Wegen Corona: US-Köche wetzen Messer gegen Versicherungsbranche

Englischer Koch gehen gegen Hiscox. Bild von iKlicK auf Pixabay

Die Todeszahlen in den USA sind mittlerweile fünfstellig, die Wirtschaft wankt und mittendrin kämpft die Versicherungswirtschaft an mehreren Fronten. Immer mehr Amerikaner bangen in Corona-Zeiten mehr denn je um ihren Versicherungsschutz, während renommierte Starköche die Versicherungsbranche als Bösewicht ausgemacht haben und die Messer schwingen.

Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit nehmen den Restaurants in den USA die Gäste, die Versicherungen lehnen eine Erstattung der Ausfallkosten ab. Hand hoch, wem das bekannt vorkommt. Hierzulande kam es zumindest in Bayern zu einer Einigung, in Amerika kämpfen nun Starköche gemeinsam gegen die Versicherungsbranche.

Mit Thomas Keller, Daniel Boulud, Wolfgang Puck, Jean-Georges Vongerichten, Jérôme Bocuse, und Dominique Crenn haben sich einige der renommiertesten Köche der USA vereint und wollen gegen die Branche vorgehen. Die Köche kämpfen für Bundeszuschüsse für Versicherungen, „die Betrieben auf Grund einer abgeschlossenen Betriebsunterbrechungsversicherung entschädigen müssen“, wie die Webseite Rolling Pin meldet. Das klingt für die Versicherer gut, doch die Köche haben noch einen zweiten Plan.

Unter dem Namen Business Interruption Group (BIG) möchten die streitlustigen Küchenchefs alle zahlungsverweigernden Versicherungen vor Gericht bringen. Wie schwierig die Lage für die Gastronomen in den USA ist, hat der Chef(koch) und Restaurantbesitzer David Chang kürzlich anschaulich in seinem Podcast beschrieben.

Wie groß das Problem ist, erklärt der Sternekoch Keller: „Die Gastronomie ist der größte private Arbeitgeber in den USA, mit mehr als 15 Millionen Angestellten und einen jährlichen Umsatz von über einer Trillion Dollar. Versicherungen müssen jetzt das notwendige tun, um Millionen an Jobs zu retten.“

Job weg, Versicherung weg

Die Wirtschaft in den USA wankt auch außerhalb der Gastronomie, das ist für die Amerikaner derzeit doppelt gefährlich. Einerseits gefährdet die Arbeitslosigkeit die wirtschaftliche Situation der Familien, auf der anderen Seite bedeutet der Jobverlust auch oft den Wegfall des Versicherungsschutzes. Eine gefährliche Situation.

In Amerika ist etwa die Hälfte der Versicherten über den Arbeitgeber versichert. Die staatliche Versicherung Medicaid sowie das vor zehn Jahren eingeführte und umstrittene Versicherungssystem Obamacare sollen Einkommensschwachen helfen, doch die Systeme stoßen offenbar an ihre Grenzen.

Das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsinstitut Economic Policy Institute hat errechnet, „dass rund 3,5 Millionen Menschen wegen Entlassungen in der zweiten Märzhälfte ihre Krankenversicherung verloren haben“, wie die Sächsische Zeitung meldet.

Wer seinen Versicherungsschutz vom Arbeitgeber verliert, kann die Prämien selbst bezahlen oder mit Hilfe der von Obamacare eingerichteten Versicherungsbörsen eine Police kaufen. Der Staat unterstützt Geringverdienern mit der Erstattung eines Teils der Prämien. Wer als berechtigt für einen Zuschuss gilt, entscheidet der Bundessstaat, oft ist es in demokratisch geführten Staaten einfacher als in republikanischen, an Unterstützung zu kommen.

Autor: VW-Redaktion

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