„Vielleicht wechselt Hermann-Josef Tenhagen bald zu Check24“

Hermann-Josef Tenhagen ist seit Oktober 2014 Chefredakteur des nach eigenen Angaben "gemeinnützigen Verbraucher-Ratgebers" Finanztip. Davor war er 15 Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest. (Quelle: Robert Schlesinger)

Womöglich wird Check24 demnächst auch Premium-Affiliate-Partner von Finanztip, vermuten viele Vermittler in ihren Kommentaren nach Ausstrahlung der RTL-Sendung „Stern TV„. Denn dort haben Verbraucherschützer, darunter der für die Assekuranzbranche hochumstrittene Hermann-Josef Tenhagen, einige denkwürdige Sätze verbreitet. Viele Versicherungsmakler fordern deshalb sogar, dass sich der GDV einschalten sollte. Dass das schlechte Image der Versicherungsvermittler zum Teil von einer schlecht recherchierten TV-Berichterstattung herrührt, wurde kürzlich auch auf der DKM thematisiert.

KI in der Beratung, Diskussionen um das Vergütungssystem und Nachwuchsprobleme: Auf der DKM wurden kürzlich alle für die Vermittler wichtigen Themen von den prominenten Vertriebsexperten ausführlich diskutiert. Für BVK-Präsident Michael Heinz hängt die Personalgewinnung maßgeblich mit dem Image der Branche zusammen. „Und jegliche Form der Verwerfung, die in den Medien sich widerspiegelt, schmeißt uns auf den Tag wieder jede eine Menge Schul- oder Studienabgänger raus“, die das Ziel hatten, in die Branche einzusteigen, erklärte er auf einem Diskussionsforum auf der DKM. Allerdings teilen er und Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik die Ansicht, dass die Berichterstattung über die Versicherungsbranche teilweise qualitativ sehr schleicht sei und sowohl Kunden als auch Neueinsteiger in die Irre führe.

Als Beispiel nannte man eine „Wiso„-Beitrag aus, wo Sätze der ZDF-Redaktion fielen wie „Makler einzelner Versicherungen“ und „auf Provisionen für den Berater habe ich keine Lust“. Im Auftrag der Fonds Finanz hat Stephan Peters mit gewohnt scharfen und humorvollen Kommentaren den Beitrag auseinandergenommen, berichtete VWheute. Michael Heinz erwähnte gegenüber dem Publikum, dass er mit der ZDF-Redaktion bereits mehrmals gesprochen und vorgeschlagen habe etwas Positives über die Branche zu berichten. Die Antwort lautete, dass solche positiven Storys keinen interessieren würden.

Verbraucherschützer urteilen über Versicherungen, weil kein Vertreter der Assekuranz eingeladen ist

Auch die Redaktion der RTL bringt derzeit die Versicherungsbranche auf die Barrikaden. Gleich drei wichtige Super-Shopping-Tage locken im November zum Sparen beim Einkaufen: der Singles Day am 11. November, am 24. der Black Friday sowie am Montag darauf der Cyber Monday. Das nahm RTL zum Anlass und strahlte am 2. November eine Stern-TV-Spezialsendung aus.

Als Experten eingeladen waren eine Anwältin, Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sowie Ron Perduss, der als „RTL-Verbraucherschützer“ vorgestellt wurde. Die recht einseitige Runde kann man sich wohl dadurch erklären, dass es hierbei wohl nur um die Einsparpotenziale der Verbraucher ging.

Beim Thema Versicherungen ging der RTL-Verbraucherschützer zu einer Familie und rechnete nach, bei welchen Policen man wieviel sparen kann und empfahl sogar die Rechtsschutzpolice zu kündigen. Die Familie hatte viele Policen beim gleichen Anbieter, was Tenhagen nicht gut fand. Auch wenn man dadurch die Vorteile eines gleichen Ansprechpartners habe, könne man viel sparen, wenn man die unterschiedlichen Policen bei jeweils unterschiedlichen Versicherern abschließt. So weit so gut.

Nachdem das Trio dem Publikum wichtige Versicherungen von unwichtigen erklärte, wurden Fragen der Zuschauer beantwortet, wie etwa, ob eine Lebensversicherung notwendig sei. Die Antwort von Tenhagen: „Risikolebensversicherung ist notwendig, wenn man eine Familie hat, die man absichern will, aber eine Kapitallebensversicherung, wo man was spart, ist nicht notwendig.“ Bereits über diesen Satz dürfte die Vertreter der Versicherungsbranche ihren Kopf geschüttelt haben. Aber es gab noch eine Steigerung, denn ein Zuschauer stellte die Frage: Lieber im Internet Versicherungen abschließen oder bei einem Finanzberater? Tenhagens Antwort: „Normalerweise lieber im Internet abschließen, weil der Finanzberater von Provisionen lebt“. Nur bei einer Berufsunfähigkeit-Police würde er ein Beratungsgespräch vor Ort vorziehen. Der RTL-Verbraucherschützer schob noch hinterher, dass er einen Honorarberater empfehlen würde, weil sie keine Provisionen vom Versicherer kassieren – „man muss sie selbst bezahlen“.

Nach all diesen Sätzen kam auch kein Einspruch vom RTL-Moderater, dass die Vergleichsportale womöglich auch Provisionen kassieren könnten. Schließlich hat Tenhagen ganz am Anfang der Sendung – als es noch um das Thema Strom und Gas ging – gesagt, dass manche Portale für bestimmte Tarife Provisionen kassieren und diese eben oben in der Liste stehen würden – aber man könne das in den Filtereinstellungen verändern.

Aufforderung an Tenhangen, sich zu erklären

Der Versicherungsmakler Andreas Lohrenz hat bei der Karriere-Plattform LinkedIn auf das RTL-Video aufmerksam gemacht und Tenhagens letzte Aussage kommentiert: „Ich weiß nicht auf welchem Planeten Sie leben und wir beide wissen, dass diese Aussage völlig irreführend ist. Trotzdem sehen Sie sich gezwungen einen solchen Unsinn im TV zu verbreiten. Wenn Sie nen Arsch in der Hose haben, dann erklären Sie mir solche Aussagen doch bitte mal.“

Auf über 120 Likes und 14 Kommentare brachte es der Post. Viele erhoffen sich dabei, dass Tenhagen eine Stellungnahme abgibt und vermuten sogar, dass er mit solchen Sätzen wohl bald zu Check24 wechseln könnte. Einer würde gerne von ihm wissen, „wie ein Gewerbebetrieb (z.B. Ceck24) ohne Einnahmen (Provisionen/Courtagen) überleben kann.“ Viele Kommentare gehen in die ähnliche Richtung und weisen auch daraufhin, dass neben der Abschlussprovision auch ein Betreuungsprovision. Vergleichsportale erhalten das gleiche Geld wie ein Vermittler, aber würden keine echte Betreuung durchführen.

Andere hoffen, dass sich der GDV einschaltet und kritisiert auch die RTL-Redaktion, „so etwas ungefiltert auszustrahlen. Da habt ihr eurem Ruf mal wieder alle Ehre gemacht.“ Vor diesem Hintergrund ergänzt ein Makler: „Wir regen uns hier leider völlig umsonst auf. Die Sendung können wir nicht wieder zurück holen. Die aktive Verarbeitung von Kunden ist bei solchen Sendungen zum Glück recht gering. Wir sollten eher den Ansatz nehmen und die Sender dahin bringen, das nicht einseitig irgendwelche ‚Experten‘ eingeladen werden, sondern das ‚echte‘ Vermittler ebenfalls zu Wort kommen.“

Autor: David Gorr

4 Kommentare

  • Ich wünsche Herrn Tenhagen, dass er mal versucht einen Versicherungsschaden reguliert bekommen möchte bei einem Onlinevertrag. Viel Spaß. Versicherungsvermittler verkaufen nicht nur. Sie beraten, leisten Service und regulieren Schäden unkompliziert. Die Darstellung, dass Vertreter immer nur überteuerte Verträge anbieten um maximale Provisionen zu bekommen ist eine Frechheit. Die große Masse der Vertreter sind ordentliche Kaufläute, die ihre Kunden bestmöglich beraten und betreuen. Warum darf jemand im TV solchen Unsinn verbreiten? Wer immer nur das billigste kauft, der spart am Ende nicht und gute Leistung sollte auch vergütet werden. Versicherungsvertreter zahlen Steuern und finanzieren damit auch noch so einen Blödsinn, den dieser Mann verbreitet. Dazu kommt, dass er recht oft fachlich einfach nicht auf der Höhe ist.

  • Es gibt eine alten Spruch “ Wer die Musik bezahlt kann bestimmen was gespielt wird!“ oder ein anderer “ Dessen Brot ich ess, dessen Lied ich Sing!“
    Warum ergreift die Branche nicht endlich mal die Möglichtkeit den Verbraucher anhand der klaren gesetzlichen Grundlagen aufzuklären, welche überwiegend für besseren Verbarucherschutz seit 2008 gemacht wurden, wie in unserer Branche die Dinge zu laufen haben!?
    Dies ist doch eine sehr gute Möglichkeit um solch ein immer wieder kehrendes Geschwafel zu eliminieren.
    Außerdem kann jeder Vermittler selbst einen guten Beitrag leisten indem er seine Kunden darüber aufklärt wie die Dinge tatsächlich sind.

  • In 2017 forderte ich Mindeststandards für den Verbraucherschutz. Mir wurde vom Bundestag zugesichert, dass es diese gibt. Gesehen habe ich niemals welche. Der damalige, der mir das mitteilte, ist heute der Chef der Bundesnetzagentur.
    Ich vermute, dass Herr Tennhagen für sein Dafürhalten noch immer nicht genug verdient, wobei der Verdienst im Verbraucherschutz nicht im Vordergrund stehen sollte, sondern der Nutzen für den Verbraucher. Ob das bisher der Fall war, bezweifle ich.

  • Hubert Gierhartz

    Hierzu verweise ich auf den Artikel vom 15.09.2020 „Schleichwerbung und Irreführung. Das Geschäftsmodell von Finanztip. Urteil OLG Dresden Aktenzeichen 14 U 207/19. Die Revision wurde vom BGH abgelehnt. Aktenzeichen I ZR 145/19.
    Hier sind doch die Vermittlerverbände besonders verpflichtet, den jetzigen Sachverhalt im Sinne ihrer.Mitglieder rechtlich zu prüfen!

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