Schneidemann: Atomkraft bleibt für Versicherer ein No-Go

Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen und Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung, Quelle: Bayerische

Die deutschen Versicherer werden nicht wieder in Atomkraft investieren. Der Grund ist die Ablehnung der Energieart durch die Deutschen, sagt Herbert Schneidemann, Chef der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und CEO des Versicherers Bayerische. Allgemein wären die Versicherer wichtig, für die wirtschaftliche Transformation.

Die EU-Kommission hat entschieden, dass die Investments in Gas- und Atomkraftwerke von Januar 2023 unter bestimmten Bedingungen erlaubt sein könnte. Einige Versicherer haben die Investments bereits ausgeschlossen, die Allianz ließ die Tür einen Spalt offen. Schneidemann selbst ist nicht überrascht über die Atomkraft-Renaissance; gegenüber VWheute erklärte er bereits Ende Juli, dass er davon ausgeht, dass „Atomkraft als nachhaltig gelten wird“. Generell sind Ausschlüsse für global agierende Unternehmen schwieriger, nicht zuletzt aufgrund des Anlagevolumens und divergierender Meinungen in den Ländergesellschaften.

Deutschland lehnt Kernkraft ab

Trotz der Zustimmung vieler Länder zur Atomkraft, unter anderem Polen und Frankreich sind Unterstützer, wird es bei deutschen Versicherern nicht zu einem Umschwung kommen, sagt Schneidemann gegenüber der dpa: „Ich persönlich glaube, es wird sich kaum ein Unternehmen leisten können, Atomkraft in Deutschland als grün zu bezeichnen und sich dann auf die EU-Taxonomie zu berufen.“  Atomkraft wäre klimatechnisch „gut“, gehe aber „auf Kosten der Zukunft“. Noch bis zum Atomausstieg im Jahr 2022 wächst der Berg an radioaktiven Abfall in Deutschland weiter an, für 600.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und etwa 30.000 Kubikmeter hochradioaktivem Abfall muss eine Lösung gefunden werden. Weltweit ist das Bild nicht anders. Mehr als eine Viertelmillion Tonnen hoch radioaktiver Abfälle lagern weltweit in der Nähe von Kernkraftwerken und Waffenproduktionsanlagen, davon über 90.000 Tonnen allein in den USA.

Rolle der Branche

Derzeit liegt der globale Fokus bei Umweltfragen auf der Verringerung von CO₂, Atomkraft ist eher eine sekundäre Diskussion.  Die Versicherer sind mittendrin in der Diskussion um eine nachhaltigere Wirtschaft. Schneidemann glaubt, dass die Versicherer eine wichtige Rolle bei der Transformation der Wirtschaft spielen werden und hält eine „schrittweise Transformation des Kapitalanlagevermögens“  für wichtig. 

Autor: VW-Redaktion

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