Verdi verhandelt mit AGV über KI-Transformation: Ergo-Tarifvertrag soll als Vorbild dienen
Personen auf dem Bild von rechts nach links: Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland AG, Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Mitglied des Vorstands der Ergo Group AG, Deniz Kuyubasi, ver.di Verhandlungsführerin, Martina Grundler, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen ver.di. Credits: Ergo Group)
Die Ergo streicht im Zuge der KI-Transformation 1.000 Stellen in den nächsten fünf Jahren. Die Gewerkschaft ver.di setzte beim sozialen Rahmenplan den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und den Erhalt großer Verwaltungsstandorte durch. Ähnliches will sie für die gesamte Branche erreichen. Denn Ende März stehen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) an.
Vertreter der Unternehmensleitung von Ergo und der Gewerkschaft ver.di haben am 18. Februar 2026 einen umfassenden Sozialen Ordnungsrahmen unterzeichnet, der den seit 2021 gültigen Ordnungsrahmen ablöst und bis Ende 2030 gilt. Die Vereinbarung sieht bis Ende 2030 den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und den Erhalt großer Verwaltungsstandorte des Unternehmens in den sieben Städten Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg sowie auch für die Regionaldirektionen der Ausschließlichkeitsorganisation vor. Um die Belegschaft fit für die technologische Transformation zu machen, gründet der Versicherer gleichzeitig eine eigene „Reskilling Academy“, in der „digitale, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen“ der Ergo-Mitarbeiter gestärkt werden sollen. Die Ergo will jedoch nur rund 500 „Reskilling“-Plätze anbieten, da die Umschulung vom Sachbearbeiter zum Daten-Spezialisten eine „realistische Grenze“ habe. Der Stellenabbau solle zum Teil über natürliche Fluktuation erfolgen. Ferner kommt der demographische Faktor hinzu: Viele Beschäftigte gehen in den Ruhestand.
Die Gewerkschaft kündigte nun an, dass man ab 26. März mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) über einen allgemeinen Tarifvertrag für die Transformationspläne der Branche insgesamt verhandeln werde. „Nicht nur die Beschäftigten brauchen klare Perspektiven, was auf sie zukommt – auch die Unternehmen sind auf ihre Fachkräfte angewiesen, die sie im Veränderungsprozess motivieren und mitnehmen müssen“, erklärt ver.di-Verhandlungsführerin Deniz Kuyubasi. Ein neuer Tarifvertrag für die Beschäftigten im Versicherungsinnendienst wurde erst im Sommer 2025 vereinbart und betraf die Gehälter, VWheute berichtete.
Dass Ergo Tätigkeiten ins Ausland verlagert, konnte die Gewerkschaft nicht verhindern. Das kritisierte Kuyubasi vergangene Woche im Handelsblatt. Einige Verwaltungs- und Servicefunktionen sollen teilweise in Zentren nach Polen und Indien verlagert werden. Doch nicht überall werden Stellen abgebaut: Im Bereich der Lebensversicherung und bei hochspezialisierten Profilen wie Data Analytics sucht der Konzern weiterhin Personal.
Bis 2030 will Munich Re Kostensenkungen von rund 600 Mio. Euro erzielen. Wie stark davon das Personal betroffen ist, äußerte der neue CEO Christoph Jurecka bislang nur vage. Nur dass es bei der Erstversicherungstochter Ergo mehr „Potenzial durch KI“ zu heben sei als in der Rückversicherung. Erst vergangene Woche präsentierte Ergo die genauen Zahlen zum Stellenabbau.
Autor: VW-Redaktion
