GDV-Chefvolkswirt: „Teile der Produktionskapazitäten könnten trotz staatlicher Hilfe unwiederbringlich verloren gehen“

Dewald Van Rensburg auf Pixabay

Während einer Krise schaut der Mensch auf das Jetzt – es ist eben nicht weise den Kellerausbau zu planen, während gerade der Dachstuhl brennt.  Dennoch ist es sinnvoll, wenn dafür geeignete Menschen bereits die Nachkrisenzeit prognostizieren und Vorschläge unterbreiten. Genau das hat Chefsvolkswirt Klaus Wiener getan und kommt zu harten Schlüssen.

Trotz schrittweiser Lockerungen der Corona-Beschränkungen wird die deutsche Wirtschaft erst im nächsten Jahr ihre Kraft wieder voll ausschöpfen können, glaubt Herr Wiener. Abgehakt sei die Pandemie aber selbst dann nicht, sie hinterlasse „langfristige Spuren“.

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Assekuranz erst im kommenden Jahr wieder auf vollen Touren laufen. Zwar deuteten die Infektionszahlen darauf hin, dass die sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen wirken. Ein rasches „Hochfahren“ der Wirtschaft berge jedoch die Gefahr, dass sich das Virus erneut ausbreitet, urteilt Herr Wiener. Die Wirtschaft werde sich nur langsam beleben, eine Normalisierung dürfte sich „erst 2021“ einstellen.

Es geht nach unten, wirtschaftliche Struktur verändert sich

In diesem Jahr schlittert Deutschland unweigerlich in eine „tiefe Rezession“. Das genaue Ausmaß sei wegen des unklaren Verlaufs der Pandemie schwer abzuschätzen, erklärt Herr Wiener. Es scheine aber sehr wahrscheinlich, dass der Einbruch größer ausfallen werde als 2009, als die Wirtschaftsleistung infolge der Finanzkrise um knapp sechs Prozent sank. Der Internationale Währungsfonds IWF erwartet für Deutschland einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um sieben Prozent in diesem Jahr.

Die Folgen der Krise  sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig absehbar,  es zeichnen sich nach Ansicht von Herr Wiener aber bereits erste strukturelle Änderungen: „Teile der Produktionskapazitäten könnten trotz staatlicher Hilfe unwiederbringlich verloren gehen.“

Die Corona-Krise werde auch die Digitalisierung beschleunigen. „Die Vorteile des digitalen Wandels sind in der Krise klar zu Tage getreten. Sie deckt aber auch die noch bestehenden Schwächen auf, etwa in der Netzinfrastruktur oder den Unterschriftserfordernissen.“ Bundesregierung und EU-Kommission sollten daher ihre digitale Agenda „schneller vorantreiben“.

Protektionismus in Sicht?

Der GDV-Chefvolkswirt befürchtet als Folge der Pandemie auf staatlicher Ebene mehr Protektionismus, der über die Versorgung mit Medikamenten oder medizinischer Schutzausrüstung hinausgeht. „Für die Weltwirtschaft insgesamt würde dies eine Phase geringeren Wachstums bedeuten“, lautet die Einschätzung von Herr Wiener.

Dafür spreche, dass der in Teilen erforderliche wirtschaftliche Neustart „stärker mit dem ökologischen Umbau verknüpft werden soll“ – wie es die Europäische Kommission bereits signalisiert hat. „Mit Blick auf den Klimawandel ist das zu begrüßen. Die Anpassungen hin zu einer kohlenstoffärmeren Produktion werde aber „zumindest zeitweise“ Wachstum kosten, schließt Herr Wiener.

Die Aussagen von Herr Wiener sind Teil von Makro und Märkte kompakt des GDV, dass Sie HIER einsehen und downloaden können.

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