Athora heiß auf Axa-Leben-Bestände

Axa-Campus in Köln. Bildquelle: Axa

Kommt es in Deutschland nach der Generali und der Zurich bald zum dritten großen Run-off von Lebensversicherungsbeständen? Bei der Axa Deutschland bahnt sich bereits der nächste große Deal an. Athora bietet sich schon an.

Glaubt man einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderkreise, steht der Finanzinvestor Apollo Global Management kurz vor dem Kauf eines Portfolios von deutschen Lebensversicherungspolicen der Axa SA. Demnach gehe es bei der Transaktion laut Bericht um Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 15 Mrd. Euro, hauptsächlich in Form von Annuitäten. Der Deal soll zudem in den kommenden Wochen verkündet werden. Athora hat in Deutschland bereits die Bestände der Delta Lloyd übernommen. Die Frankfurter Leben-Gruppe hatte die Basler Leben sowie die ehemaligen Arag Lebensversicherung übernommen.

Offiziell hält sich die Axa Deutschland jedenfalls (noch) bedeckt. „Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht“, erklärte eine Unternehmenssprecherin lapidar gegenüber VWheute. Entsprechende Spekulationen über einen Run-off gibt es jedenfalls schon seit mehreren Monaten. Glaubt man Finanzbeobachtern, sind die Bestände der Axa sehr heterogen. Problematisch sei dabei laut einem Bericht des Handelsblatt „vor allem die hohe Anzahl an Policen mit Garantiezinsen von 2,25 Prozent, die bis 2011 angeboten wurden oder 1,75 Prozent, die es gar bis 2015 gab.“

Der dritte große Deal in der deutschen Versicherungsgeschichte

Sollten sich die „Marktgerüchte“ dennoch bewahrheiten, wäre der Axa-Run-off bereits der dritte große Deal in der jüngeren deutschen Versicherungsgeschichte. Bereits vor wenigen Wochen hatte die Zurich Deutschland ihren Bestand an traditionellen Lebensversicherungspolicen an Viridium übertragen. Bereits 2019 hatte Viridium die Bestände der Generali Leben übernommen – die Transaktion ist heute weitgehend abgeschlossen.

Der Teil-Run-off in Deutschland ist nicht der erste Verkauf von Lebenbeständen bei der Zurich. Bereits Anfang Juni 2022 hatte der Schweizer Versicherungskonzern das langfristige Lebensversicherungsgeschäft in Singapur an den Rückversicherer Monument Re verkauft. Anfang des Jahres verkaufte die Zurich zudem den Altbestand ihres italienischen Lebens- und Rentenversicherungsgeschäfts an den portugiesischen Versicherer GamaLife.

Von den insgesamt rund drei Millionen Lebensversicherungsverträgen gehen demnach etwa 720.000 traditionelle Policen der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG („Zurich Deutscher Herold“) mit einer Deckungsrückstellung von rund 20 Mrd. Euro in eine zu diesem Zweck neu gegründete Gesellschaft über, heißt es in einer Mitteilung der Zurich Deutschland. Durch die Akquisition wachsen der Vertragsbestand der Viridium-Gruppe auf rund 4,5 Millionen und das verwaltete Vermögen auf insgesamt rund 92 Mrd. Euro.

Demnach werde die Zurich Deutschland den Vertragsbestand und die dazugehörige Bilanz im Vorfeld des Vollzugs der Transaktion auf eine neu gegründete Gesellschaft übertragen. Viridium wird diese Gesellschaft anschließend erwerben und unter einer neuen Marke in ihre Gruppe eingliedern, heißt es weiter. Viridium will dafür signifikant in die IT-Landschaft der Gesellschaft investieren.

Adesso steigt ins Run-off-Geschäft ein und macht der Ergo Konkurrenz

Ein möglicher Kooperationspartner könnte dabei der IT-Anbieter Adesso sein. Das Unternehmen bietet Versicherern nach eigenen Angaben ab sofort eine cloudbasierte Plattform zur kostengünstigen und effizienten Abwicklung von Bestandsverträgen im Lebensversicherungsgeschäft. Damit steigt AFIDA für Versicherer mit Run-off-Beständen in die End-to-End-Bestandsführung von Verträgen in der Lebensversicherung ein.

Erster Großkunde der neuen Plattform ist die Frankfurter Leben: Die Versicherungsgruppe hat AFIDA mit einem umfassenden, langjährigen Migrations- und Bestandsverwaltungsprojekt beauftragt, heißt es bei Adesso. Der Rahmenvertrag sehe demnach vor, dass AFIDA die rund 500.000 LV-Bestandsverträge als auch neue Portfolios der Frankfurter Leben auf ihre Plattform migrieren und die technische End-to-End-Plattform als „Software-as-a-Service (SaaS)“ zur Verfügung stellen wird. Diese Lösung bilde demnach die Grundlage für ein zukunftsorientiertes Sachbearbeitungsgeschäft bei der Frankfurter Leben. 

„Wir stellen bei unseren Kunden fest, dass sich mehr und mehr Versicherer auf ihr Kerngeschäft fokussieren und die Lebensversicherungssparte – in Deutschland gibt es aktuell an die rund 90 Millionen Policen – extern professionell verwalten lassen möchten. AFIDA ist unser Service für den Markt, hier Rationalisierungseffekte zu nutzen und die Verwaltung von Lebensversicherungen gleichzeitig in professionellen Händen zu wissen“, kommentiert Michael Kenfenheuer, Vorstandsvorsitzender von Adesso.

„Das langjährige Mandat der Frankfurter Leben ist nicht nur ein enormer Vertrauensbeweis in die Versicherungsexpertise unseres Hauses, sondern markiert zudem den bislang größten Einzelauftrag eines Kunden für Adesso in 25 Jahren Unternehmensgeschichte“, ergänzt Kenfenheuer.

Dabei könnte Adesso sogar zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für die Ergo werden. Die Düsseldorfer hatten erst am Mittwoch angekündigt, mit der von IBM entwickelten Run-off-Plattform Thipara an den deutschen Markt zu gehen. Man führe erste Gespräche mit Lebensversicherern, heißt es aus Düsseldorf. Aufkaufen werde man die Portfolios aber nicht. Die Munich Re-Tochter hat 450.000 eigene Verträge auf die Plattform migriert. Bis dort Riester-Verträge oder fondsgebundenes Geschäft landet, könnte noch zwei Jahre dauern und viel Geld kosten.

Die Portfolios anderer Lebensversicherer aufkaufen will die Ergo nicht. Die Düsseldorfer antizipieren, dass Thipara für andere Gesellschaften nur Vorteile bringe – zumindest für diejenigen, die die Altbestände nicht selbst verwalten wollen. Davon gebe es viele. „Ich glaube, dass am deutschen Markt 90 Prozent des Lebensversicherungsgeschäfts de facto im Run-off ist“, sagte Frank Wittholt, Chef der Abwicklungssparte der Ergo-Gruppe, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. 2017 hatte Ergo noch Pläne, die eigenen Altbestände zu verkaufen. Aus Reputationsgründen hat man davon abgesehen.

Durch die Corona-Pandemie hat Cloud-Computing insgesamt jedenfalls einen generellen Schub erhalten, wie eine aktuelle Umfrage von Bitkom Research zeigt. Während aber fast jedes mit Assekuranzen kooperierende Softwareunternehmen seine SaaS-Lösungen hervorhebt, werden die Aufwendungen für den radikalen Schritt meist nicht thematisiert. 

Für den scheidenden Viridium-Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf-Peter Hoenen sei es jedenfalls von Beginn an klar gewesen, „dass die Lebensversicherungsbranche eine solche zusätzliche Handlungsoption für den Umgang mit garantieintensiven Portfolios benötigt.“ Dabei sei die „anfängliche Skepsis aber mit zunehmendem Verständnis vom Geschäft und dem Nachweis seines Nutzens für die Versicherten spürbar zurückgegangen“, betont der ehemalige Präsident des Branchenverbandes GDV. Dass deren neues Modell zunächst kritisch betrachtet wurde, habe er als vollkommen selbstverständlich empfunden – „gerade auch, weil es um ein derart existenzielles Thema wie die private Altersvorsorge geht.“

Die Axa Deutschland scheint ihre Skepsis gegenüber einem Run-off jedenfalls abgelegt zu haben – es dürfte wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie dies auch offiziell kundtun wird.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

3 + 16 =