„Digitalisierung ist ein langfristiger Prozess“

Konferenz Innovation in Insurance von Sollers im Jahr 2020,. Quelle: Sollers

Es ist mittlerweile ein liebgewonnenes Januar-Jubiläum: Sollers lädt die europäische Versicherungsprominenz ins schöne (und kalte) Warschau zur „Innovation in Insurance“-Konferenz. Anlässlich des 20-jährigen Firmengeburtstags verlieh das Unternehmen Preise für herausragende Digitalisierungsdienstleistungen und stellte ein spannendes Eigenprojekt vor. In den Mittelpunkt des Events rückten sich die prominenten Gäste mit ihren Reden.

Eine Veranstaltung ist immer nur so gut wie ihre Oratoren. Diese ließen sich im Copernicus Science Centre direkt an der Weichsel nicht lange bitte. So sprach unter anderem Dorothée Appel, CIO von Zurich Deutschland, über die digitale Zukunft der Versicherungsbranche in Deutschland. Das Unternehmen war in der jüngsten Vergangenheit emsig, es wurden Partnerschaften geschlossen und im Bereich Energie werden neue Wege eingeschlagen. Diese Innovationskraft möchte das Unternehmen auch digital beweisen.

Ben, nicht Bud, Spencer, erläuterte, wie sich der Spezialversicherer Beazley, u.a. Property und LV, auf den digitalen Wandel eingestellt hat und welche strategischen Ziele verfolgt werden. Für den Group-CIO war das eine leichte Aufgabe.

Von den 330 Versicherungsexperten aus ganz Europa wurde auch der Beitrag von Christoph Samwer, CEO und Mitbegründer des Insurtechs Friday, interessiert und aufmerksam aufgenommen. Er erklärte, wie das Unternehmen mit seiner auf Skalierung ausgerichteten IT-Basis in einem Jahr zum beliebtesten mobilen Versicherer Deutschlands werden will. Der von Friday kürzlich eröffnete Technologie-Hub in Warschau wird dabei sicher hilfreich sein.

Weitere Redner wie Andrea Simoncelli, CEO der Generali Polen, Dan Lewis, Head of IT Delivery bei Admiral, und Karl Jones, Project Manager bei Admiral rundeten das Sprecher-Paket ab.

Sollers Neuheit und Preise

Anstatt nur andere über Neuheiten und Digitalisierung sprechen zu lassen, präsentierte Sollers selbst eine Neuheit. Die Omnichannel-Plattform RIFE soll es Versicherern und Banken ermöglichen, „nahtlose, personalisierte Kundenreisen“ zu realisieren, ihre Omnichannel-Strategie zu managen und das Kundenerlebnis zu verbessern.

Der Trend zur Plattform wird immer offensichtlicher. Zuletzt zeigte der Branchenprimus Allianz mit Iconic Finance, dass er darin die Zukunft der Versicherungsbranche sieht. Eventuell sollten die Blauen aus München aber noch einmal mit jemandem sprechen, der sich mit so etwas auskennt. Der stand in einem aktuellen Fall der Allianz Direct nicht unbedingt im Mittelpunkt, wie Versicherungswirtschaft-Redakteur Michael Stanczyk kritisch analysierte.

Sollers ist für den Erfolg der eigenen Plattform zuversichtlich. „Mit RIFE unterstützen wir die Finanzindustrie dabei, kundenorientierter zu werden und einfache Produkte anzubieten“, erklärt Michal Trochimczuk, Managing Partner bei Sollers Consulting. Die Zukunft des Versicherungsvertriebs folge einem E-Commerce-ähnlichen Ansatz und drücke sich in einer personalisierten Kundenreise, Cross-Selling-Angeboten, intelligenten und betreuten Dienstleistungen wie einem Ökosystem aus mehreren Partnern aus.

Die genannte Flexibilität gegenüber dem Kunden ist heute nötig, darin waren sich alle Konferenzteilnehmer einig. „Neue Technologien eröffnen Chancen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette“, betonte Trochimczuk. Doch viele Versicherer könnten „aufgrund unflexibler Altsysteme“ oftmals nicht ihr wahres Potenzial entfalten“.

Einige Unternehmen können das aber sehr wohl, wie der Gastgeber mittels Verleihung des Preises für herausragende Leistungen im Bereich Digitalisierung betonte. Zurich Deutschland erhielt die Auszeichnung für die Pionierarbeit im Bereich der digitalen Transformation. Zudem wurde die agile Business Transformation von Axa Direct Japan als „erstklassige Umsetzung“ gewürdigt.

Warta, die polnische Talanx-Tochtergesellschaft, erhielt die Auszeichnung für „The Fastest Claims Transformation“ in einer komplexen Organisation. Last but not least nahm Beazley die Auszeichnung für die agile „Claims Transformation“ in Großbritannien entgegen, während Generali Polen für die erfolgreiche agile Transformation ihres Geschäfts und PZU als „Pionier der Transformation in Mittel- und Osteuropa“ geehrt wurden.

Große Lücken in Deckung und Digitalität

„Neue Produkte und Vertriebsansätze sollten auf völlig neuen Denkweisen über Angebote und Kunden basieren“, erklärte Trochimczuk auf der Konferenz. Das scheint nötig, denn es bestehe weltweit eine 1,2 Billionen US-Dollar große Deckungslücke zwischen versicherten und volkswirtschaftlichen Schäden. Die Versicherer müssten das Kundenvertrauen stärken. Damit hat der oberste Sollers-Mann sicherlich recht, denn ohne Vertrauen können die Versicherer keine Geschäfte machen, wie kürzlich am Beispiel Lebensversicherung aufgezeigt worden ist.

Trochimczuk ist also gedanklich auf dem richtigen Weg; die Innovation in Insurance wird auch im kommenden Jahr Wege aufzeigen, um mit „Markttrends und dem sich verändernden Branchenumfeld Schritt zu halten“. Das Event wird wohl noch jahrelang stattfinden, denn Digitalisierung ist ein langfristiger Prozess.

Autor: VW-Redaktion

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