Munich Re rechnet mit deutlichem Gewinneinbruch für 2020

Joachim Wenning. Quelle: Munich Re

Kurz vor Jahresende wagt sich die Munich Re nun doch noch aus der Deckung. Anfang April hatte der Rückversicherer seine ursprüngliche Gewinnprognose für 2020 wegen Corona gekippt. Nun rechnet der Konzern mit einem deutlichen Gewinneinbruch von über der Hälfte der ursprünglichen Ziele.

Wegen der gesamtwirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen durch Covid-19 sowie die erwarteten Belastungen durch Naturkatastrophen werde der Rückversicherer sein Gewinnziel von 2,8 Mrd. Euro für das Gesamtjahr 2020 nicht erreichen, begründete die Munich Re damals die Rücknahme ihrer Gewinnziele. Nun rechnet der Konzern für das laufende Jahr mit einem Überschuss von rund 1,2 Mrd. Euro.

Die Beitragseinnahmen der Gruppe werden sich eigenen Angaben zufolge voraussichtlich auf 54 Mrd. Euro belaufen, was einem neuen Rekordwert in der rund 140-jährigen Unternehmenesgeschichte entsprechen würde. Für den Geschäftsbereich Rückversicherung rechnet der Rückversicherer nach eigenen Angaben mit Beitragseinnahmen von rund 36 Mrd. Euro (Ziel 2020: ca. 34 Mrd. Euro) belaufen.

“Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich einen Gewinn von deutlich über einer Milliarde Euro erzielen. Aber natürlich hinterlässt die Pandemie auch in unserem Ergebnis tiefe Spuren. Wir können die Belastungen durch Covid-19 jedoch gut verkraften. Durch die Deckung versicherter Schäden in Milliardenhöhe leisten wir einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bewältigung der Pandemie. Wir sind operativ sehr gut unterwegs und hätten ohne Covid-19 unser ursprüngliches Ergebnisziel für 2020 erreicht. Mit unserer starken Bilanz sind wir hervorragend aufgestellt, um jetzt Marktchancen zu nutzen. Im kommenden Jahr planen wir – trotz der Erwartung weiterer Covid-Schäden – wieder an die vor der Pandemie anvisierte Gewinnhöhe von 2,8 Mrd. Euro anzuknüpfen.”

Christoph Jurecka, Finanzvorstand der Munich Re

Zudem rechnet die Munich Re in diesem Jahr in der Rückversicherung mit Coronabedingten Schäden von rund 3,4 Mrd. Euro. Davon entfallen 360 Mio. Euro auf die Rückversicherung Leben/Gesundheit und etwas über drei Mrd. Euro auf die Schaden-/Unfall-Rückversicherung. In der Lebensparte macht sich auch die steigende Zahl der Todesfälle in den USA infolge der Pandemie bemerkbar. Anders als etwa in Deutschland müssen Rückversicherer im US-Lebengeschäft vor allem für hohe Todesfallzahlungen geradestehen. 

In der Sachsparte entfällt der größte Teil der Schäden auf Veranstaltungsausfälle (1,66 Mrd. Euro). Daneben erwartet der Rückversicherer weitere Schäden in den Sparten Sach/Betriebsunterbrechung (965 Mio. Euro), D&O/Workers compensation (200 Mio. Euro), Kredit (170 Mio. Euro) und Transport/Luftfahrt (25 Mio. Euro). Die Combined Ratio dürfte in diesem Jahr voraussichtlich bei 106 Prozent liegen.

Ergo liegt weiter auf Kurs

Deutlich zufriedener dürfte die Munich Re mit der Geschäftsentwicklung mit der Konzerntochter Ergo sein. So dürfte der Gewinn in diesem Jahr bei rund 0,5 Mrd. Euro liegen (Ziel 2020: 530 Mio. Euro). Die Schadenbelastung durch Covid-19 und entgangene Prämien beziffert der Konzern auf rund 65 Mio. Euro. Die Schaden-Kostenquote dürfte bei 92 Prozent in Deutschland sowie bei 94 Prozent im internationalen Geschäft liegen.

Deutlich besser sind allerdings die Aussichten für das kommende Jahr. So rechnet die Munich Re für 2021 mit einem Gewinn von rund 2,8 Mrd. Euro. Die Beitragseinnahmen dürften mit rund 55 Mrd. Euro noch einmal auf ein neues Rekordhoch steigen. In die Rückversicherung rechnet der Rückversicherer im nächsten Jahr noch einmal mit Coronabedingten Schäden in Höhe von etwa 500 Mio. Euro. Dass die Zahl sehr viel niedriger als in diesem Jahr ausfällt, liegt auch an den geringeren Kosten für den Ausfall von Großevents.

Noch vor rund einem Monat hatte der Rückversicherer gar noch mit roten Zahlen gerechnet. So lag der Gewinn nach den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bei 999 Mio. Euro (VJ: 2,490 Mrd. Euro). Dabei schlugen die coronabedingte Versicherungsschäden bislang mit rund 2,3 Mrd. Euro zu Buche.

Zudem kommt auch die steigende Zahl der Todesfälle in den USA infolge der Pandemie die Munich Re zunehmend teuer zu stehen. So verbuchte der Münchener Rückversicherer allein im dritten Quartal eine weitere Belastung von rund 100 Mio. Euro. Bislang sind allein in den USA rund 230.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Hinzu kamen menschengemachte Schäden – allen voran die Explosion im Hafen von Beirut. Die Belastung durch Großschäden aus Naturkatastrophen betrug 474 (577) Mio. Euro, insbesondere durch Sturm- und Waldbrandschäden in den USA. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 112,2 Prozent (VJ: 103,9 Prozent).

Autor: VW-Redaktion

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