Zukunftsprojekt mit Fehlstart: Die Probleme der Allianz Direct

Büroraum der Allianz-Direct in München, Quelle: Allianz Direct

Die Allianz Direct gilt als Vorzeigeprojekt von Konzernchef Oliver Bäte. Mit viel öffentlichem Tamtam gestartet, sorgte der “neue” Direktversicherer des Branchenprimus bislang nur selten für positive Schlagzeilen. Und auch bei der Profitabilität hat das Unternehmen wohl noch Luft nach oben. Die etablierten Player haben die Nase vorn.

Bereits 2018 hatte der Allianz-Chef im Kfz-Geschäft zum Generalangriff auf den großen Konkurrenten Huk24 geblasen. Da diese Sparte in den meisten Ländern gleich ist, sollte ein Konzern mit einer Software, einem Computerzentrum und einer Entwicklungsabteilung geschaffen werden – mit dem Ziel, viel Geld einzusparen.

2019 wurde dann Vollzug gemeldet: Der Mutterkonzern Allianz SE kaufte der Allianz Deutschland die Tochter Allsecur ab und gab ihr den heutigen Namen Allianz Direct. Doch das erste Jahr verlief so ganz anders als von den Konzernbossen geplant und angedacht.

Die Transformation der Marke Allsecur war schwierig. Weiterhin finden sich noch kritische Stimmen zum europaweiten Direktversicherer der Münchener. Das Unternehmen selbst zieht eine positive Bilanz. Oliver Bäte höchstpersönlich sagte, er sei “stolz auf die Entwicklungen bei Allianz Direct”. Die Fortschritte beim Aufbau des Onlineversicherers hob der Allianz-Chef in seiner knapp 25-minütigen Rede auf der Jahreshauptversammlung ausdrücklich hervor.

Die im Jahr 2019 an den Markt gegangene Tochter gilt nach mehreren erfolglosen Versuchen in diesem Bereich als eines der Projekte, die dem CEO stark am Herzen liegen. Nach dem Start vor zwei Jahren mit nur einem Angebot für Kfz-Policen in Deutschland und den Niederlanden kamen kontinuierlich neue Produkte und Länder hinzu. Mittlerweile ist die Allianz Direct auch in Italien und Spanien mit Kfz-, Hausrat- und Reiseversicherungen aktiv. “2020 war Allianz Direct besonders erfolgreich”, sagt Bäte.

Der Direktversicherer möchte anders sein als der große, routinierte Bruder aus München. Das betrifft sowohl das eigene Auftreten wie auch die Werbung, bereits mehrmals setzt das Unternehmen auf Witz und den Athleten Usain Bolt.

Zu Beginn war das Unternehmen allerdings vielleicht zu schnell. Der Wechsel von Allsecur in Allianz Direct misslang, die Kunden schäumten. Doch mittlerweile sei das alles gelöst, erklärt der Direktversicherer auf Nachfrage.

Die Zielgruppe des Direktversicherers sind mit günstigen Tarifen vor allem jüngere Kunden, verkauft werden in Deutschland bislang Kfz-, Haftpflicht- und Hausratversicherungen. Bei denen scheint die Allianz Direct aber nicht so hipp zu sein wie selbst gewünscht.

Demnach sind die Beitragseinnahmen im ersten Quartal kräftig zurückgegangen – in Deutschland um ein Viertel, in Italien um zehn Prozent. Lediglich in den Niederlanden gab es ein Plus von zehn Prozent, berichtete Finanzchef Giulio Terzariol Mitte Mai 2021 bei der Präsentation der Quartalszahlen für die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Ein wesentlicher Grund dafür waren wohl “zu hohe Akquisitionskosten”. “Die Profitabilität war nicht gut genug”, betonte der Allianz-Finanzvorstand.

Ein wichtiger Wettbewerber, Huk24, wird nicht traurig darüber sein. Und zeigt sich ebenso angriffslustig: “Wir sind digitaler Vorreiter und mit weitem Abstand Deutschlands größter Direktversicherer in der Kfz-Versicherung. Die letzten Monate zeigen zudem, dass die Huk24 vom Digitalisierungsschub durch Corona besonders profitiert”, betonte Huk24-Vorstand Uwe Stuhldreier bereits im November 2020 im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft.

“Jedes Geschäftsmodell muss sich kontinuierlich und jederzeit erneuern und weiterentwickeln. Mit der digitalen Geschwindigkeit zudem in immer kürzeren Zyklen. Wir haben die Vision – voll digital und automatisiert für unsere Kunden da zu sein, um ihnen das Versicherungsgeschäft so einfach und transparent wie möglich zu machen – so wie sie es aus anderen Branchen auch kennen.”

Uwe Stuhldreier, Vorstand der Huk24

Die Allianz Direct ihrerseits macht weiter in ihren Bestrebungen, setzt nun auf die beiden Online-Bezahlsysteme Google Pay und Apple Pay – die Kunden sollen dabei die eigene Online-Versicherung besonders einfach und schnell abschließen können. Dabei sollen alle Kunden in den drei Märkten Deutschland, Italien und den Niederlanden davon profitieren können.

“Mit der Einführung von Apple Pay und Google Pay, reagieren wir auf das Feedback unserer Kunden. Dies entspricht unserem Motto: ‘Keep it simple, keep it direct’. Egal ob Antragsstrecke, Versicherungsbrief, oder eine Innovation wie die Einführung von Apple Pay und Google Pay: Wir wollen unseren Kunden einfache und schnelle Lösungen anbieten. Dazu verbessern wir unseren Service jeden Tag”, konstatiert Bart Schlatmann, CEO Allianz Direct.

Ob die Konzern-Heads aus ihren bisherigen Erfahrungen gelernt haben, werden die folgenden Monate zeigen.

Autor: VW-Redaktion

2 Kommentare

  • Ho Sun Nurgang

    Das was den Konzern der Allianz immer ausmachte, absolute Zuverlässigkeit, integreres Handeln und konservatives Top-Niveau ein GLOBAL PLAYERS der Assekuranz, scheint in zunehmenden Maße der Allianz abhandenzukommen. Der einst honorable Konzern schmeißt sich selbst runter auf ERGO-Niveau. Ein Jammer! “Aber, kann man ja mal machen ;-)”… r sollte man sicher nicht 😉

  • Rüdiger Haas

    Die Allianz direkt ist schlichtweg eine Katastrophe. Noch weit unter Ergo-Niveau.
    Zu allem Überfluss wird dann der Mist, der da gemacht wurde, auch noch vom Bäte schöngeredet.
    Der Mann hat wieder mal keine Ahnung.

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