Allianz versus Nürnberger: Welcher Fondstarif eignet sich am besten für die Altersvorsorge?

Bei der Tarifanalyse lassen sich die Fondstarife beispielsweise anhand der Kosten, Zusatzoptionen und der Solidität der Versicherer miteinander vergleichen. Bildquelle: Allianz (l.), Nürnberger

Der Musterkunde ist 35 Jahre alt, die Beitragszahlungsdauer (Aufschubzeit) beträgt 32 Jahre, der Beitrag liegt bei 200 Euro im Monat. Welche Rentenversicherung liefert das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Finanzberater Daniel Wenzel vergleicht dazu die Allianz Privatrente InvestFlex mit der Nürnberger fondsgebundene Privatrente.

Der demografische Wandel in Deutschland schreitet unvermindert fort. Das staatliche Rentensystem steht daher vor immer größeren Herausforderungen, das Rentenniveau auf einem ausreichend hohen Niveau zu halten. Von daher stellt sich auch nicht die Frage, ob man privat vorsorgt, sondern wie man es am besten anstellt. Ich bin überzeugt, dass eine optimale Altersvorsorgestrategie immer aus einem Mix aus mehreren Produktarten bestehen sollte. Neben dem Fonds- oder ETF-Sparplan ist die fondsgebundene Rentenversicherung ein wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzept der Altersvorsorgeberatung, ob als steuerlich geförderte Rürup-Variante oder aber als Privatvertrag. In diesem Beitrag werde ich zwei bekannte Rentenversicherungen miteinander vergleichen, nämlich die Allianz und die Nürnberger, in folgenden Tarifvarianten: Allianz Privatrente InvestFlex, Tarifbezeichnung RF1U und Nürnberger fondsgebundene Privatrente, Tarifbezeichnung NFX3200.

Die Parameter sehen wie folgt aus: Die Musterkundin ist 35 Jahre alt, die Beitragszahlungsdauer (Aufschubzeit) soll 32 Jahre betragen, der Beitrag beträgt 200 Euro pro Monat. Als hinterlegten Fonds habe ich – aufgrund seiner allgemeinen Bekanntheit – einen ETF auf den MSCI World genommen.
Oft werde ich gefragt, woran man eigentlich eine gute Rentenversicherung erkennt bzw. nach welchen Kriterien ich als Makler Vergleiche durchführe. Ich halte die folgenden Parameter für maßgeblich und werde sie daher auch in diesem Test als Vergleichsmaßstab heranziehen:

  • Produktkosten
  • Auswahl an Fonds
  • Solidität des Versicherers
  • Welche (sinnvollen) Zusatzoptionen werden angeboten?

Versicherungskosten:

Ein häufiger Kritikpunkt von Verbraucherschützern ist die zu hohe Kostenbelastung in Versicherungsprodukten. Auch wenn das für einige Versicherer nach wie vor zutrifft, so hat sich doch mittlerweile vieles zum Positiven gewendet. Die hier besprochenen Tarife sind beide als kostengünstig zu bezeichnen. Schauen wir uns hierzu die Kosten im Einzelnen an:

Beim Kostenvergleich geht die Nürnberger als klare Siegerin hervor. Insbesondere die sehr niedrigen Gammakosten von gerade mal 0,2 Prozent lassen selbst einige Nettopolicen ziemlich alt aussehen. Die Auswirkung der unterschiedlichen Kostenquoten zeigt sich entsprechend auch in den Hochrechnungen der beiden Versicherer: Bei einer jährlichen Wertentwicklungsannahme von sechs Prozent erhält die Musterkundin bei der Allianz eine Ablaufleistung von 174.737 Euro oder wahlweise eine lebenslange Rente von 637 Euro, bei der Nürnberger sind es hingegen 186.028 Euro oder 698 Euro Rente.

An dieser Stelle sei der wichtige Zusatz erwähnt, dass die Rentenhöhen stark davon abhängen, wie sich die Überschussbeteiligung in den nächsten Jahren entwickeln wird. Daher halte ich angegebene Rentenhöhen in den Hochrechnungen für ein nur bedingt geeignetes Vergleichskriterium.

Kommen wir nun zum nächsten Aspekt, nämlich der Fondsauswahl: Viele Versicherer haben in den letzten Jahren enorm aufgerüstet, was die Auswahl an Fonds angeht. Auch die immer beliebter werdenden ETFs sind mittlerweile bei den meisten Unternehmen fester Bestandteil im Sortiment. Und das ist auch gut so. Ich kann mich noch an meine Anfangszeit als Makler erinnern. Vor 12 Jahren hatten ETFs bei Weitem nicht den Stellenwert und die Popularität wie heute. Die Allianz hatte zu der Zeit gerade mal vier ETFs im Sortiment. Heute sieht das schon ganz anders aus. Insgesamt kann der Kunde oder die Kundin aus 104 Fonds auswählen, 26 davon sind ETFs und Indexfonds. Bei den Fonds sind viele bekannte dabei, sowohl aus dem Hause der Allianz als auch Fremdfonds. Individuelle Strategien können Kunden damit definitiv verwirklichen. Kunden und Kundinnen, die sich nicht selbst um die Auswahl kümmern möchten, haben die Möglichkeit, aus drei verschiedenen Anlagestrategien auszuwählen, die von der Allianz gemanagt werden. Wie sieht es nun bei der Nürnberger aus? Hier ist die Fondsauswahl deutlich kleiner – inklusive einer Anzahl von 16 passiven Investments stehen dem Kunden oder der Kundin 55 Investments zur Auswahl. Auch die Nürnberger bietet eine eigene Vermögensverwaltung für all diejenigen an, die keine eigene Zeit in die Fondsauswahl stecken möchten.

Solidität des Versicherers:

Versicherungsprodukte werden meist für einen sehr langen Zeitraum abgeschlossen. Daher stellt die Solidität und Finanzstärke eines Versicherers ein sehr wichtiges Kriterium dar. Sowohl die Nürnberger als auch die Allianz Lebensversicherung können starke Finanzkennzahlen und positive Ratings vorweisen. Die Solvenzquote(SCR) der Nürnberger lag im Jahr 2021 bei 465%, bei der Allianz lag sie bei 183 %. Beide Versicherer sind stark im Neugeschäft mit Fondspolicen. Wer auf einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und Marktführerschaft setzen will, ist natürlich bei der Allianz gut aufgehoben. Aber auch die Nürnberger ist aus meiner Sicht eine gute Wahl, wenn es um Sicherheit und Verlässlichkeit geht.

Sinnvolle Zusatzoptionen:

Neben hohen Kosten ist ein weiterer und häufig vorgebrachter Kritikpunkt an Versicherungsprodukten, dass sie unflexibel sind. Dass zumindest der erste Kritikpunkt – die hohen Kosten – auf die beiden hier getesteten Tarife nicht zutrifft – konnten wir bereits sehen. Wie ist es aber nun um die Flexibilität bestellt? Welche Zusatzoptionen bieten die Versicherer an? Wichtige Zusatzoptionen bei fondsgebundenen Tarifen, um als Kunde flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, sind aus meiner Erfahrung die folgenden:

  • Anpassungsmöglichkeiten der gewählten Investments
  • Ablaufmanagement und weitere Sicherungsoptionen

Beide Tarife lassen eine gleichzeitige Ansparung von bis zu zehn Fonds zu. Beim Tarif der Nürnberger können bis zu zwölfmal im Jahr die gewählten Fonds geändert werden, beim Tarif der Allianz ist keine Limitierung angegeben. Aus eigener Praxiserfahrung kann ich sagen, dass ich bisher noch keinen Kunden oder Kundin kennengelernt habe, die mehr als einmal pro Jahr einen Fondswechsel vorgenommen haben. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass man denn könnte, wenn man wollte. Ein Ablaufmanagement, bei dem der Versicherer automatisch VOR Rentenbeginn eine sukzessive Umschichtung in risikoärmere Investments vornimmt, ist mittlerweile Standard und ist dementsprechend auch in beiden hier vorgestellten Tarifen Bestandteil. Es kann 3 Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn aktiviert werden.

Ich halte diese Option für sehr sinnvoll, weil unvorhergesehene Ereignisse an den Kapitalmärkten oft zu starken Kurseinbrüchen führen und damit das bisherige Anlageergebnis erheblich reduzieren können. Passiert das kurz vor Rentenbeginn, gibt es für den Versicherten keine zweite Chance mehr. Darüber hinaus können in beiden Tarifen nachträgliche Garantielevels eingebaut werden, und zwar bis zu einer Höhe von 80 Prozent. Nachteil bei der Allianz: wer sich für diese Option entscheiden möchte, muss von Anfang an mit einem Garantielevel von mindestens zehn Prozent beginnen. Gerade bei langen Laufzeiten halte ich jedoch eine Garantie für ungeeignet, selbst wenn es nur zehn Prozent sind.

Fazit:

Sowohl Nürnberger als auch Allianz können mit ihren fondsgebundenen Rententarifen überzeugen. Die Fondsauswahl der Allianz ist mit über 100 Fonds mehr als ausreichend, sodass börseninteressierte Sparer hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Wer den Fokus besonders auf niedrige Kosten setzt, ist mit dem Tarif der Nürnberger besser bedient. Im hier dargestellten Musterangebot lag die Effektivkostenquote bei unter einem Prozent.

Autor: Daniel Wenzel, Bankbetriebswirt und Financial Planner aus Bensheim
https://daniel-wenzel.de/vorsorge/

Ein Kommentar

  • Danke für den Vergleich. Ein Ablaufmanagement halte ich für wenig sinnvoll, eher ist eine Höchststandsicherung zu empfehlen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das Geld aus dem Vertrag nicht auf einmal benötigt wird. Wenn es eher zu einem Teil oder nach und nach benötigt wird, ist die weitere Investition außerhalb von vermeintlich sicheren Anlagen, z.B. Geldmarktfonds, eher zu empfehlen. Auch eine regelmäßige Anpassung und Verteilung in verschiedene zeitlich strukturierte Anlagen ist denkbar. So eine Lösung ist zwar aufwändig, aber unter Rendite- und Risikoaspekten
    lukrativer.

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