Bewegtes erstes Jahr: Allianz Direct zwischen „fassungslosen Kunden“ und „Stolz auf das Erreichte“

Zentrale der Allianz Direct. Quelle: Allianz Direct.

Allianz Direct feiert einjähriges Jubiläum – längst nicht alles lief im Gründungsjahr reibungslos. Die Transformation der Marke Allsecur war schwierig. Weiterhin finden sich noch kritische Stimmen zum europaweiten Direktversicherer der Münchener. Das Unternehmen selbst zieht eine positive Bilanz und ist „stolz auf das Erreichte“.

Der Direktversicherer möchte anders sein als der große, routinierte Bruder aus München. Das betrifft sowohl das eigene Auftreten wie auch die Werbung, bereits mehrmals setzt das Unternehmen auf Witz und den Athleten Usain Bolt.

Quelle: Allianz Direct

Zu Beginn war das Unternehmen allerdings vielleicht zu schnell. Der Wechsel von Allsecur in Allianz Direct misslang, die Kunden schäumten. Doch mittlerweile sei das alles gelöst, erklärt der Direktversicherer auf Nachfrage. „Die Herausforderungen von Januar konnten wir bereits nach kurzer Zeit lösen […]“. So habe das Unternehmen beispielsweise die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) „gemeinsam mit den Kunden vereinfacht, um einen „hervorragenden Kundenservice zu bieten“.

Alles scheint allerdings noch nicht rundzulaufen, auf dem Unternehmens-Bewertungsportal Trustpilot finden sich auch aktuell noch immer negative Bewertungen zu AD. So schreibt ein User: „Ich bin fassungslos, was die Allianz Direct betrifft. Wir mussten uns einen Anwalt nehmen, um zu unserem Recht zu kommen.[…] Der Kundenservice ist sehr, sehr schlecht zu erreichen und mit sehr wenig Kompetenz ausgestattet. Allerdings glaube ich, dass dies nicht an den Mitarbeitern liegt, sondern eher an der Organisation.“

Insgesamt hat die Allianz Direct einen recht guten Score auf Trustpilot, 3,9 von 5,0 Punkten. Es fällt auf, dass die Meinungen weit mehrheitlich hervorragend oder ungenügend sind, es gibt wenig dazwischen.

Quelle Trustpilot. Bewertung von Allianz Direct vom 1. Oktober 2020.

Zu viel Kfz?

Zum Start des Unternehmens kam die Kritik auf, dass sich die AD zu sehr auf die Kfz-Versicherung konzentriert habe. Das weist das Unternehmen von sich, der Fokus sei „bewusst gewählt“ gewesen.

Für die kommende Wechselsaison in Deutschland soll wiederum Usain Bolt den nötigen Zug in die Kampagne bringen.

Darüber hinaus sind weitere Produkte geplant. So wurde beispielsweise Ende September die neue Haus- und Haftpflichtversicherung in den Niederlanden eingeführt.

Spielverderber Corona

Das Auslandsgeschäft ist ein weiterer wunder Punkt. Wegen Corona musste der Markteintritt in Italien und Spanien um mehrere Monate verschoben werden, in Italien sollte es im Oktober losgehen. Das Unternehmen sieht sich auf Kurs: „In diesem Quartal führen wir eine private Haft- und Hausratversicherung in Deutschland ein. Im Bereich Kfz-Versicherung soll der Markteintritt in Italien ebenfalls in diesem Quartal erfolgen, Spanien folgt im 1. Quartal 2021. Darüber hinaus sind weitere Expansionsschritte sowohl bei der Anzahl der Produkte als auch bei weiteren Ländern in Sicht.“ Möglich werden schnelle Produktschritte dadurch, dass 92 Prozent der Produkte in den verschiedenen Märkten identisch sind, die restlichen acht Prozent sind „marktspezifisch“.

Bart Schlatmann, CEO der Allianz Direct

Zum Jubiläum bietet das Unternehmen bis zu 300 Euro Weiterempfehlungsprämie. Ein Dankeschön an die Kunden, wie CEO Bart Schlatmann erklärt: „Wir stellen ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt unseres Handelns. Deshalb entwickeln wir unsere Produkte und Dienstleistungen gemeinsam mit unseren Kunden und nutzen ihr Feedback, um unseren Service täglich zu verbessern.“

Was bleibt nach einem Jahr Allianz Direct? Aus Unternehmenssicht überwiegt das Positive: „Wir können sehr stolz sein, auf das, was wir erreicht haben […]. Wir haben innerhalb von 300 Tagen eine europäische IT-Plattform eingeführt. Zudem haben wir einen einheitlichen Markenauftritt sowie harmonisierte Prozesse und Produkte und einen exzellenter Serviceanspruch umgesetzt.“

Der Ansatz der AD entspricht dem Versicherungsbild des CEO Oliver Bäte, schnell, digital und (fast) einheitlich – wie er sich seinen Vorstand wünscht, wurde im SCHLAGLICHT analysiert.

Bei der Umsetzung entsprechend Bätes Vision ist die AD auf einem guten Weg, wenn auch andere Unternehmen wie die HUK bereits länger auf dem Direktversicherungspfad wandeln. Ob der Weg der AD zum Erfolg führt, ist letztlich von den Kundenmeinungen abhängig.

Anmerkung der Redaktion: Im Text wurde fälschlicherweise einmal Frankreich als Markteintrittsland genannt, es sind aber Spanien und Italien. Der Fehler wurde korrigiert.

Autor: Maximilian Volz