MRH Trowe-Vorstand Marco Gerhardt: „Rollenklischees müssen überwunden werden, damit echte Diversität möglich wird“

"Gender Diversity stellt für die Versicherungsbranche eine große Herausforderung dar", glaubt Marco Gerhardt. Quelle: Bild von truthseeker08 auf Pixabay

„Wir brauchen diverse Management-Teams mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen, genau das wird uns besser und erfolgreicher machen“, sagte jüngst die designierte Ergo-Personalvorständin Lena Lindemann im VersicherungswirtschaftCLUB. Und dennoch: „Auf dem prestigeträchtigen Kerngebiet des Versicherungsgeschäfts, dem Vertrieb, bleibt die Branche hartnäckig eine homogene Männerbastion. Um eine Balance und echte Diversität auf allen Positionen herzustellen, muss das Bild vom Versicherungsmakler modernisiert werden“, konstatiert Marco Gerhardt, Vorstand bei MRH Trowe und verantwortlich für HR.

„Denn die Art und Weise, wie Verträge abgeschlossen und Mandanten beraten werden, wurde von Männern geprägt. Das hat sich seit Jahren kaum verändert. An diesem Punkt gilt es anzusetzen, wenn Unternehmen Diversity & Inclusion ernst nehmen. Homogene Gruppen treffen vielleicht schneller und leichter Entscheidungen, weil sie ohnehin einer Meinung sind. Aber erst die Vielfalt an Meinungen und Arbeitsweisen bringt neue Impulse und damit nachhaltige wirtschaftliche Erfolge“, betont der Versicherungsmanager in einem Kommentar.

„Während im klassischen Innendienst in vielen Unternehmen, so auch bei MRH Trowe, rund 20 bis 30 Prozent mehr Frauen tätig sind, kehrt sich das Verhältnis in den Positionen mit Vertriebsauftrag oder Kundenverantwortung wie Risk Consulting oder auch Client Executives um. In diesen Positionen sind bis zu 80 Prozent Männer beschäftigt. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch bei Bewerbungseingängen auf die jeweiligen Funktionen wider.“

Marco Gerhardt, Vorstand bei MRH Trowe und verantwortlich für HR

„Um mehr Frauen den Weg in Fach- und Führungspositionen zu erleichtern, reicht es nicht, allein für familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu sorgen. Vertrauensarbeitszeit und mobiles Arbeiten sind wichtig und vor allem zeitgemäß, reduzieren aber nicht das Problem der unbewussten Vorurteile und tradierten Rollenklischees“, fordert Gerhardt.

Auch BWV-Geschäftsführerin Katharina Höhn sah jüngst im VersicherungswirtschaftCLUB noch große Probleme vor allem im Vertrieb. Frauen meiden den Vertrieb nicht, weil sie nicht verkaufen können, sondern weil das Umfeld abschreckt. „Wenn man den Sportwagen als Incentive anbietet, dann hat man eben entsprechende Menschen da. Dabei würden Frauen dem Vertrieb sehr guttun.“ Dem stimmte Lindemann zu: „Wir wollen Frauen nicht nur für den Vertrieb begeistern, sondern auch die Bedenken bezüglich des Umfelds überwinden.“

Dass es einen Frauenmangel gibt, wird auch durch sexistische Aussagen befördert, wie es zuletzt Aviva-Chefin Amanda Blanc widerfuhr, VWheute berichtete. Wie ist die Situation in Deutschland? Solche offensichtlichen Angriffe gebe es zwar nicht, aber der unterschwellige Sexismus ist für Marco Adelt ohnehin schlimmer. „Wenn man auf unsere Branche schaut, die ist hochgradig sexistisch. Auf der Maklermesse sehen wir das typische Bild: Sportwagen und Hostessen. Wenn man jungen Menschen, ob Mann oder Frau, heute den Auftrag gibt, eine Vertriebsmesse zu organisieren, dann würde diese ganz anders aussehen.“

Dabei scheint das Bewusstsein für Diversität in der Versicherungsbranche augenscheinlich durchaus vorhanden zu sein. „Mittlerweile kommen auch Bewerber aus ganz anderen Branchen zu uns, von Louis Vuitton oder Apple, da fragen nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, wie ernst wir das Thema Diversity nehmen“, betont Allianz-CEO Oliver Bäte bereits vor einem Jahr im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital.

„Meinetwegen kann der nächste Allianz-CEO eine Frau sein.“

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE

Zudem habe ihm „mal eine sehr schlaue Frau gesagt: Hast du drei Frauen im Führungsteam, dann sind sie nicht mehr die Unterlegenen, und die Dynamik wird anders. Allianz und Telekom sind übrigens die ersten und einzigen Dax-Konzerne mit drei Frauen im Vorstand“. Denn: „Ohne Frauen in Führungspositionen hatte die Allianz einen echten Wettbewerbsnachteil“.

Autor: VW-Redaktion

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