Existenz-Check: Zehn Entwicklungen, die Versicherung zum Beben bringen

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Was bedeutet Zukunft für die Versicherer wirklich? Wie müssen sich die Unternehmen strategisch aufstellen und wo umstellen? Wann droht im schlimmsten Fall eine Bruchlandung? Vor diesem Hintergrund hat die Redaktion Versicherungswirtschaft die zehn spannendsten Entwicklungen in der Branche untersucht, die man nicht verpassen darf. Heute im Check: Cyberversicherungen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – oder besser gesagt – risikotechnisch einmal durchkalkulieren. Die jährlichen Verluste aus Cyber-Angriffen werden bis 2021 etwa sechs Billionen US-Dollar pro Jahr ausmachen. Gleichzeitig werden die Ausgaben für Cybersicherheit für den Zeitraum von 2017 bis 2021 insgesamt mehr als eine Billion US-Dollar steigen. Zu diesem Ergebnis kam Aon in einer Studie.

„Cyber-Angriffe nehmen massiv zu – die Frage ist nicht ‚ob‘, sondern ‚wann‘ ein Unternehmen attackiert wird. Und trotzdem tun viele Unternehmen noch nicht genug, um sich darauf vorzubereiten“, kritisiert Johannes Behrends, Head of Specialty Cyber des Erstversicherungsmaklers in Deutschland. „Weil Cyber-Ereignisse potenziell erhebliche finanzielle Verluste, Reputations- und Markenschäden, einen Rückgang des Aktienkurses und sogar eine Herabstufung der Bonität verursachen können, sollte sie bei jedem Unternehmenslenker ganz oben auf der Agenda stehen.“

Wahre Worte. Noch immer gelten Cyberversicherungen in Deutschland als Nischenprodukt –mit viel Potenzial und Luft nach oben. Wo von Potenzial die Rede ist, sind auf der anderen Seite die Probleme nicht weit. So gehört das Änderungsrisiko, das Kumulrisiko, aber auch die unentdeckte Cyberexponierung, die sich in Policen aus allen Versicherungssparten wiederfinden kann, zu den größten aktuellen Cyber-Challenges der Branche. Gerade Silent Cyber-Risiken werden aktuell heiß diskutiert.

Warum es so schwierig ist, mit ihnen innerhalb bestehender Deckungen umzugehen? Einfach ausgedrückt: weil sich dahinter Risiken verbergen, die entweder noch gar nicht erfasst oder aber nicht ausreichend eingeschätzt wurden. Es geht dabei um eine Vielzahl von konventionellen Policen, in denen Cyberrisiken beispielsweise nicht erwähnt oder nicht explizit ein- oder ausgeschlossen sind und somit auch zu einer Exponierung in Sach- und Haftpflichtportfolios führen können. Manche Policen definieren zwar Cyberrisiken, sind aber nicht eindeutig formuliert.

„Die Folge sind Unklarheiten, die wir gemeinsam mit unseren Kunden angehen und lösen wollen, indem wir die bestehenden Cyberexponierungen identifizieren und in der Folge analysieren und quantifizieren. Unser Ziel ist es, gemeinsam einen nachhaltigen Underwriting-Prozess umzusetzen, der das Silent Cyber-Risiko transparent macht und in eine bewusste oder sogar explizite und umfassende Deckung umwandelt.

Dies schließt eine ganzheitliche Risikobewertung, einen Tarifierungsansatz, aber auch Kumulaspekte mit ein, um bestehende Unsicherheiten zu eliminieren“, sagt Stefan Golling, Head of Corporate Underwriting, bei Munich Re.

Trend: die Fragezeichen in Cyber scheinen lösbar. Vorausgesetzt die Branche findet eine gemeinsame Sprache. Dann könnte sich der Milliardenmarkt schneller als gedacht öffnen.

Autor: Michael Stanczyk

Teil eins: Blöcke in Ketten – Blockchain

Teil zwei: Leben am Limit – Lebensversicherung

Teil drei: Die „Anpeitscher“ Insurtechs

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