Machtkampf bei der Generali: Bekommt Giovanni Liverani die Chance zur Donnet-Nachfolge?

Muss Generali-CEO Philippe Donnet seinen Stuhl räumen? Quelle: Generali

Kommt es bei der Generali bald doch zum großen Stühlerücken? Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wollen zwei Großaktionäre des italienischen Versicherungskonzerns die Ablösung von Konzernchef Philippe Donnet und Verwaltungsratschef Gabriele Galateri di Genola vorbereiten.

Dies sei Hintergrund eines Pakts, den die Investoren Francesco Gaetano Caltagirone und Leonardo Del Vecchio am Samstag bekannt gaben, berichtet die Nachrichtenagentur weiter und beruft sich dabei auf Insider.

Beide Aktionäre halten derzeit einen Anteil von 10,95 Prozent und wollen laut Bericht eine eigene Kandidatenliste für den Vorstand einreichen. Donnet sei dabei nicht auf der Liste verzeichnet, obwohl dieser derzeit die Rückendeckung von vielen Vorstandsmitgliedern sowie von Alberto Nagel genießt, dem CEO der Mailänder Bank Mediobanca und mit 12,9 Prozent der Hauptinvestor von Generali.

Ein Kompromiss zwischen den Aktionären könne allerdings auch die Ernennung eines Geschäftsführers sein, der sowohl von Del Vecchio als auch von Caltagirone unterstützt wird und mit Donnet zusammenarbeitet. Sicher ist, dass Marktbeobachter mit Spannung die Sitzung des Verwaltungsrates am heutigen Dienstag sowie am 27. September 2021 verfolgen werden.

Bereits Anfang August 2021 wurde bekannt, dass Donnet nicht bei allen Aktionären auf ungeteilte Zustimmung stößt – obwohl dieser bei der Präsentation der Halbjahresbilanz für das laufende Geschäftsjahr gute Zahlen präsentieren konnte. Der aktuelle Generali-Chef fährt einen Kurs aus Kostensenkungen, Fokus auf lukrativen Produkten und margenstarken Versicherungen sowie strikter Digitalisierung. Donnet will Medienberichten zufolge allein in diesem Jahr rund 300 Mio. Euro einsparen. Für Aufsehen sorgte auch die Übernahme des kleineren Rivalen Cattolica sowie des Malaysia-Geschäfts der Axa. Sein aktuelles Mandat soll im kommenden Jahr auslaufen.

Den Kritikern ist Donnets Kurs zu vorsichtig. Sie sollen von einem ganz großen Deal Generalis träumen, an dem sie kräftig mitverdienen wollen – einem Deal womöglich, wie ihn Del Vecchio einfädelte, als er seinen Luxottica-Konzern mit der französischen Essilor zusammenführte.

Der italienische Versicherungskonzern rechnete auf seinem virtuellen Aktionärstag im November 2020 mit einem Wachstum des Gewinns je Aktie zwischen sechs und acht Prozent. Außerdem hat die Generali bereits ein Jahr früher als geplant ihr Ziel erreicht, den Schuldenstand um 1,9 Mrd. Euro zu senken.

Donnet kam vor rund acht Jahren als Italien-Chef zur Generali und übernahm 2016 den Vorstandsvorsitz der Gruppe von Mario Greco. Immer wieder kursieren Namen möglicher Nachfolger: Carlo Cimbri von der Versicherungsgruppe Unipol, der Ex-Monte-dei-Paschi-Chef Marco Morelli, der Post-CEO Matteo Del Fante, der Allianz-Manager mit Generali-Vergangenheit Sergio Balbinot und der Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani.

Offen bleibt die Frage, ob und inwieweit letzterer von einem Stühlerücken in der Triester Vorstandsetage der Generali profitieren könnte. Fast genau vor einem Jahr wurden bereits Spekulationen über einen möglichen Wechsel des Italieners zur Konzernmutter spekuliert. Die Generali-Mutter in Triest hat die Erfolge des Italieners in Deutschland aufmerksam verfolgt und traut ihm (noch) größere Aufgaben zu.

Seine Bilanz in Deutschland ist an den Zahlen gemessen gut, aber nicht unumstritten. Die Zeitschrift Versicherungswirtschaft rankte den Italiener bereits 2019 auf Platz sieben der zehn besten CEOs im deutschen Versicherungsgeschäft. “Mit viel Schweiß und Blut” habe Liverani den Konzernumbau der Generali Deutschland im vergangenen Jahr umgesetzt, er gehe auch einmal “ungewöhnliche Wege” und habe “Mut und Drang zur Veränderung”.

Klang damals wie ein Bewerbungsschreiben für Triest, wenn auch nicht unbemerkt bleiben sollte, dass nicht jeder ein großer Liverani-Fan ist. Seine Änderungen wie Stellenabbau oder Run-off in der Lebensversicherung riefen teilweise erheblichen Widerstand im Unternehmen selbst oder bei Verbraucherschützern hervor. Das allerdings scheint Geschichte zu sein.

Der Manager hat mit wichtigen strategischen Impulsen und guten Entscheidungen in der Krise viel richtig gemacht. Dabei hat sich vor allem die Deutschland-Tochter der Generali als wesentliche Stütze des Konzerns erwiesen. Bekanntermaßen zählen allerdings nicht nur die unternehmerischen Skills, sondern auch das Netzwerk sowie ein gewisses diplomatisches Geschick.

Die Generali Deutschland wollte die Spekulationen um Donnet auf Anfrage von VWheute nicht kommentieren.

Bereits in den vergangenen Monaten wurde immer wieder an wichtigen personellen Schaltstellen gearbeitet. So hat etwa Frederic de Courtois, bisheriger General Manager, den Versicherer nach elf Jahren zum 1. Februar verlassen. Timothy Ryan, bislang CIO und CEO Asset & Wealth Management, schied zum 1. März 2021 aus. Ebenfalls zum 1. März 2021 übernahm Sandro Panizza die neu geschaffene Position des Group Chief Insurance & Investment Officer. Bruno Scaroni wurde zum 1. Februar 2021 neuer Group Chief Transformation Officer. Giancarlo Fancel, derzeit Chief Financial Officer von Land Italien & Global Business Lines, wurde zum 1. März 2021 neuer Risikovorstand der Generali. Carlo Trabattoni soll ebenfalls zum 1. März 2021 – als CEO Asset & Wealth Management – die Aktivitäten der Vermögensverwaltungsgesellschaften der Gruppe und der Banca Generali koordinieren.

Womöglich kommt bald ein neues Kapital hinzu.

Autor: VW-Redaktion

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