Existenz-Check: Zehn Entwicklungen, die Versicherung zum Beben bringen

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Was bedeutet Zukunft für die Versicherer wirklich? Wie müssen sich die Unternehmen strategisch aufstellen und wo umstellen? Wann droht im schlimmsten Fall eine Bruchlandung? Vor diesem Hintergrund hat die Redaktion Versicherungswirtschaft die zehn spannendsten Entwicklungen in der Branche untersucht, die man nicht verpassen darf. Heute im Check: Fahren ohne Fahrer.

Dieselgate und SUV-Bashing hier, mehr Radwege, mehr Ökologie dort. So ungefähr könnte man die aktuelle Debatte um das Thema Mobilität pauschal umreißen. Viel grüner Optimierungsdrang auf der einen, ein stockender Innovationsmotor am Standort D auf der anderen Seite. Um das autonome Fahren etwa ist es still geworden. Dabei werden automatisierte Fahrzeuge die Kfz-Branche signifikant beeinflussen und nachhaltig prägen.

„Eine erwartete Reduzierung der Unfallwahrscheinlichkeit, welche die Risikoprämie beeinflusst, sowie die graduelle Verschiebung der Fahraufgabe vom Mensch zum System sind nur zwei Herausforderungen, die sich die Versicherungsbranche stellen muss“, erklärt Caren Büning, Mitglied der Geschäftsleitung bei Scor Deutschland. Hinzu kommen Aspekte, wie die Änderung der Risikolandschaft und damit auch die der Risikobewertung. VW-Kollege und Reporter Maximilian Volz erlebte das selbst fahrende Auto bei einem Test hautnah mit.

„Ein autonom fahrendes Auto, das wie selbstverständlich vor einem hält? Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Beim Einsteigen hat mich ein etwas mulmiges Gefühl beschlichen, aber der PKW ruckelt nach dem Drücken des Startknopfs anstaltslos. Die Kontrolle vollständig der Technik zu überlassen ist dennoch schwierig.“ Bei konventionellen Fahrzeugen sind über 90 Prozent der Verkehrsunfälle auf einen Fehler des menschlichen Fahrers zurückzuführen.

Unfälle können aber auch durch das Fahrzeug selbst (z.B. Reifen/Räder) oder externe Einflussfaktoren (z.B. wetterbedingt rutschige Straßen) verursacht werden. Bei automatisierten Fahrzeugen erweitert sich die Risikolandschaft dahingehend, dass neue Interessengruppen in die Produktion und Nutzung einbezogen werden wie beispielsweise Softwarehersteller, Internet- und GPS-Anbieter. Damit sind neue Fehlerquellen gegeben und neue Schadensszenarien müssen in die Risikobewertung einkalkuliert werden. Die Risikolandschaft rund um AV wird vernetzter und somit deutlich komplexer.

„Denkbar wäre ein Netzausfall an verschiedenen Orten gleichzeitig, wodurch die automatisierten Fahrzeuge nicht mehr mit den Servern kommunizieren können. Aufgrund dessen werden Fahraufgaben nicht korrekt oder zeitlich verzögert ausgeführt und es kommt zu Massenunfällen“, erklärt Büning. „Führt man sich hierbei die klassische Kumuldefinition vor Augen, welche durch die Charakteristika von „gleiche Zeit, gleicher Ort und gleiche Ursache“ gekennzeichnet ist, könnte diese für die Erfassung der neuartigen Kumule nicht zweckmäßig sein.“

Trend: Selbstfahrende Autos werden Kfz-Versicherer vor große Aufgaben stellen und gleichzeitig spannende Marktchancen mit sich bringen. Die Zähne ausbeißen werden sie sich an dieser automobilen Revolution nicht – wenn sie geschickt agieren und sich frühzeitig auf kommende Risikoszenarien einstellen.

Autor: Michael Stanczyk

Teil eins: Blöcke in Ketten – Blockchain

Teil zwei: Leben am Limit – Lebensversicherung

Teil drei: Die „Anpeitscher“ Insurtechs

Teil vier: Cyberversicherungen

Teil fünf: Wohlfühloase Arbeit

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