Kleinlein: „Ihre Aktienrente kann nur funktionieren, wenn Sie genügend Dumme finden“

Axel Kleinlein. Quelle: BdV

Als ehemaliger BdV-Vorstandssprecher hat Axel Kleinlein der Versicherungsbranche oftmals die Leviten gelesen. Auch nach seiner Zeit als Verbraucherschützer kann er mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg halten: „Die Aktienrente ist eine Mogelpackung“, bilanziert er nun in einem aktuellen Kommentar.

„Ihre ‚Aktienrente‘ kann aber eben nur dann funktionieren, wenn Sie genügend Dumme finden, die Ihnen für wenig Zinsen das notwendige Geld leihen. Sie brauchen Menschen, die so doof sind, nicht in die rentableren Anlagen zu gehen, auf die Sie selbst bei der ‚Aktienrente‘ setzen“, schreibt der Versicherungsmathematiker auf seiner Website.

Doch wo finde „man so viele dumme Menschen, die Ihnen Geld leihen? Direkt finden Sie die nicht“, so Kleinlein weiter. Daher brauche man die „‚institutionellen Anleger‘. Zum Beispiel leihen Ihnen Lebensversicherungsunternehmen viele Kundengelder gegen wenige Zinsen – im Namen der versicherten Kunden.“

„Klingt nach einer Mogelpackung – ist es auch. Ihre ‚Aktienrente‘ ist eigentlich eine Schuldenrente – mit allen Risiken.“ 

Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und ehemaliger Vorstandssprecher des BdV

Die Folge wäre, dass das Geld der Versicherungskunden dazu verwendet würde, „eine auf Hoffnung basierte Schuldenrente zu finanzieren – für den Preis einer schlechteren privaten Altersvorsorge.“ Oder anders gesagt: „Bei Ihrer Aktienrente wollen Sie sich Geld der Bürger gegen niedrige Zinsen leihen, so deren private Altersvorsorge schwächen, nur um darauf zu hoffen, dass Sie durch andere Kapitalanlagen etwas mehr Rendite machen und das dann als großartigen ‚Gewinn‘ großzügig an die Bürger als Beitragssenkung von 0,3 Prozent zu geben“, moniert Kleinlein.

Seine Forderung daher an die Ampelkoalition: „Bitte lernen Sie aus den bitteren Erfahrungen mit fremdfinanzierten Renten und lassen Sie die Finger von ihrem Konzept. Auch wenn Aktienrente draufsteht, ist es nur eine hochriskante Schuldenrente!“

Die Fokusgruppe private Altersvorsorge hatte die Idee eines staatlich organisierten Aktienfonds bereits im Rahmen ihres Abschlussberichtes im Sommer fallen lassen. Für Vermögensverwalter Fidelity International war das ein „herber Rückschlag für die Generationengerechtigkeit in unserem Land“. Allerdings handelt es sich dabei nur eine Empfehlung. Während die Versicherungsbranche die Idee einer staatlichen Aktienrente ohnehin als Wettbewerbsverzerrung empfand, hält die FDP dennoch an ihrem Projekt fest.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Wären die Vorsorgesparer schlauer oder nicht so ängstlich, würden sie ihr Geld doch selbst noch mehr in Aktien anlegen. Aber es wird immer genug geben, die dies nicht wollen, und es akzeptieren, niedrigverzinsliche Staatsanleihen dafür zu bekommen. Der Staat selbst muss es erst selbst auf dem Aktienmarkt riskieren.

    Damit steigt die Nachfrage nach Aktien, was die Kurse eher positiv beeinflusst. Es steigt aber auch das Angebot an niedrig verzinslichen Staatsanleihen, ohne dass deshalb unmittelbar mehr Anlagemittel zur Verfügung stehen – also werden die Zinsen dadurch wohl kaum sinken. Alle sollten davon profitieren.

    Selbst wenn man es als „Hedge Fonds“ bezeichnet – was soll denn daran schlecht sein? Mehr Chancen bei größerem Risiko propagieren ja auch sogar Lebensversicherer, nicht nur für eine Reform der Riesterrente.

    Kein Vorsorgesparer muss niedrigverzinslich etwa auch in Kapitalallebensversicherungen sparen – er kann auch selbst am Aktienmarkt investieren. Wenn er aber dafür zu ängstlich oder wirklich zu „dumm“ ist – warum sollen nicht andere dies für ihn mit seinem Geld tun?

    Unser Sozialstaat mit seiner Versicherungspflicht beruht ja doch auch darauf, dass man dem Bürger – zumindest den abhängig Beschäftigten – ganz realistisch nicht zutraut, selbst für sich genug vorzusorgen. Der Staat muss sich daher darum kümmern. Ihn dem Markt als Verbraucher zu überlassen und dort dann als solchen zu schützen, ist für den Sozial-Staat keine realistische Option. Er muss vielmehr bevormundet werden, um für ihn vorzusorgen.

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