Schadenlast bei Talanx steigt im ersten Quartal auf 435 Mio. Euro

Konzernzentrale der Talanx AG. Quelle: Unternehmen.

Großkampftag bei der Talanx, morgens Quartalszahlen, vormittags Hauptversammlung. Als sich der Nebel der geballten Zahlen- und Antragsflut lichtete, bleibt der Blick auf ein stabiles Unternehmen, das trotz Coronaschäden stabil dasteht und all seine Vorstellungen beim Aktionärstreffen umgesetzt bekam.

Die Hauptversammlung der Talanx AG hat mit großer Mehrheit allen Beschlussvorschlägen von Vorstand und Aufsichtsrat zugestimmt, darunter dem Vorschlag zur Gewinnverwendung. Zuvor waren Anträge eingegangen, die die Ausschüttung verhindern beziehungsweise stunden wollten, bis die Coronaschäden feststehen. Das erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert K. Haas zu Beginn der Versammlung.

Wenig überraschend wollten die Aktionäre lieber Geld sehen und votierten für den Vorschlag, die Dividende um 5 Cent auf nunmehr 1,50 EUR je Aktie anzuheben. Dies ist der siebte Dividendenanstieg in Folge und entspricht, bezogen auf den Durchschnittskurs des Jahres 2019, einer Dividendenrendite von 4,0 Prozent.

Erstes Quartal lief gut

Die Anlegung einer finanziellen Reserve wurde von den Aktionären abgelehnt. Dafür spricht, dass das Unternehmen im ersten Quartal trotzt der Pandemie-Folgen solide dasteht. Das vorläufige Konzernergebnis für das erste Quartal 2020 liegt bei 223 Mio. Euro, im Vorjahr waren es 235 Mio. Euro. Das Operative Ergebnis (EBIT) betrug 559 Mio. Euro und lag 9,3 Prozent unter der Vorjahresperiode.

Die Schäden summierten sich auf 435 Mio. Euro gegenüber 137 im Vorjahr. Der Coronateil betrug 313 Mio. Euro vor Heranziehung des unterjährigen Großschadenbudgets. Dass das Unternehmen trotz des Coronaschocks so gute Zahlen liefere, sei ein „Zeichen der Stärke“ erklärt Finanzvorstand Immo Querner. Er sagt aber auch, dass am Ende des Jahres bei Corona ein „anderer Betrag“ stehen werde, die Summe wurde „hinreichen konkret abgeschätzt“, doch den tatsächlichen Aufwand könne derzeit niemand vorhersagen. Aus diesem Grund habe die Talanx auch ihre „Gewinnziele für 2020“ kassiert.

Umweltsünder Talanx?

Weniger positiv bewerten die Umweltschützer von Urgewald den Hannoverschen Konzern. Talanx bleibe „Klima-Schlusslicht unter großen deutschen Versicherern“, schreibt die Nichtregierungsorganisation (NGO). Bemängelt wurde, dass der Konzern trotz Einschränkungen in Polen „weiter Kohle versichern“ möchte.

Einen Tag vor der Hauptversammlung hatte die Talanx Gruppe ihr Nachhaltigkeitsengagement „deutlich ausgeweitet“. Dies belegt laut Unternehmen der Nachhaltigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2019.

Nach Unterzeichnung der Principles for Responsible Investment (PRI) im November 2019 hat sich Talanx auch zur Einhaltung der das eigentliche Versicherungsgeschäft betreffenden Principles for Sustainable Insurance (PSI) verpflichtet. Erklärtes Ziel ist es außerdem, die 2019 erstmals im Betrieb für Deutschland erreichte Klimaneutralität „schrittweise international auszudehnen“. Ob Urgewald damit zufrieden ist?

Nebenbei hat die Talanx ihre Beteiligungen ausgeweitet. Sie ist als „Co-Investor indirekt“ beim Oldenburger Versorgungsunternehmen EWE beteiligt.

Autor: VW-Redaktion