Swiss Re rechnet mit steigenden Rückversicherungsprämien

Konzernsitz der Swiss Re. Quelle: Swiss Re

Trotz Corona zeigt sich die Swiss Re sich hinsichtlich der Aussichten der Rückversicherungsbranche in den nächsten Jahren recht optimistisch. Die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung sieht der Schweizer Rückversicherer vor allem in den niedrigen Zinsen, Großschäden und wachsenden Risiken.

Diese Entwicklung dürfte nach Ansicht der Swiss im kommenden Jahr zu weiter steigenden Prämieneinnahmen führen. Abseits der Lebensrückversicherung werden die Prämien der Branche im kommenden Jahr um 3,3 Prozent steigen, lautet die Prognose des Rückversicherers.

Zudem rechnet die Swiss Re durch die Erderwärmung mit einer weiteren Zunahme der Schäden. Tropische Stürme verursachten in den letzten drei Jahren 158 Mrd. US-Dollar an versicherten Schäden. Die Hälfte davon geht auf das Konto kleinerer und mittlerer Schadenereignisse. Wegen höherer Temperaturen der Weltmeere muss sowohl für 2020 als auch 2021 mit einer größeren Frequenz von Hurrikan-Ereignissen gerechnet werden.

Die Kosten für die Corona-bedingten Schäden dürften zudem nach Angaben des Rückversicherers zwischen 50 und 80 Mrd. US-Dollar liegen. Wesentliche Gründe dürften dabei der Ausfall von Großveranstaltungen sein, die Kosten aus der Betriebsschließungsversicherung, Arbeitsunfälle sowie D&O-Schäden.

Experten zufolge muss mit einer Rendite auf die anzulegenden technischen Rückstellungen von Null (oder gar darunter) gerechnet werden. Künftig erwartete Schadenauszahlungen können nicht mehr auf einen geringeren Gegenwartswert abgezinst werden. Die Tage des Cash Flow Underwriting insbesondere in den Long Tail Sparten sind vorbei, gefragt ist beim Rückversicherer nun eine nachhaltig wesentlich unter 100 Prozent anzusiedelnde Combined Ratio.

Indes haben sich die Schadenquoten eines Großteils des übernommenen Geschäfts drastisch verschlechtert. In Allgemeinhaftpflicht etwa während 2019 um drei Prozentpunkte und zusätzlich in der ersten Hälfte 2020 um weitere fünf ProzentPunkte. Dies gilt insbesondere für nichtproportionale Übernahmen. Hauptursache ist die Zunahme von einzelnen über fünf Mio. US-Dollar liegenden Gerichtsurteilen.

Angesichts der derzeit unbefriedigenden Ergebnisse setzen Rückversicherer nun allmählich die erforderlichen Preisanpassungen durch, allerdings mit dem Ausgangspunkt rekordtiefer 2018 erreichter Raten im EMEA Segment. Bisher erfolgte Anpassungen sieht Swiss Re nur als einen Anfang, insbesondere im Casualty-Geschäft werde immer noch nicht der zu erwartenden Null-Rendite auf die Kapitalanlagen Rechnung getragen. In Großbritannien und im australischen kommerziellen Geschäft konnte im vierten Quartal 2019 bereits eine über 20-prozentige Preiserhöhung durchgesetzt werden, ähnliches steht anderen Märkten wohl noch bevor.

Autor: Philipp Thomas / VW-Redaktion

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