Streit wegen Solvency II: Insurance Europe greift EIOPA hart an

Bildquelle: NakNakNak/ Pixabay

Die europäischen Versicherer sind unzufrieden mit der Aufsicht. Der Interessenverband Insurance Europe hat gemeinsam mit anderen Finanzverbänden einen gesalzenen Brief an die EU geschrieben, indem sie die Vorstellungen der Aufsicht zur Solvency II Review harsch kritisieren. Es wird schweres Geschütz aufgefahren. Das Vorgehen würde die Durchführung der Kapitalmarktunion gefährden.

Der Brief ist in seiner Aussage deutlich. Der Ansatz von EIOPA und ESRB (European Systemic Risk Board) beim Solvency II Review wird abgelehnt. Die  (kritische) Einschätzung der Aufseher und die daraus resultierenden Vorschläge  zum europäischen Aufsichtsregime würden die Möglichkeiten der Versicherer beschneiden, den von der EU-Kommission propagierten “Green Deal” mitzutragen. Zudem gefährden sie laut dem Brief die Realisierung der Kapitalmarktunion, meldet das berichtende Medium institutional-money.

Der Hintergrund des Briefes ist, dass EIOPA derzeit an ihrem Schlussbericht an die EU-Kommission über den Review arbeitet, wie VWheute berichtete. Woher die Branche von den EIOPA-Plänen weiß, bleibt ungenannt.

Schwankende Solvenzquoten

Die Pläne der Aufsichtsbehörde EIOPA würden zu “signifikant höheren Kapitalunterlegungen bei den Versicherern führen”. Das hätte zur Folge, dass deren Solvenzquoten “speziell in Krisenzeiten” deutlich kräftiger schwanken würden. Zudem würde die Umsetzung die Versicherer zu einem “stärker prozyklischen Handel” treiben. Gleichzeitig würde der ESRB-Vorschläge für “makroprudentielle Tools und Kennzahlen” auflegen, die in den Häusern für „unnötige zusätzliche Kapital- und operationale Bürden“ sorgen. Die Folge wären Schwierigkeiten bei Langfristinvestments. Diese wären allerdings nötig, um zur kontinentalen Wirtschaftserholung beizutragen.

So schlägt Insurance Europe gemeinsam mit den anderen Verfassern – The Pan-European Insurance Forum, The CFO Forum, The CRO Forum, The Association of Mutual Insurers and Insurance Cooperatives in Europe – eine Verbesserung der aktuellen Aufsichtsinstrumente vor, um das “langfristige Geschäftsmodell der Branche widerzuspiegeln, künstliche Volatilität abzuschwächen und unnötige operationale Bürden abzubauen”.

Das würde laut den Verfassern unnötige Kosten vermeiden, die zu Lasten der Versicherten gingen. Gleichzeitig versichern die Verfasser, die EU-Kommission bei der “Erreichung der Ziele zur Finanzierung des Green Deals” und dem “Ausbau der Kapitalmarktunion” zu unterstützen. 

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Dr. Andreas Billmeyer

    Absolut richtig, viele Ansätze der EIOPA im Review sind ja bekannt und erhöhen sämtlich die Komplexität und erhöhen die Kapitalanforderungen. Entlastung bringt eigentlich nur das leichte “Fade-out” der aber an sich schon fragwürdig hohen Risikomarge (als künstliche Passiva-Position, der kein Zahlungsfluss gegenübersteht). Zinsrisiko wird völlig unnötig verschärft (Bargeld verursacht keine Negativzinsen), Volatilitätsanpassung wird verkompliziert und die Ungleichbehandlung zu den internen Modellen weiter aufrecht erhalten. Immobilien und Aktien sind nach wie vor einerseits zu sehr mit SCR belastet und andererseits werden deren höhere Risikoprämien nicht als Aufschlag in der Zinskurve erfasst!

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