Kfz-Versicherer mit Dashcam und Telematik gegen die Check24-Macht

Lamborghini Centenario Dynamic_Lamborghini

Das Autoversicherungsgeschäft ist einfach. Die Leistungen sind weitgehend gleich, das Unterscheidungsmerkmal ist der Beitrag, weswegen Portale wie Check24 den Kfz-Markt dominieren. Doch das bewährte Portal-Modell könnte vor dem Aus stehe, immer mehr Versicherer setzen auf preisrelevante und technisierte  Unterscheidungsmerkmale, die Portale kaum darstellen können.  

Die Kfz-Versicherung ist wie die Haftpflicht ein dankbares Produkt für Vergleiche. Ob Versicherer X jetzt das Blässhuhn in der Teilkasko eingeschlossen hat oder nicht, ist für den Einzelnen unerheblich, nach solchen Feinheiten wird nicht gefragt. Die Fahrzeugdaten werden eingegeben, es erscheinen die günstigsten Anbieter, der Antrag erfolgt wie die Kündigung automatisch und online. Eine Abkehr von diesem schnell und einfach Schema ist nicht vorgesehen.

Es ist technisch schwierig und aufwendig, abweichende und preisrelevante Tarifmerkmale wie Telematik-Rabatte in Suchmaschinen darzustellen. Telematiktarife müssen beispielsweise im Nafi-Versicherungsmakler-Programm mühsam über Name oder Tarifdetails gesucht werden. Bei Check24 wird nach Telematik  gar nicht gefragt, der Kunde nicht darauf hingewiesen.

Das ist, wahrscheinlich, auch kein schlechter Wille. Es ist nicht einfach, die Zuwahl von Telematik und mögliche Rabattierung verständlich darzustellen. Die Zeitschrift Versicherungswirtschaft analysierte in ihrer Kfz-Titelgeschichte im November, dass es grundsätzlich schwierig sei, den Telematik-Höchstrabatt zu erhalten, denn er beruht auf vielen Einzeldetails wie beispielsweise Ort und Tageszeiten der Fahrten.

Es ist also zunächst einmal schwierig den Rabatt zu errechnen und dann muss das Portal noch das Problem der Darstellung lösen. Angebote in Klammern, Sternchen an die Preise, weitere Auswahlfelder, all das nimmt die Einfachheit und widerspricht dem Erfolgsmodell Portal, bei dem Klarheit entscheidend ist. Es wundert also nicht, dass die Portale einer Änderung ihres Modells skeptisch gegenüberstehen.

Versicherer wollen mehr Details

Die angesprochene Einfachheit ermöglicht den Portalen ihr Geschäft, Produkte wie Berufsunfähigkeitsschutz laufen aufgrund der Individualität der Produkte nicht. Die Versicherer arbeiten derzeit daran, auch in die KFZ-Versicherung mittels Technik mehr Varianz zu bringen, beispielsweise mit Telematik.

„Wir glauben, dass Telematik-Tarife in Deutschland ein großes Marktpotenzial haben. Mittelfristig schätzen wir das Potenzial auf mindestens 25 Prozent. Das wird gestützt durch die Verkaufszahlen unseres Telematik-Produktes, die deutlich über unseren Erwartungen liegen“, erklärte kürzlich Dr. Daniel John, Leiter Aktuariat für die Kompositversicherungen Huk-Coburg gegenüber Assekurata. Mittelfristig will der Versicherer mit Telematik-Tarifen im Bestand einen Anteil von 25 Prozent erreichen, das wären rund drei Millionen Fahrzeuge.

Das Problem von Telematik-Tarifen ist, dass die Kunden fremdeln und viele Anbieter vor den Kosten zurückschrecken. Helfen könnte der Durchsetzung, wenn mehr Versicherer auf die Angebote setzen würden.  „Kleinerer Kfz-Versicherer können Telematik natürlich auch von einem Dienstleister beziehen, oder mit einem anderen Versicherer kooperieren“, erklärt John. „Wir glauben, dass Telematik, zu mehr Kooperationen führen wird, und weniger zu einer Marktkonzentration.“

Dashcam und Assistenzsysteme

Andere Versicherer setzten ebenfalls auf Technik, um den Beitrag für ihre Kunden zu senken und unterscheidbar zu werden. Die Bayerische bietet bei der Verwendung einer Dashcam 15 Prozent Rabatt. Die Allianz, die mit Allianz Global Automotive 40 Automobilmarken in 30 Ländern bedient, wollen ihre Tarife ebenfalls individualisieren. So werden beim Nafi-Programm Spurhalte- und Abbiege-Assistenten wie auch Abstandsregeltempomat und Notbremsassistent berücksichtigt.

Eine Abkehr von der Solidargemeinschaft sind solche Rabatte nicht, sagt John. „Die Kfz-Versicherung ist keine Solidar-, sondern eine Risikogemeinschaft. Im aufsichtsrechtlichen Sinne heißt das, dass jeder die seinem Risiko angemessene Prämie bezahlt.“

Wie auch bei der Telematik sind Aspekte wie Dashcam und Assistenzsysteme in einem relativ linear angelegten Vergleichsportal nur mühsam darstellbar. Abhilfe könnte das Startup-Portal Joonko schaffen, dass auf die marktüblichen Datenlieferanten Nafi und Softair zurückgreift, wie CEO Carolin Gabor gegenüber der Versicherungswirtschaft erklärt.

Ob das für die Versicherer ausreicht, um die Marktmacht von Check 24 in naher Zukunft zu brechen, bleibt fraglich. Laut dem Marktbeobachter Yougov werden dieses Jahr rund sieben Millionen ihre Versicherung wechseln. Welcher Nutzer hat Interesse an Telematik oder Dashcams, wie viele besitzen einen Spurhalteassistenten und nehmen dafür längere Prozesse bei Vergleichsseiten auf sich?

Morgen macht das Tesla

Ein weiterer Trend auf dem Kfz-Markt ist die Versicherung direkt vom Autohersteller, wie es Tesla praktiziert. Das ist sicherlich eine Bewegung, die die Versicherer nicht erfreuen dürfte, aber sie liegt auf der Hand. Hersteller haben durch die zunehmende Technisierung der Autos Zugriff auf Fahrdaten und können selbst kalkulieren. Aus diesem Grund ist der Kampf um die Kfz-Daten auch so wichtig für die Branche und wird dementsprechend verbissen geführt.

John sieht die Branche durch jüngste Entwicklungen im Vorteil. „Die These, dass die Daten grundsätzlich den Herstellern gehören, weil sie die Fahrzeuge gebaut haben, ist vom Tisch. Die gesamte Versicherungswirtschaft, aber auch andere Beteiligte und Vertreter der Politik fordern, dass die Kunden das Dispositionsrecht über die Daten haben müssen.“ Wenn es so kommt, würde an der Datenfront Waffengleichheit eintreten, was die Versicherer dank jahrelanger Expertise bei der Tarifierung in Vorteil setzen würde.  

Der Kfz-Markt der Zukunft

Ob und wie schnell sich Merkmale wie Versicherer vom Hersteller, Telematik oder Dashcam auf dem Markt durchsetzen werden, entscheidet der Kunde mit seiner Wahl. Bisher waren die Deutschen keine allzu großen Fans von Neuheiten, auf einem einfach strukturierten Kfz-Markt bleiben Check 24 und die Huk-Coburg dominant, wie Finanztipp kürzlich noch einmal feststellte. Vielleicht wird die aktuelle und kommende Technik diese Einfachheit aufbrechen.

Tipp der Redaktion: Wenn Sie wissen möchten, wie die Allianz der Huk ihre Spitzenposition streitig machen möchte, lesen Sie dazu das SCHLAGLICHT, der meistgelesenste Artikel dieses Monats.

Autor: Maximilian Volz

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