Tarifverhandlungen: Wer geht in München als Sieger vom Platz?

Quelle: Bild von Iván Tamás auf Pixabay

Vor der heutigen dritten Runde der Tarifverhandlungen in München scheinen die Fronten zwischen den beiden Parteien augenscheinlich ziemlich verhärtet zu sein. So hat Verdi für heute zu weiteren Streiks – diesmal in der bayerischen Landeshauptstadt – aufgerufen. Der Arbeitgeberverband AGV zeigt sich indes unbeeindruckt.

„Wir erwarten, dass die Arbeitgeber das deutliche Signal der Beschäftigten verstanden haben und in der dritten Runde ein Angebot vorlegen, das den Namen Angebot tatsächlich verdient und über das verhandelt werden kann“, betonte Verdi-Verhandlungsführerin Martina Grundler im Vorfeld.

Dabei geben sich die Gewerkschafter weiterhin kampfeslustig und drohen gar mit einer Ausweitung der Streiks. „Wenn es in der morgigen Runde kein verhandlungsfähiges Angebot gibt, werden die Streiks im Dezember ausgeweitet. Das bisherige Angebot ist nicht verhandlungsfähig. Nach Abzug der Inflationsrate ist es eine Nullnummer“, so Grundler.

In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft bundesweit zu Streiks aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen begannen bereits im Oktober in Hannover, es folgten Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Düsseldorf, und Berlin, Münster und Kiel sowie Köln, Koblenz, Hamburg, Wiesbaden, Frankfurt und das Saarland.

Arbeitgeber zeigen sich unbeeindruckt

Der Arbeitgeberverband AGV zeigt sich indes unbeeindruckt. „Streik ist ein verfassungsrechtlich vorgesehenes und folglich legitimes Mittel zur gewerkschaftlichen Interessendurchsetzung. Voraussetzung ist eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen“, konstatiert der Verband gegenüber VWheute.

Die Auswirkungen der bisherigen Streikmaßnahmen scheinen jedenfalls überschaubar zu sein: „Bisher nimmt der AGV die Streikmaßnahmen als verhältnismäßig wahr. Die Streikbeteiligung ist in der Branche nicht besonders hoch. Die Mitarbeiter wissen um die wirtschaftlichen Herausforderungen für die Branche. Ein moderater Tarifabschluss wirkt beschäftigungssichernd. Und die Beschäftigungssicherung steht in bewegten Zeiten im Vordergrund, was natürlich im Interesse der Mitarbeiter ist.“

Auch die Gewerkschaftsforderungen nach einem neuen Angebot sehen die Arbeitgeber bislang gelassen: „Die Erfahrung zeigt, dass das erste Angebot eines Arbeitgeberverbandes nicht das letzte Angebot ist. Insofern ist die Erwartungshaltung von Verdi, ein verbessertes Angebot vom AGV zu erhalten, legitim. Voraussetzung für weitere Angebote ist freilich immer, dass die andere Seite den Verhandlungsraum mit dem erkennbar ernsthaften Willen betritt, in den Verhandlungen auch einen Abschluss erzielen zu wollen“, betont der AGV.

Kaum nennenswerte Fortschritte in den bisherigen Gesprächen

In den bisherigen Verhandlungsrunden konnten jedenfalls noch keine nennenswerten Fortschritte erzielt werden. So hatten die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde in Hannover ein erstes Angebot vorgelegt, welches eine lineare Anhebung der Tarifgehälter (einschließlich Tätigkeits- und Verantwortungszulagen) um 1,7 Prozent ab 1. Februar 2020, um weitere 1,2 Prozent ab 1. Februar 2021 und um weitere 1,1 Prozent ab 1. Februar 2022 vorsieht. Damit ergebe sich eine Anhebung des Tarifniveaus um 4,1 Prozent. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll 34 Monate – vom 1. September 2019 bis 30. Juni 2022 – betragen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lehnte das Angebot der Arbeitgeber jedoch kategorisch ab. „Das Angebot der Arbeitgeber ist nicht verhandlungsfähig und deutlich zu gering“, betonte Verdi-Verhandlungsführerin Martina Grundler. Die Arbeitgeber boten nach fünf Nullmonaten in drei Schritten 1,7 Prozent, 1,2 Prozent und 1,1 Prozent bei einer Laufzeit von 34 Monaten an. Umgerechnet auf die Laufzeit bedeutet dieses Angebot eine Erhöhung von durchschnittlich 1,18 Prozent pro Jahr für die Beschäftigten. Nach Abzug der Inflationsrate bewertet Verdi dies als „Nullnummer“.

Verdi fordert weiterhin eine Erhöhung der Gehälter um sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will Verdi eine neue Wahlmöglichkeit der Beschäftigten bei der Arbeitszeit durchsetzen. Sie sollen künftig Tariferhöhungen in zusätzliche freie Tage umwandeln können. Daneben stehen in dieser Tarifrunde für ver.di die unbefristete Übernahme der Auszubildenden und ein Rückkehrrecht auf Vollzeit für die heute tätigen Teilzeitbeschäftigten, die nicht unter die neue Brückenteilzeit fallen, auf der Agenda.

Andreas Eurich, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes sagte bereits zu Beginn der ersten Verhandlungsrunde im September, die Höhe der Lohnforderung habe den AGV überrascht. Sie sei deutlich zu hoch und spiegele nicht die Rahmenbedingungen wider, in der sich die Branche befinde. Der Annäherungsprozess zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften werde schwierig, hieß es bereits damals in einer Stellungnahme des Verbandes.

Ob die Zeichen in den bevorstehenden Adventstagen auf Sturm stehen oder vorweihnachtliche Besinnlichkeit einkehrt, wird sich am Ende des heutigen Verhandlungstages herausstellen.

Autor: VW-Redaktion

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