Was steckt hinter den Plänen der Allianz im LV-Geschäft?

Die Allianz mit Mrd.-Deal in Frankreich. Bild von Walkerssk auf Pixabay

„Wir stoppen nicht an der US-Grenze“, erklärt CEO Oliver Bäte auf dem zurückliegenden Investor Day. Er meinte damit die Bereitschaft, sich auf verschiedenen Wegen zwecks Kapitalfreisetzung von LV-Beständen zu trennen. Das Prinzip hatte die Allianz zuvor bereits in den USA und der Schweiz angewandt. Jetzt ist Frankreich an der Reihe.

Aktuell haben CNP Assurances und Allianz Frankreich eine „Übertragung“ in der Lebensversicherung vereinbart. Diese umfasst mehr als 20.000 Lebensversicherungs- und Kapitalisierungsverträge mit einem Gesamtvermögen von 2,1 Milliarden Euro. Die Übertragung („transfer“) betrifft die Produkte „Excelis“ und „Satinium“, die von der La Banque Postale zwischen 2009 und 2019 vertrieben wurden. Die eingeleitete und aufsichtsrechtlich genehmigte Übertragung bestätigt „die Position von CNP Assurances als einziger Versicherer der Gruppe La Banque Postale“, schreiben die Unternehmen unisono.

Mit dem Geschäft verfolgt die Allianz weiter die von Bäte auf dem Investor Day verkündete LV-Strategie, die mit Kapitalfreisetzung bei gleichzeitiger Eigenkontrolle über die Bestände zusammengefasst werden kann. In der Schweiz ist dafür ein LV-Geschäft mit dem Rückversicherer Resolution Re vereinbart worden. Kurz darauf wurde ein ähnlicher Deal in den USA eingefädelt – u.a. erneut mit Resolution Re. Das Vorgehen ist in beiden Fällen ähnlich: Ein Backup-Partner sichert dem Lebensversicherer eine feste Verzinsung für seine Zinsversprechen gegenüber dem Kunden zu, sodass der Abgebende nahezu kapitalfrei wird. Da die Versicherer unter Solvency II für gegebene Garantien hohe Kapitalrücklagen bilden müssen, befreit ein solcher Deal von Verpflichtungen. Im Gegenzug erhält das Partner-Unternehmen einen stetigen Kapitalzufluss und wird anders als der Erstversicherer nicht im selben Maß in das Aufsichtskorsett gezwängt.

Bäte betonte auf dem Investor Day mehrfach, dass die genannten Geschäfte in der Schweiz und USA eine Partnerschaft und keine Abtretung seien, die Allianz bleibt verantwortlich. „Niemand verkauft ein gut laufendes Geschäft“, erklärte er und verkündete im Anschluss, das Modell auch auf andere Länder zu übertragen. „Wir stoppen nicht an der US-Grenze“, Benelux werde kommen. In Deutschland sind „ähnliche Modelle  dagegen nicht geplant“, erklärte ein Unternehmenssprecher der Allianz Deutschland.

Und Frankreich?

Ob der Deal in Frankreich der genannten Gruppe von Rückversicherungslösungen zuzuordnen oder ein Verkauf ist, bleibt offen. Die Allianz hat sich bis Redaktionsschluss nicht zur Art des Geschäfts erklärt. Die Pressemitteilung von CNP und Allianz sind inhaltsgleich, das Wort „sell“ taucht nicht auf, es wird kein Verkaufspreis genannt. Da CNP sowohl Erst-, Co- als auch Rückversicherer ist, sind sowohl Verkauf wie Rückversicherungslösung plausibel. Sicher ist, dass sich die Allianz erneut  der Verpflichtung von Altbeständen entledigt hat, ohne dabei das böse Wort „Run-off“ nutzen zu müssen. Damit ist man in Paris und München zufrieden. „Wir begrüßen den Abschluss dieser Transaktion, die unserer Strategie entspricht, da sie zur Vereinfachung unseres Geschäftsmodells beiträgt“, erklärt Frankreich-CEO Fabien Wathlé und klingt dabei wie sein CEO Oliver Bäte.

Autor: Maximilian Volz

Ein Kommentar

  • Michael Schmid

    Generali, Zurich, Allianz und keine Antwort bzw. Machtwort der Politik/ BAFin zu diesen „Vorgängen“!
    Natürlich nicht, wenn man sich die Parteispenden, allem voran an die FDP u. CDU, ansieht.
    Wer als „Vorsorger (-in)“ eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, wurde und wird in allem getäuscht und über den Tisch gezogen. Man hat auf faire Geschäftspartner vertraut und stellt nun fest, daß das Einhalten von Verträgen nur für eine Seite gilt, nämlich für die Kunden.
    Die AG`s machen was sie wollen und niemand gebietet ihnen Einhalt! So zerstört man Vertrauen und ausbaden werden es wieder einmal die Vermittler wenn sie zum xten mal als der unbeliebteste Beruf gewählt werden.
    Wer heute noch Lebens-/Rentenversicherungen vermittelt, sollte sich seine Berufshaftpflicht ganz genau ansehen!
    War da nicht was mit „legalem Betrug“!

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