Kleinlein: „Versicherer sind keine Partner der Kunden“

Axel Kleinlein. Quelle: BdV

Timing ist alles: Diese Woche präsentierte der GDV seine Zahlen für 2019, einen Tag später sprach Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV) mit VWheute über jene Ergebnisse und die Lebensversicherung im Allgemeinen. Woher die vielen Einmalzahlungen in der Altersvorsorge kommen, kann sich der Versicherungsmathematiker nicht erklären, doch sein Problem mit der Branche ist ein ganz anderes.

Im langen Gespräch mit Kleinlein wird klar, was den Mann, der bei der Allianz sein Handwerk lernte und ausübte, bewegt und umtreibt. Es ist die aus seiner Sicht „Unredlichkeit“ der LV-Branche, die ihn ärgert. Die Versicherer würden sich als Partner der Kunden präsentieren, aber letztlich mit diesen über das eingezahlte Geld streiten. Ihn ärgere, dass sich Unternehmen wie die Generali als „lebenslange Partner“ präsentieren aber dann „tausende LV-Verträge an einen Dritten verkaufen“.

GDV und SPD

Am Mittwoch präsentierte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Zahlen für das abgelaufene Jahr. In der Lebensversicherung stieg das Neugeschäft gegen laufenden Beitrag um 10,1 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro, das Eimalbeitragsgeschäft um 36 Prozent.

Woher die Fülle an Einmalbeiträge kommen, kann sich nicht nur der GDV, sondern auch Herr Kleinlein nicht erklären. „Ich kann nur vermuten, dass das Menschen sind, die schon viel Geld haben, aber keine Strafzinsen zahlen wollen.“ Er könne sich vorstellen, dass viele der Zahlungen aus dem Ausland kommen, erklärte er auf die entsprechende Frage.

Als zynisch bezeichnete er die Aussage des GDV, dass das Jahr 2019 „ausgesprochen zufriedenstellend“ verlaufen sei. Für die Unternehmen sei das Ergebnis gut, für die Kunden schlecht. Dennoch sieht er einige Unternehmen „kurz vorm Absturz“.

SPD entscheidet über den Deckel

Noch in diesem Jahr wird der Provisionsdeckel kommen, glaubt Kleinlein. Allerdings nur in der Restschuldversicherung, in der LV würde es davon abhängen, ob die SPD „Farbe bekennt“.

Wenn der Provisionsdeckel im der LV komme, sieht er die Vermittler als Leidtragende. Für die wäre eine solche Lösung „nicht glücklich“, für die Versicherer wäre es eine Chance, „große Teile ihres teuren Vertriebs abzustoßen“.

Er wolle keine „moralische Keule“ gegen die Vermittler schwingen, erklärt der Verbraucherschützer, aber der Interessenskonflikt zwischen guter Beratung und Provision müsse beseitigt werden, das scheibt auch die EU vor. Das Hauptproblem in der LV, wie auch der Riester-Rente, wären die „schlechten Produkte der Unternehmen“.

Ob Herr Kleinlein an weitere Run-Offs im laufenden Jahr glaubt, warum Intransparenz eine Absatzchance sei und ob die Zinszusatzreserve verändert gehört, können Sie in Bälde auf VWheute lesen.

Autor: Maximilian Volz

4 Kommentare

  • Hubert Gierhartz

    Wie glaubhaft ist ein Verbraucherschützer, der behauptet “ Versicherer sind keine Partner der Kunden“ aber selbst über seine 100 % Tochterfirma die BdV Service GmbH als Versicherungsvertreter tätig ist.
    Wie glaubhaft ist ein Verbraucherschützer dessen 100 % Tochterfirma die BdV Service GmbH die eine in der Versicherungswirtschaft ungewöhnliche Verwaltungsgebühr von 6,00 pro Vertrag erhebt. Ach nein ,die Verwaltungsgebühr ist mal eben auf 8.00 € erhöht worden. Das sind satte 33 %.
    Wie glaubhaft ist ein Verbraucherschützer der weitere 8.00 € Verwaltungsgebühr aktiviert, wenn in der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung der Einschluss von Elementarschäden gewünscht wird.

  • Hubert Gierhartz

    Warum ist mein Kommentar nicht mehr zu lesen ?

  • Maximilian Volz

    Sehr geehrter Herr Gierhartz,

    der Kommentar ist wieder online.

    Mit freundlichen Grüßen

    Redaktion

  • Antwort: Er ist sehr glaubhaft.
    Und das aus dem einfachen Grund, dass er im obigen Artikel in jedem Punkt Recht hat.

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