„Covid-19 wie 09/11“: Hannover Re erwartet dennoch höhere Prämien

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Oft sind die stillen die wichtigen Töne. Das gilt in der Musik ebenso wie in Marktanalysen. Die Hannover Re hat sich umfassend mit der Prämienentwicklung in der Erst- und Rückversicherung auseinandergesetzt und in ihrer Betrachtung einige Aussagen versteckt, die aufhorchen lassen und bei Eintritt den Markt verändern werden.

Der Rückversicherer erwartet steigende Prämien und „profitable Wachstumschancen auf breiter Ebene“. Das ist nicht neu, ähnlich äußerte sich bereits die Swiss Re und auch AON in jüngster Vergangenheit. Auch dass Covid 19 eine hohe Belastung für die Erst- und Rückversicherer darstellt, ist nicht neu, den Mitbewerber Munich Re kostete Covid im zweiten Quartal 700 Mio. Euro. Wie hoch die Epidemie-Rechnung letztlich ausfallen wird, weiß momentan niemand so recht.

„Covid-19 ist aus unserer Sicht ein ähnlich marktveränderndes Ereignis wie die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Hurrikane Katrina, Rita und Wilma im Jahr 2005“, erklärt Sven Althoff, im Vorstand der Hannover Rück zuständig für die Schaden-Rückversicherung. Das „wahre Ausmaß“ der durch die Pandemie entstandenen Schäden werde erst langfristig erkennbar sein. „Wir sehen die Covid-19-Pandemie als Katalysator für fundamentale Preis- und Konditionsanpassungen bei Erst- und Rückversicherern. Die Ausprägungen werden allerdings je nach Region und Sparte unterschiedlich sein“, erklärt Althoff – und an der Stelle beginnen die Neuigkeiten, die nicht nur für Rückversicherer interessant sind.

Erstversicherung und KMU

Für das Jahr 2021 rechnet die Hannover Rück im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit einem „deutlich geringeren Wachstum im Erstversicherungsmarkt“ in Europa. Der pandemiebedingte Konjunktureinbruch wirke sich dabei insbesondere im KMU-Segment aus, also den kleinen und mittleren Unternehmen. Die Einflüsse auf das Privatkundengeschäft sollten dagegen „eher begrenzt sein“. Die Prognose basiert auf der „Einschätzung unserer zuständigen Marktbereiche“, wie das Unternehmen auf Nachfrage erklärt. „Im Privatkundengeschäft gibt es auf der Sachversicherungsseite kaum Exponierung gegenüber Pandemien. Zu KMUs ist das Bild sehr heterogen und abhängig von unserer Aktivität in den jeweiligen Marktsegmenten.“ Insbesondere bei Deckungen mit Schäden durch Covid-19 seien „deutliche Preissteigerungen“ zu erwarten.

Im Gegensatz zu Europa soll der Erstversicherungsmarkt in Nordamerika nicht so stark betroffen sein. Der Erstversicherungsmarkt in Nordamerika entwickle sich, trotz der Unwägbarkeiten durch Covid-19 und den daraus resultierenden ökonomischen Einschränkungen, „weiterhin positiv“. In Nordamerika verzeichnet die Hannover RE „seit einiger Zeit verbesserte Preise und Konditionen“ sowie eine „starke Nachfrage nach Deckungen sowohl auf der Erst- als auch auf der Rückversicherungsseite“. Der Hintergrund sind Effekte wie vermehrt auftretende Naturkatastrophen und „Social Inflation“, die zu einer generellen Neubewertung einiger Risiken geführt haben, erklärt das Unternehmen.

Steigerungen unvermeidlich

Die Hannover Re beschäftigt sich in ihrer Analyse neben den genannten Feldern stark mit der Preisgestaltung auf dem Rückversicherungsmarkt. Nach Ansicht der Hannoveraner befindet sich dieser „erst am Beginn einer Korrekturphase“. Bei den zurückliegenden Erneuerungsrunden des Jahres 2020 hat das Unternehmen Konditionsverbesserungen und Preissteigerungen erreicht, die bei schadenbetroffenen Verträgen „überwiegend  im zweistelligen Prozentbereich“ lagen. Allerdings sind diese aufgrund der niedrigen Zinsen nicht immer“ technisch ausreichend“, sodass „weitere Preiserhöhungen notwendig sind“. Das lässt die Frage aufkommen, wie lange und intensiv der Anstieg anhalten muss, um nachhaltig zu wirken.  „Wir glauben, dass sich die zunehmende Dynamik von Preiserhöhungen der zurückliegenden Vertragserneuerungsrunden auch im kommenden Jahr fortsetzt. Zum 1. Januar 2021 und darüber hinaus sind Preiserhöhungen auf der Erst- und Rückversicherungsseite unumgänglich.“ Zur Dauer des Zyklus wollte sich das Unternehmen nicht final äußern, dies basiere auf zu vielen Faktoren, u.a. „weiterer Schadenverlauf und Entwicklung der Covid-19-Pandemie sowie Kapazitätsbereitstellung im Rückversicherungsmarkt“.

Um dem Markt trotz niedrigen Zinsen Gewinn abtrotzen zu können, muss ein Unternehmen vorbereitet und diszipliniert sein, glaubt der Vorstandsvorsitzende Jean-Jacques Henchoz: „Die niedrigen Zinsen werden uns noch lange Zeit begleiten. Dies erfordert eine hohe Disziplin bei der Preisfindung, da die Profitabilität der Versicherungstechnik Rückgänge aus den Kapitalanlageerträgen noch stärker ausgleichen muss.“ Deshalb seien Preiserhöhungen auf der Erst- und Rückversicherungsseite im Januar und darüber hinaus „unumgänglich“.

Autor: Volz, Maximilian

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