Aktuare erwarten weitere kurzfristige Preisanpassungen

Die Aktuare der DAV sehen gravierende Auswirkungen der Inflation in Deutschland auf die Versicherungsbranche. Bildquelle: Oleg Gamulinskiy/Pixabay

Die Inflationsrate ist im Jahr 2022 auf ein Rekordhoch von 7,9 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegen die Gründe vor allem in den hohen Preisen für Energie und Lebensmittel. DAV-Chef Herbert Schneidemann warnt vor einem „gravierenden Einfluss auf das Versicherungsgeschäft“.

So hätten die „krisen- und kriegsbedingten Sondereffekte wie Lieferengpässe und deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen“ das gesamte Jahr geprägt, konstatieren die Statistiker. Dabei sei der höchste Wert im Jahresverlauf im Oktober 2022 mit einer Inflationsrate von 10,4 Prozent gemessen worden.

Nach Einschätzung der Aktuare von der DAV haben die gestiegenen Preise auch Auswirkungen auf die Versicherungsbranche. Demnach seien beispielsweise spürbare Kostensteigerungen in der Schadenregulierung von Versicherern zu beobachten, die wiederum zu höheren Beiträgen führen werden oder bereits geführt hätten.

„So haben viele zum Jahreswechsel die ersten Auswirkungen in Form von gestiegenen Beiträgen zur Kfz-Versicherung bemerkt“, erklärt Herbert Schneidemann. Die Aktuare rechnen mit weiteren kurzfristigen Preisanpassungen aufgrund der schnell gestiegenen und weiter steigenden Schadenkosten, die wesentlich von der extremen Erzeugerpreisinflation gespeist würden.

Das wiederum könne auch Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten haben. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, versucht Ausgaben zu kürzen. „Wir gehen davon aus, dass mancher Versicherungsnehmer aus Kostengründen auch auf sinnvolle Absicherungen verzichten wird“, prognostiziert der DAV-Vorsitzende.

In der Lebensversicherung habe die Entwicklung des vergangenen Jahres allerdings auch positive Effekte mit sich gebracht. So hätten sich durch die mit der Inflation einhergehenden gestiegenen Zinsen die Ertragsaussichten in der Kapitalanlage, insbesondere der Lebensversicherer, verbessert. Demnach sorgten gestiegene Überschussbeteiligungen bei einigen Anbietern im Markt in den letzten Wochen für Schlagzeilen.

„Im Marktdurchschnitt deutlich steigende Überschussbeteiligungen sind für den Großteil der Branche dennoch erst mittelfristig zu erwarten. Denn nur die Neuanlage kann von dem attraktiveren Zinsumfeld profitieren. Da viele Versicherer noch einen großen Teil an lange laufenden und im Niedrigzinsumfeld erworbenen Anleihen halten, können sie erst sukzessive daran teilhaben“, erläutert Schneidemann.

In der PKV seien zusätzliche beitragserhöhende Effekte aufgrund der Auswirkung der gestiegenen Inflation auf die Preise hingegen erst für die Jahre 2024 und folgende zu erwarten, so die Aktuare weiter. Allerdings könnte das gestiegene Zinsniveau mittelfristig auch zu einem gegenläufigen, entlastenden Effekt führen. „Das heißt, dass sich die Folgen der Inflation bei den privaten Krankenversicherungen erst noch zeigen werden“, konstatiert der DAV-Chef.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Wobei man ja zu Gunsten der Lebensversicherung sagen muss, dass schon in der Vergangenheit die Gesamtverzinsung (aus Garantiezins, laufender ÜB und Schlussüberschüssen) deutlich über den Zinsen für sonstige sichere, schwankungsarme Kapitalanlagen lagen – damit dürften auch nur langsam steigende Überschüsse für den Kunden zu verschmerzen sein.

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