Generali und die Krisenzeit: Verantwortung statt Verkauf

Generali

Heute lädt die Generali zur Hauptversammlung. Ein wichtiger Zeitpunkt, um dringliche Fragen zu klären und Fakten zu schaffen. Für den italienischen Versicherungsriesen verläuft das Treffen indes nicht immer ganz einfach. In diesem Jahr nicht nur aufgrund von Corona, sondern auch den zuletzt aufgekommenen Übernahmegerüchten, die Triest zu klaren Statements drängen. Generali dementiert die Gerüchte, mal wieder. Ganz von ungefähr kommen sie aber nicht.

„Daran sind wir gewohnt, das ist nichts Neues für uns“, kommentiert ein gut gelaunter Generali-Sprecher die erneut aufkommenden Gerüchte am Telefon. Im nächsten Satz folgt direkt das Dementi: „Die Gruppe ist sehr solide (aufgestellt), und zwar von einem operationellen-, finanziellen-, kapitalbasierten- und aufsichtsrechtlichen Standpunkt her, was nicht zuletzt die letzten Ergebnisse gezeigt hätten.“  

Der Sprecher hat recht, die Gruppe steht gut da, wie Chairman Gabriele Galateri di Genola in einer Videobotschaft vor der Hauptversammlung noch einmal betonte. Er erklärte von Turin aus, dass die Hauptversammlung online stattfinde und betonte, dass sich sowohl die Unternehmensführung wie auch die Ankeraktionäre einig sein, dass in diesen Krisenzeiten gerade große und weltweit tätige Unternehmen wie Generali Verantwortung übernehmen müsse. In Europa ist kein Land so hart von Covid-19 betroffen wie Italien.

Die Gerüchte und Gründe

Die Generali ist ein Opfer des eigenen Erfolges. Das Unternehmen begann vor Jahren einen großangelegten Umbau, um sich den neuen Gegebenheiten am Markt anzupassen. Nicht nur in Deutschland waren dafür schmerzhafte Schnitte nötig, die lautstarke Kritiker auf den Plan riefen. Ein Umbau bedeutet zudem, dass das aktuelle Geschäft nicht optimal verläuft, was den Kaufwilligen eine Chance signalisiert. Davon gab es in den letzten Jahren einige, alle prominent. So soll die Allianz an Teilen des italienischen Panettone interessiert gewesen sein, ebenso die Zurich und aktuell soll es die französische Axa sein, die an Teilen der von Philippe Donnet geführten Generali interessiert sein soll. Das würde passen, denn Donnet arbeitete zuvor jahrelang selbst bei der Axa.

Alle Interessenten eint, dass sie selbst Versicherungsgrößen und noch ein Stück größer als die Italiener sind, wenn den üblichen Ranglisten wie Forbes getraut werden kann, die natürlich je nach angelegter Bewertungsgröße ein wenig variieren.

Der GDV hat in seiner Rangliste der größten börsennotierten Versicherer die Generali auf Platz neun, deutlich hinter Axa, Zurich und Allianz – der wertvollste Versicherer Ping An ist nicht in diesem Bild der Grafik zu sehen.

Quelle: GDV

Es ist ein wenig wie beim Boxen, die Generali ist nicht erst seit dem gelungenen Umbau einer der ganz Großen, doch in derselben Gewichtsklasse gibt es noch andere Champions, die wohl aktuell noch ein wenig leistungsstärker sind. Zudem bringen große Häuser wie Allianz und Co. nur Übernahmen von anderen bedeutenden Häusern wirklich weiter. Wie eine mindestens spartenweise marktverändernde Übernahme aussieht, bewies die Axa mit dem Kauf von XL Catlin.

Ein weiterer Grund für die aktuellen Übernahmegerüchte ist der zuletzt fallende Börsenkurs der Gruppe, was allerdings bei der Covid-19-Krise wenig verwunderlich ist. Zuletzt hat sich der Kurs auch wieder stabilisiert.

Quelle: Börse Frankfurt, Stand 29.04.2020 13:02

Überhaupt erscheint es fraglich, ob ein Versicherer in der jetzigen Situation ein solches Gewicht wie eine Generali Übernahme stemmen möchte, nicht zuletzt deswegen, um nicht als Krisenprofiteuer dazustehen.

Letztlich sind sowieso alle Gerüchte obsolet, solange die Ankerinvestoren von Generali zum Unternehmen stehen, wonach es derzeit aussieht.

Autor: Maximilian Volz

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