Rochade bei Ergo: Kokkalas wird neuer Deutschlandchef – Kassow geht zur Munich Re

Theodoros Kokkalas. Quelle: Ergo

Alles dümpelt gemütlich Weihnachten entgegen, da drehen Munich Re und Ergo nochmal heftig am Personalrad. Theodoros Kokkalas (55) wird zum 1. Mai 2020 Nachfolger von Achim Kassow (53) als Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland. Dieser wechselt zur Unternehmensmutter Munich Re und wird dort Vorstand mit breitem Aufgabengebiet. Er ist nicht der erste Ergo-Manager, der zum Rückversicherer wechselt.

Der Aufsichtsrat der Munich Re hat Kassow zum 1. Mai 2020 zum Nachfolger von Hermann Pohlchristoph (54) berufen. Der scheidende Rückversicherungsmanager wird sein zum 30. April 2020 auslaufendes Mandat aus persönlichen Gründen nicht verlängern und nach 17 Jahren aus dem Unternehmen ausscheiden. Sein Nachfolger Kassow übernimmt die Verantwortung für das Vorstandsressort Asia Pacific and Africa sowie für die Zentralbereiche Central Procurement und Services.

Profitiert die Munich Re von der „Kaderschmiede Ergo?“

Kassow ist nicht der erste Ergo-Manager, der zum Mutterkonzern wechselt. Im Januar 2019 trat der frühere Ergo-Finanzchef Christoph Jurecka in die Fußstapfen von Jörg Schneider, lang gedientem Finanzvorstand der Munich Re. Der promovierter Physiker und Diplom-Ingenieur, der bereits mit 36 Jahren zum CFO der Düsseldorfer Ergo berufen wurde, gilt vor allem als zuverlässig. Dabei gilt der Herr der Zahlen beim Münchener Rückversicherer eher als Verwalter und weniger als Gestalter. Sein Schreibtisch sei vielmehr eher am“kreativen Chaos und am Foto seines Sohnes“ zu erkennen, soll er gesagt haben.

Anderes Beispiel: Andree Moschner, seit 1. November 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung beim Vermögensverwalter MEAG ist zudem Vorstand der Ergo Group, verantwortlich für Finanzprodukte, Strategic Asset Allocation und Strategisches Marketing. Seine Rolle bei Ergo hat Moschner bis heute beibehalten.

Eine externe/interne Lösung bei der Ergo Deutschland

Die Vakanz bei der Ergo Deutschland wird Theodoros Kokkalas als neuer Deutschlandchef füllen. Er ist hierzulande eher unbekannt, weswegen die Ernennung überrascht. Doch der Grieche, seit 2004 CEO der Ergo in Griechenland und seit 2018 Mitglied des Verwaltungsrates der indischen HDFC Ergo, ist international beschlagen und spricht fließend Deutsch und Englisch. Sein Studium absolvierte er an den Universitäten in Piräus und Athen, an der INSEAD in Frankreich sowie an der Leibniz Universität in Hannover. Aus unternehmensnahen Kreisen war zu erfahren, dass viele Ergo-Mitarbeiter hierzulande eine unternehmensinterne Lösung präferieren.

Sein neuer Chef, Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo Group, lobt den alten wie den neuen Deutschlandchef: „Ich danke Achim Kassow für die sehr gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Er hat das Ergo Strategieprogramm in Deutschland mit Stringenz und Konsequenz umgesetzt und zum Erfolg geführt. Wir sind wieder auf Wachstumskurs und ich beglückwünsche ihn zu seiner Berufung in den Munich Re Vorstand. Ich freue mich zugleich, dass wir mit Theo Kokkalas den richtigen Nachfolger innerhalb der Ergo Group für die anspruchsvolle Aufgabe im Heimatmarkt Deutschland gewinnen konnten.“

Das es überhaupt eines Nachfolgers bedurfte, davon war in jüngster Vergangenheit nicht zu spüren. Auf der DKM betonte Kassow noch leidenschaftlich die Wichtigkeit des Vermittlers und in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft sprach er lange und breit über die Wichtigkeit von effizienten IT-Strukturen. Von Amtsmüdigkeit war nichts zu spüren, auch nicht, als er kürzlich eine Reform der Riester-Rente forderte. Alles Schnee von gestern, ab sofort sind Kassows Problemfelder das Geschäft der Munich Re in Afrika und Asien, nicht mehr Vermittler oder Altersvorsorge.

Kassow hat scheinbar Chance ergriffen

Offenbar war die Personalrochade nicht von langer Hand geplant. Es wird gemunkelt, dass Kassow die Chance sah, die sich mit dem Rückzug von Pohlchristoph ergab und schnell zugriff. Er wird eine spannende Aufgabe übernehmen, denn die Munich Re befindet sich mitsamt dem Rückversicherungsmarkt in Bewegung. Seine Entscheidung pro München brachte den Personalstein schließlich ins Rollen.

In wie weit der international beschlagene, aber im deutschen Versicherungsgeschäft unerfahrene Kokkalas die schwierige Aufgabe bei der Ergo lösen wird, bleibt abzuwarten. Trotz zuletzt guter Zahlen befindet sich das Unternehmen im Umbau, was keine einfache Situation für eine neue Führungskraft darstellt. Vielleicht hilft der Blick eines Neulings im deutschen Versicherungsmarkt aber auch dabei, einige Dinge anders und besser anzugehen.

Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel, sagte einst Charles Darwin, die Ergo und Munich Re belegen das. Den Herren Kokkalas und Kassow sei bei ihren neuen Aufgaben viel Glück gewünscht.

Autor: VW-Redaktion

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