bzw. 76,7 Prozent – der Einzug in die Riege der mit „sehr gut“ ausgezeichneten Anbieter glückte. Neu in dieser Runde ist auch der Münchener Verein, der sich mit 226 Punkten (75,3 Prozent) den Aufstieg gerade noch sicherte.

Die Allianz führt die Gruppe der mit „mm“ bewerteten Unternehmen an und verpasste mit 73,3 Prozent die sehr gute Bewertung nur knapp. Neben der Allianz gingen noch acht weitere Versicherer mit einem guten Ergebnis aus dem Rennen; darunter Branchengigant Debeka im Aufwärtstrend (72,7 Prozent), Axa (70,7 Prozent) und erstmals Continentale (69,0 Prozent).

Vollversicherung leidet weiter unter Abrieb

Laut Ratingagentur leide die Branche allerdings weiter an einem natürlichen Bestandsabrieb. Ende 2022 waren demnach 8.704.531 Personen vollversichert. Das sind 0,15 Prozent beziehungsweise 12.973 Versicherte weniger als im Vorjahr. Den größten Bestand hatte die Branche im Jahr 2011 mit 8.976.400 Vollversicherten. Seitdem hat der Markt über 270.000 Vollversicherte verloren. Dieser Umstand und die schwierige Situation für die Branche werden auch politisch forciert. Die immer weiter steigende Versicherungspflicht-Grenze erschwert es den Versicherern Neukunden zu akquirieren.

„Die sogenannte Bürgerversicherung kommt praktisch durch die Hintertür. Nicht nur schleichend, sondern mit großen Schritten wird beinahe jährlich die Jahresarbeitsentgeltgrenze erhöht.“

Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg und Herausgeber des Map-Report

Unangefochtener Branchenprimus bleibt die Debeka mit rund 2,5 Millionen Vollversicherten – gefolgt von der Axa Kranken mit rund 808.000 und der DKV mit rund 696.000 Vollversicherten. Demgegenüber sind die Beitragseinnahmen branchenweit im Jahr 2022 um rund 3,8 Prozent gestiegen. Zweistellige Zuwächse verbuchten R+V (13,0 Prozent), Arag (12,7 Prozent) sowie Mecklenburgische mit 11,0 Prozent. Von den Schwergewichten mit mehr als einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen waren neben der Barmenia (7,0 Prozent) vor allem Huk-Coburg (5,5 Prozent), Debeka (5,3 Prozent) und Hallesche (4,4 Prozent) auf Wachstumskurs. Rückläufige Beitragseinnahmen verzeichnete kein Versicherer.

Quelle: Franke und Bornberg

Die Schadenaufwendungen der Branche stiegen 2022 um 1,93 Mrd. Euro auf 33,60 Mrd. Euro. Im Durchschnitt stieg die Schadenquote als Gradmesser dafür, in welchem Umfang die Beitragseinnahmen unmittelbar in Versicherungsleistungen und Alterungsrückstellung fließen, von 76,1 auf 78,2 Prozent. Da auch hier die Beitragseinnahmen weniger stark stiegen als der um 6,1 Prozent erhöhte Schadenaufwand, weist das Gros der Branche höhere Schadenquoten als im Vorjahr aus.

Insgesamt könne der Branche eine gute Widerstandsfähigkeit attestiert werden. Aller widrigen Umstände der vergangenen Jahre zum Trotz, gelingt es jedes Jahr das Geschäft zumindest stabil zu halten. „Der weitgehende Erhalt der Bestände ist unter den gegebenen Vorzeichen eine bemerkenswerte Leistung“, zeigt sich Franke optimistisch. „Zwar ist es nur eine überschaubare Gruppe von wachstumsstarken Anbietern, die diese Aufgabe schultern, aber aus unserer Perspektive zeigt sich die Branche bisher ausgesprochen robust“, ergänzt Reinhard Klages, Leiter Ratings Unternehmenskennzahlen.

Autor: VW-Redaktion

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