Schadenmanagement: “Kein Versicherer hat eine ganzheitliche Strategie”

In Deutschland und Europa fallen (und treten ab) die Aufseher. Quelle: Bild von Pexels auf Pixabay

Die Schadenregulierung soll total digital werden. Der Weg  für die Versicherer ist noch weit, wie ein Kongress zeigt. Nach der Studie „Insurance Schadenmanagement 2021“ ist eine ganzheitliche Schadenstrategie bei den meisten Versicherern nicht vorhanden.

Für eine gewinnbringende Nutzung von Daten im Schadenprozess fehlt es noch an einem integrierten und vollumfänglichen Datenmanagement. „Nur zehn Prozent der befragten Versicherer verfügen über eine langfristige Schadenstrategie mit festen Budgets“, sagte Michael Rodenberg, Geschäftsführer des Dienstleisters Eucon bei der Studien-Vorstellung auf dem Online-Kongress „Aktives Schadenmanagement 2021“, das das Businessforums21 veranstaltete.

Digitaler präventiver Service wären bei 48 Prozent der Befragten zwar vorhanden, in der Regel aber nur partiell. 93 Prozent der befragten Versicherer nutzen externe Dienstleister. Stets wären mehrere Unternehmen involviert. Eine zentrale Steuerung gäbe es aber meist nicht. Laut Website kooperiert Eucon mit 29 deutschen Versicherern. Rund 1,5 Millionen Schäden, vor allem in der Kfz- und der Gebäude-Versicherung würden jährlich für die Assekuranzen betreut. „Eine volle Schadenregulierung, die durchaus möglich ist, gibt es bisher mit keiner Assekuranz“, erklärt Rodenberg.

Der Weg ist da

Eine solche bietet hingegen die 3C Deutschland GmbH den Assekuranzen an. Das Unternehmen gehört zur Arvato infoscore, das für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das Hinweis- und Informationssystem (HIS) betreibt und ist Spezialist für die Betrugserkennung. 3C-Geschäftsführer Björn Hinrichs dokumentiert einen Kfz-Standardschadenfall, der über das Online-Portal abgewickelt werden kann. „Der Schaden konnte in nur drei Werktagen erledigt werden“, so Hinrichs. Im konkreten Fall sparte der Versicherer durch die Einschaltung des Dienstleisters 1.422 Euro. Das System, das auf Basis künstlicher Intelligenz jeden Kostenvoranschlag und jedes Sachverständigengutachten prüft, stellte Ungereimtheiten fest. Der beauftragte Sachverständige konnte dann ermitteln, dass schon lackierte Fahrzeugteile nochmals lackiert worden waren.

 „Mehrere 100.000“ Fälle von Betrug bei der Schadenregulierung will 3C für die Versicherer jährlich erkennen. Im Schnitt soll aber laut Hinrichs die Ersparnis bei rund 150 Euro liegen. Das System erlaube es aber, medienbruchfrei Kfz-Schäden zu regulieren. „Wir können jeden Versicherer innerhalb von zwei Monaten anbinden“, so Hinrichs. Derzeit kooperiert das Unternehmen mit 16 deutschen Versicherern. Schadentracking für die Kunden, Schadenanalyse via Videotelefonie oder per Drohnen aus der Luft sind innovative Techniken, die die Versicherungskammer Bayern künftig im Unternehmen einsetzen will. Das Schadentracking ist in der Kfz-Versicherung derzeit schon im Rollout, wie Dr. Thomas Rodewis, Leiter Digitalisierung und Digitale Innovation bei der Versicherungskammer Bayern (VKB) erläuterte. Der Statustracker ist seit Mitte Dezember 2020 aktiv. Bei Erstkontakt erhalten die Kunden automatisch das Angebot, den Statustracker zu nutzen, sofern ihre Kontaktdaten – E-Mail-Adresse oder Mobilnummer – und die entsprechende Einwilligungserklärung zu deren Verwendung vorliegen. Die Kunden können sich daraufhin entscheiden, ob sie aktiv via Push-Meldung über Statusänderungen informiert werden möchten oder sich lieber selbst anhand eines Tracking-Links informieren.

Die Eventpunkte für Statusaktualisierungen sind beispielsweise Schadenanlage, -zahlung und -abschluss oder die Beauftragung einer Werkstatt oder eines Gutachters. Das System werde intensiv und mit steigender Tendenz genutzt. „Wir bekommen von unseren Kunden sehr positive Rückmeldungen dazu“, heißt es bei der VKB. Das Schadentracking, das an das typische Tracking von Internetshops angelehnt ist, soll die Kundenbindung an den Versicherer erhöhen. Viel Sparpotenzial verspricht sich Rodewise durch den Einsatz von Drohnen. „Wir haben beispielsweise viele Kirchen versichert und können nun die Schadenaufnahme per Drohnenflug machen und genau und sofort bestimmen, was repariert werden soll. Dabei kann ein 3-D-Bild erstellt werden“, erläuterte der Versicherungsmanager. So könne auch etwa nach Sturmereignissen entschieden werden, bei welchen Objekten schnelle Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind.

Die VKB kooperiert seit 2019 mit dem Start-up FairFleet GmbH. Die Kunden – also Versicherter und Makler – würden bei einem Drohnenflug stets eingebunden, heißt es bei der VKB.

Autor: Uwe-Schmidt Kasparek