MSK: „Ylenia“ und „Zeynep“ verursachen Schäden von fast 1,5 Mrd. Euro

USA dominieren Schadenstatistik im ersten Halbjahr 2022. Bildquelle: WikimediaImages auf Pixabay.

Die vergangenen Tage waren gleich in zweierlei Hinsicht stürmisch: Erst zog die Kaltfront des Sturmtiefs „Ylenia“ am Donnerstag über Deutschland hinweg. Nur einen Tag später folgte bereits Sturmtief „Zeynep“ dessen Spuren. Die Folge ist der bisher größte versicherte Schaden des Jahres 2022, sagen die Aktuare von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK).

„Für Deutschland gehen wir von versicherten Schäden von über 900 Mio. Euro aus“, sagt Onnen Siems, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) aus Köln. Neben Deutschland waren durch „Zeynep“ (internationaler Name „Eunice“) auch Großbritannien, die Niederlande und Belgien betroffen. „In Großbritannien war es der stärkste Sturm seit 1990, auf der Isle of Wight wurde ein neuer Landesrekord mit einer Spitzenböe von 196 km/h gemessen“, erklärt Siems.

Die Unternehmensberatung PwC UK beziffert den Versicherungsschaden durch Sachschäden, Geschäfts- und Reiseunterbrechungen nach „Eunice“ in Großbritannien auf eine Summe zwischen 200 und 350 Mio. Pfund. „Wie beim Sturm Dudley werden die Versicherungsschäden vor allem aus Schäden an Häusern, Gewerbeimmobilien und Fahrzeugen durch umstürzende Bäume und umherfliegende Trümmer bestehen“, wird Mohammad Khan, General Insurance Leader bei PwC UK, bei der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

In Deutschland liefert der Leuchtturm „Alte Weser“ mit 162 Kilometer pro Stunde den Spitzenreiter bei „Zeynep“. Verbunden waren die hohen Windgeschwindigkeiten mit Sturmfluten an der Nordsee, zum Beispiel mit einer „sehr schweren Sturmflut“ in Hamburg mit 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser. Das Zentrum des Sturmfelds lag im Norden Deutschlands. Südlich einer Linie von Saarbrücken bis Nürnberg waren die Auswirkungen gering. Zudem wurde der Bahnverkehr massiv eingeschränkt. So verzeichnete die Deutsche Bahn Sturmschäden auf rund 1.000 Streckenkilometern. Der Zugverkehr soll noch bis mindestens Montagnachmittag eingeschränkt bleiben.

„In Deutschland ist ‚Zeynep‘ der intensivste Sturm seit ‚Kyrill‘ 2007, der als erster Sturm der jüngeren Geschichte das gesamte Land mit hohen Windgeschwindigkeiten überzog und in heutigen Werten einen versicherten Schaden von mehr als drei Mrd. Euro verursachte. So teuer wird ‚Zeynep‘ nicht, aber in die Schadenregion von Sturm ‚Friederike‘ aus dem Jahr 2018 kann er kommen.“

Onnen Siems, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK)

„Zwar fiel ‚Friederike‘ vor vier Jahren in den Windstärken weniger intensiv als ‚Zeynep‘ aus, doch traf das Schadengeschehen damals einen Streifen in der Mitte Deutschlands mit seinem Zentrum in Nordrhein-Westfalen, wo eine hohe Wertekonzentration besteht. Der Schaden durch ‚Zeynep‘ kann sich dem von ‚Friederike‘ möglicherweise noch weiter annähern, abhängig z.B. von der Inflationsrate und Baupreissteigerungen“, erläutert Siems. Zum Vergleich: Sturmtief „Friederike“ verursachte 2018 Schäden von rund 1,2 Mrd. Euro.

Quelle: GDV (Stand: Februar 2020)

Etwas geringer dürfte hingegen nach den Berechnungen der Aktuare die Schadenbelastung durch „Ylenia“ ausfallen. „Wir schätzen den versicherten Schaden in Deutschland auf 500 Mio. Euro. Die Schadensumme verteilt sich durch das großflächige Ereignis gleichmäßiger im Markt und sollte keine Rückversicherungsprogramme betreffen. Eine Schadensumme dieser Größe kommt alle ein bis zwei Jahre vor. Weitere Länder wie Großbritannien, Dänemark und Polen sind zwar auch betroffen, die überwiegende Schadensumme in Europa dürfte aber aus Deutschland kommen“, erklärt MSK-Geschäftsführer Siems. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP sind bislang mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen.

Nahezu alle Regionen Deutschlands waren durch „Ylenia“ betroffen. An mehr als 345 Prozent der Stationen wurden Maximalböen von 100 km/h und mehr gemessen. Im Unterschied zu Sturm „Nadia“ im Januar 2022 waren dieses Mal wieder Bergstationen die Spitzenreiter, voran der Brocken mit 152 Kilometern pro Stunde. Ruhe dürfte allerdings erst am Dienstag einkehren: In der Nacht auf Montag fegte mit „Antonia“ das dritte Sturmtief in Folge über Deutschland hinweg. Daher dürften die Schäden für die Versicherer möglicherweise noch höher ausfallen.

Zuletzt hatte der Sturm „Nadia“ in Deutschland dreistellige Millionenkosten verursacht. Laut einer Aon-Rechnung waren diese mit 150 Mio. aber weitaus geringer als bei „Ylenia“. Sturmtief „Roxana“ verursachte zudem laut MSK Anfang Februar 2022 Schäden von rund 100 Mio. Euro.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • “ … an mehr als 345 % der Stationen … “ ist sicher ein Rekord für die Ewigkeit 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

5 + eins =