Verband im Umbruch: Das steckt hinter den neuen Strukturen des GDV

Quelle: GDV

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft geht in die Offensive: Mit dem Hauptgeschäftsführer, dem Präsidium und bald einem neuen Kommunikationschef. Die Wechsel gehen nicht ohne Reibereien ab, einige schimpfen hinter vorgehaltener Hand über die neue, offenere Art des GDV. Doch wann wurde Wandel jemals irgendwo rückhaltlos beklatscht?

Mit Jörg Asmussen zog ein neuer Chef beim GDV ein. Er beerbte den langjährigen Geschäftsführer Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, dessen Verdienste jüngst in einer Festschrift im VVW Verlag gewürdigt wurden. Für den neuen Mann ist es ein “zentrales Thema”, wie der Verband “künftig aufgestellt” ist, um “erfolgreich zu bleiben”, wie er im Podcast GothaerPersönlich erklärt. Dazu sind aus seiner Sicht gesellschaftlich und im Verband Änderungen nötig, denn “diverse Teams liefern bessere Ergebnisse”.

Diese international stärker akzeptierte These spiegelt sich seit diesem Jahr auch im Präsidium des GDV wider. Erstmals in der Verbandsgeschichte wurden mit Claudia Andersch, R+V, und Monika Köstlin, Kieler Rück, insgesamt kam es bei 13 Plätzen zu fünf Neuernennungen. Insgesamt verlief die Wahl nicht lautlos, über die Besetzung der Verbandsführung wurde heftig debattiert. Für die meisten Wahlen ist das nicht ungewöhnlich, doch der GDV regelte die Besetzung in der Vergangenheit stets hinter verschlossenen Türen. Diesmal waren es mehr Kandidaten als Sitze, was für Reibereien sorgte. Die Ergebnisse wurden kritisiert, doch zu einer Wahl gehören eben auch Unterlegene.  

Offene Schlüsselposition

Ob Kommunikationschef Christoph Hardt der Unterlegene eines internen Kräftemessens mit Asmussen war, muss offen bleiben. Der Versicherungsmonitor sprach von einem “gespannten Verhältnis”, der zum Abschied führte. Dass ein neuer Chef bei Amtseintritt Schlüsselpositionen in seinem Sinne besetzt, ist im Berufsleben eher Standard als Ausnahme. Die Position ist noch nicht wieder besetzt, eine Kommunikationschefin scheint aufgrund der von Asmussen geschätzten Diversität wahrscheinlicher. Der scheidende Hardt hat den GDV in seiner Kommunikationsarbeit vorangebracht, so gehört beispielsweise die Schaffung des Newsrooms zu seinem Resümee. Die neuen Strukturen kann der Verband nun für seine neue Außenarbeit nutzen.

Der GDV will die Arbeit, Bedeutung und Errungenschaften der Branche stärker nach außen tragen, erklärt Asmussen. Der Frage, ob das in der Vergangenheit zu wenig geschah, wich er im genannten Podcast ebenso gewandt wie vielsagend aus. Generell ist er allerdings alles andere als ein Wegducker.

Asmussen geht in der Offensive

Er twittert, kritisiert und lobt Berichterstattung und ist auch nicht scheu, den Finger in die Wunde zu legen. “Die Wahrnehmung  der Branche war in der Coronazeit fast alleine durch die Betriebsschließungsversicherung geprägt” erklärt er, dass sei “negativ”. Dieser Freimut war in der GDV-Vergangenheit nicht so stark ausgeprägt und gefällt nicht jedem.  Das eine oder andere Murren ist dem Verbandsumfeld zu entnehmen.

Insgesamt ist die neue Offenheit gewünscht, denn natürlich ist auch der Geschäftsführer kein Alleinherrscher, der den GDV widerspruchslos seinen Vorstellungen unterwerfen kann. Der Verband wird von seinen Mitgliedern getragen, gespiegelt durch die Besetzung des Präsidiums.

“Interessenvertretung ist legal und legitim, sie muss aber transparent sein”

Offensichtlich finden sich dort einige Personen, die die offenere Herangehensweise und Kommunikation schätzen. Angeführt wird das Präsidium erneut von Wolfgang Weiler, für dessen weitere Tätigkeit eine kleine Satzungspfiffigkeit nötig war. Bei all den Neuheiten im Verband ist er die Konstante, die das Vergangene mit dem Neuen verbindet, doch auch seine erneute Ernennung war intern nicht unumstritten.

Der GDV steckt analog zur Branche in einem (stetigen) Wandlungsprozess, da kann es knirschen, bei manchem Abschied fließt sogar eine Träne.  Doch am Ende muss der Verband mit der Zeit gehen und offener werden. Gesellschaft, Medien und Öffentlichkeit werden kritischer, wie beispielsweise die GDV-Jahrespressekonferenz zeigt

Dass Hinterzimmerergebnisse und Lobbyarbeit in Wirtschaft und Politik zunehmend hinterfragt werden, muss der Einzelne nicht gut finden, am Ergebnis ändert es nichts. “Interessenvertretung ist legal und legitim, sie muss aber transparent sein”, erklärt Asmussen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Autor: Maximilian Volz

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