Kobe Bryant stirbt bei Hubschrauberunfall: Was Sie über den Fall und die Versicherung wissen müssen

Kobe Bryant und seine Tochter Gianna im Jahr 2018, Quelle: DPA

Der Basketball-Star Kobe Bryant und seine Tochter Gianna starben bei einem Helikopterabsturz in Los Angeles (LA). Offenbar waren neben dem Piloten insgesamt acht Personen an Bord, nach Medienberichten kamen alle ums Leben. Der Absturz erinnert an den Tod von Vichai Srivaddhanaprabh, Ex-Besitzer des Premier League Clubs Leicester City. Laut Insurance Insider haftet AIG für den Schaden. Dem Medium zufolge besitzt Island Express Helicopters eine Police über 50 Millionen US-Dollar.

Die genauen Details zum Hubschrauberunfall von Mr. Bryant sind noch nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass zum Zeitpunkt des Absturzes dichter Nebel über LA lag, was wohl zum Unfall führte oder zumindest dazu beitrug. Der Flugverkehr über der rund 13 Millionen-Metropolregion war zwar nicht eingestellt, allerdings blieben offensichtlich selbst Polizeihubschrauber am Boden. Bei nebligem Wetter war die Maschine vom Typ Sikorsky S-76 abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Das Ziel war wohl die Mamba Sports Academy in Thousand Oaks, einer Stadt nahe Los Angeles, bei der Gianna Bryant Basketball spielte.

Der Name der Akademie leitet sich von Mr. Bryants Spitznamen „Black Mamba“ ab, den er selbst prägte. Er gilt als einer der besten Basketballer aller Zeiten, war aber unter Trainern und Mitspielern aufgrund seines Ehrgeizes und Verbissenheit nicht unumstritten. Im Jahr 2003 bezichtigte ihn eine 19-jährige Hotelangestellte der Vergewaltigung, der Vorwurf wurde außergerichtlich beigelegt. Nach seiner Sportlaufbahn konzentrierte er sich auf seine Karriere als Geschäftsmann und Kreativer. Für seine Mitarbeit am Animationskurzfilm Dear Basketball erhielt er im Jahr 2018 einen Oscar in der Kategorie Bester Animationskurzfilm und den Fernsehpreis Emmy.

Preise und Mindestsummen

Eben diese Emmys wurden am Abend des Unglücks im Staples Center in Los Angeles verliehen. Die Mehrzweckhalle ist Heimstätte des Basketballteams Los Angeles Lakers, für die Mr. Bryant seine gesamte Karriere spielte und fünf Titel errang.

Dementsprechend gedrückt war die Stimmung, Stars wie Alicia Keys sprachen während der Zeremonie ihr Beileid aus und teilten ihren Schmerz mit dem Publikum. Mittlerweile haben sich viele Stars zum Unglück geäußert, beispielsweise der ehemalige US-Präsident Barack Obama, Sportikone Michael Jordan oder die Stadt Kobe in Japan, nach der Mr. Bryant benannt worden sein soll.

Das Unglück erinnert an den Absturz von Clubbesitzer Vichai Srivaddhanaprabh, der im November 2018 auf dem Weg zu einem Fußballspiel mit seinem Helikopter abstürzte – auch dabei kamen alle Insassen ums Leben. Unfälle mit Hubschraubern sind selten, aber oft tödlich. Darüber hinaus bergen die tonnenschweren, mit Kerosin befüllten, Flugobjekte auch für Unbeteiligte ein erhebliches Gefahrenpotenzial, weswegen eine adäquate Absicherung notwendig ist.

Gemäß dem Montrealer Abkommen, das Haftungsfragen im internationalen zivilen Luftverkehr regelt, wären für den von Mr. Bryant geleasten Hubschrauber wohl 7 Mio. Sonderziehungsrechte (SZR) an Mindestversicherungssumme vorgesehen. Das entspricht etwa 9 Mio. Euro. Das SZR ist eine vom Internationalen Währungsfonds im Jahr 1969 eingeführte Währung, die international als Zahlungsmittel und bei Flugunglücken als Recheneinheit verwendet wird.

Die Höchstsummen für die Absicherung von Helikoptern ergeben sich in der Praxis durch die Limite der Versicherer. Darüber hinaus können sich weitere Haftungsforderungen aus dem speziellen Rechtsumfeld in den USA ergeben.

Unfälle in Deutschland

In vielen Metropolen sind die Senkrechtstarter ein bekanntes Bild, reiche Menschen nutzen die Luft, um dem KFZ-Verkehr am Boden zu entgehen. Hierzulande sind private Helikopterflüge eher selten, sind doch selbst die zentralen Punkte in den Metropolen oft gut per Auto zu erreichen. Zudem ist selbst Berlin mit Städten wie Los Angeles, Rio oder London nicht zu vergleichen.

„Im Jahr 2018 hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung mit Hubschraubern insgesamt sechs Unfälle und zwei schwere Störungen registriert. Die Unfallzahl von sechs stieg gegenüber dem Vorjahreswert von vier an, lag jedoch unter dem durchschnittlichen Wert von acht pro Jahr im Zeitraum 2013 bis 2017, erklärt Markus Goldschatz, Chief Underwriter General Aviation bei der AGCS in Zentral- und Osteuropa.

Quelle: Statista

Im Jahr 2018 kamen bei der Kollision eines Hubschraubers EC 135P2+ mit einem Flugzeug Piper PA 28 RT in den Luftfahrzeugen jeweils zwei Personen ums Leben. Im vergangenen Jahr ereigneten sich zudem drei Unfälle, bei denen der Hubschrauber nach Triebwerksausfall bzw. Triebwerksstörung bei der Landung schwer beschädigt wurde, erklärt der Experte.

In den Jahren 2013 bis 2017 stand dem durchschnittlich ein solcher Unfall gegenüber. Im zurückliegenden Jahr registrierte das Aviation Safty Network insgesamt acht größere Hubschrauberunfälle in Deutschland, weiß Goldschatz. Jedes Jahr werden in hierzulande etwa 630 Hubschrauber zugelassen und müssen versichert werden.

Das Prinzip ist ähnlich wie beim Auto. Hubschrauber müssen über eine Haftpflichtversicherung verfügen, das ist gesetzlich vorgeschrieben, erklärt Goldschatz. Oft werden darüber hinaus eine Kaskoversicherung sowie eine Unfallversicherung für die Insassen gekauft.

„Einfluss auf die Prämie hat neben dem verwendeten Typ auch der Einsatzzweck, die Auslastung, sowie die Piloten“, weiß Goldschatz. Ebenso gibt es Mindestsummen, die abgesichert werden müssen.

Im Gegensatz zu Metropolregionen werden Hubschrauber hierzulande primär zur Rettung und weniger für Prominententransport eingesetzt. „Generell verzeichnen wir deutlich seltener Schäden durch VIP-Beförderung als durch Hubschrauberflüge, die beispielsweise im Offshore-Bereich für Ölplattformen oder in den Bergen durchgeführt werden, wo die Piloten oft extremen Wetter- und Umweltbedingungen ausgesetzt sind“, fasst Goldschatz zusammen.

Verhindert werden können Helikopterabstürze nicht, Mobilität birgt immer ein Unglücksrisiko. Wie, wo und wie häufig die Gefährte eingesetzt werden, diktiert die Zahl der Noteinsätze oder die Tiefe des Geldbeutels des Auftraggebers. Ein Risiko bleibt, wie der Fall Bryant zeigt.

Autor: VW-Redaktion

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