Sieben Jahre früher als geplant: Allianz meldet sich auf dem US-Markt zurück

„Die Haftpflichtschadenkosten in den USA sind in eine sich selbst verstärkende Spirale geraten“, konstatiert eine aktuelle Studie von Swiss Re. (Bildquelle: Can Par Swire / flickr / https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/ )

Im Zuge des Betrugsskandals um den „Structured Alpha“-Hedgefonds wurde der Allianz-Tochter AGI US 2022 eine zehnjährige Sperre für das Angebot von Investmentfonds gegenüber US-Investoren aufgebrummt. Diese hat die Börsenaufsicht SEC nun wieder aufgehoben. Auf einem Presseempfang verkündete CEO Oliver Bäte gestern stolz die Nachricht. Ein Brief der Allianz-Anwälte vom 7. Juli brachte den Durchbruch.

Es war die größte Krise in der Amtszeit von Oliver Bäte. Als die Märkte zu Beginn der Coronakrise einbrachen, hatten Pensionsfonds und andere große Investoren in den USA im Frühjahr 2020 rund sieben Mrd. Dollar mit den „Structured Alpha“-Hedgefonds der US-Tochter von Allianz Global Investors (AGI) verloren. Dafür verantwortlich waren Portfoliomanager Gregoire Tournant und seine zwei Mitarbeiter Trevor Taylor und Stephen Bond-Nelson. Die drei managten den 2005 speziell für den US-Markt aufgelegten „Structured Alpha Fonds“, der in der Spitze ein Volumen von elf Mrd. Dollar umfasste, und versprachen deutlich höhere Renditen als beispielsweise die Benchmark S&P 500. Ihren Kunden erzählten sie, dass sie vor Marktschwankungen durch „Hedges“, also Absicherungsgeschäfte, geschützt sind. In Wahrheit stiegen die Manager auf billigere „Hedges“ um, die weniger Schutz boten.

Um das zu verbergen, haben sie jahrelang „mehrere Berichte und andere Informationen manipuliert“, heißt es seitens der US-Börsenaufsicht SEC (US Securities and Exchange Commission). Beispielsweise sollen sie die möglichen Verluste bei einem Crashszenario „von 42,1505 auf 4,1505 Prozent reduziert haben, indem sie einfach die Zwei weggelassen haben“. In einem anderen Fall sollen die Portfoliomanager einen Tagesverlust „geglättet“ haben, indem sie die Zahl vor dem Komma schlicht halbiert haben, von 18,26 auf 9,26 Prozent. Mindestens seit 2014 sei das so gegangen, erklärte das US-Justizministerium damals.

Für den Mutterkonzern Allianz war der finanzielle Schaden beträchtlich. Nach einem Vergleich mit dem Ministerium war der Versicherer bereit, eine Strafe von 2,33 Mrd. Dollar zu zahlen und die Anleger mit 3,24 Mrd. für ihren verlorenen Einsatz zu entschädigen. In einem separaten Vergleich zahlt die Allianz 675 Mio. Dollar an die Wertpapieraufsicht SEC. Die Einigung kam so schnell zustande, da sich AGI selbst des Wertpapierbetrugs für schuldig erklärt hat – was sehr selten vorkommt. Das US-Justizministerium sprach gar von einem „historischen Betrug“. Normalerweise einigen sich die betroffenen Unternehmen und die Behörden auf sogenannte Deferred Prosecution Agreements. Die besagen, dass auf eine Strafverfolgung verzichtet wird, wenn sich die Unternehmen nichts weiter zuschulden kommen lassen.

Im Mai 2022 wurde Allianz Global Investors U.S. LLC (AGI US) aufgrund eines Schuldbekenntnisses vom US-Markt disqualifiziert, was die Allianz-Vermögensverwaltungsaktivitäten in den USA einschränkte, mit Ausnahme von Pimco und Allianz Life. Die Allianz verkaufte das Fondsgeschäft von AGI US an Voya Investment Management und löste AGI US im Juni 2024 auf. Der Münchener Versicherer argumentiert, dass die zehnjährige Strafe nur für die Tochter AGI US gilt und nicht für die Allianz. Und da es dieses Tochterunternehmen nicht mehr gibt, müsste somit auch die Strafe aufgehoben werden.

Für die Allianz nahm Anfang 2025 die Kanzlei Sullivan & Cromwell Gespräche mit der SEC auf, um Klarheit über die Befreiung von den regulatorischen Beschränkungen zu erhalten. Am 7. Juli schickten die Anwälte einen Brief an die SEC:

We write on behalf of Allianz SE and its current and future affiliates (together, the
“Allianz Entities”) to inform you that Allianz Global Investors U.S. LLC (“AGI US”) has been
terminated as a legal entity. As a result, the Allianz Entities that were formerly disqualified under
Section 9(a)(3) of the Investment Company Act of 1940, as amended (the “1940 Act”), due to
their affiliation with AGI US are no longer subject to (i) disqualification under Section 9(a)(3)
and (ii) the 9(c) Order.

Einen Tag später kam bereits die Antwort von der Behörde: „Wir erheben keine Einwände und haben keine weiteren Fragen.“ Damit bestätigte die SEC, dass aufgrund der Auflösung der Allianz Global Investors U.S., LLC als rechtliche Einheit alle verbleibenden Beschränkungen für die Allianz oder für mit ihr verbundene Unternehmen gemäß dem Investment Company Act, einschließlich der Möglichkeit, Beratungsleistungen zu in den USA registrierten Investmentfonds anzubieten, nicht mehr gelten.

Allianz-CEO Oliver Bäte stellt sich den Fragen der Journalisten (Bildquelle: Allianz)

Das sei ein schöner Erfolg, freute sich CEO Oliver Bäte sichtlich auf einem Presseempfang in München. Während der Krise wurde er mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die Aktie hat unter dem Skandal stark gelitten. „Wir hören als Allianz zu. Kritik und Feedback werden nicht weggewischt. Wir werden nicht weiter machen wie bisher. Wir prüfen genau, was wir besser machen können“, sagte er im Jahr 2021. Das Unternehmen erholte sich jedoch von der Krise schnell und schreibt wieder Rekordgewinne. Grégoire Tournant bekannte sich 2024 schuldig (Investment Adviser Fraud) und erhielt 18 Monate Hausarrest und drei Jahre Bewährung.

Autor: David Gorr

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