Hanse Merkur steigert Bruttobeiträge zweistellig – im Bereich Risiko und Altersvorsorge sogar um 66 Prozent

Zentrale der Hanse Merkur. Quelle: Unternehmen

Mit einer 145-jährigen Geschichte ist die Hanse Merkur unter den Versicherungsunternehmen schon eine ältere Dame – das hinderte sie aber nicht daran, die diesjährige Bilanz-Pressepressekonferenz als digitale Premiere zu gestalten. Auslöser war natürlich das Corona-Virus, das das Unternehmen seit Januar auf Trab hält.

 „Wir waren immer vier bis sechs Wochen vor der Zeit“, resümierte Vorstandschef Eberhard Sautter. Bereits in der dritten Januarwoche sah der Vorstand eine mögliche Pandemie kommen und stellte die Hanse Merkur auf Heimarbeitsfähigkeit um. Nicht zwingend notwendige Dienstreisen und interne Meetings wurden abgesagt und umfangreiche Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter ergriffen. Schließlich arbeiteten 900 von ihnen zuhause, wo sie sich in ein Zeiterfassungssystem einwählen können, 100 vor Ort. Mittlerweile sind wieder 300 Mitarbeiter ständig an ihrem Arbeitsplatz.  Mit Unterstützung des Betriebsrats wurde die Arbeitszeit flexibilisiert – man konnte auch am Wochenende arbeiten, die Arbeitszeit reichte von 6 bis 21 Uhr. Die Arbeit an Sonn- und Feiertagen wurden inzwischen wieder aufgehoben, aber Sautter ist sicher, dass der Wunsch der Beschäftigten nach mehr Flexibilisierung der Arbeit die aktuelle Krise überdauern und die zukünftige Arbeitswelt prägen wird.

Erfolgreicher Vertrieb

Sicher wird, so Sautter, 2020 nicht in allen Sparten so gut werden wie 2019 – „das beste Jahr der Unternehmensgeschichte“, wobei ihm bewusst war, dass das mittlerweile schon so etwas wie eine Standardeinleitung zu den Bilanzergebnissen geworden ist. Immerhin stiegen die Brutto-Beitragseinnahmen um 11,7 Prozent auf 2.288,4 Mio. Euro. In der Krankenversicherung lag der Marktanteil im Neugeschäft bei 12,0 Prozent, im Bestand bei 5,8 Prozent. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich um 6,0 Prozent auf 1.632 Mio. Euro. Die Zahl der Vollversicherten stieg um 7.700.

In Geschäftsfeld Risiko- und Altersvorsorge wuchsen die Beitragseinnahmen um 66,2 Prozent auf 355 Mio. Euro, wobei rund ein Drittel auf Einmalbeiträge entfällt. Sautter erklärte dies damit, dass Anleger insbesondere von Beträgen zwischen 30.000 und 200.000 Euro ihr Geld lieber so anlegen, statt Negativzinsen bei Banken in Kauf zu nehmen. Aus Sicht der Unternehmens ist dies verkraftbar, da die Garantiezinsen im Bestand ohnehin vergleichsweise niedrig seien, was auch auf Schwäche in den 90er Jahren zurückzuführen sei. Das Assetmanagement wurde kontinuierlich ausgebaut, die Aktienquote liegt aktuell bei 12 Prozent. Im Rahmen einer bewussten Sachwertstrategie wurde gezielt in Immobilien investiert, im Jahr 2019 betrugen die Investments der Hanse Merkur Grundvermögen AG 2,7 Mrd. Euro, die HM Trust AG verwaltete ein Vermögen von 9,8 Mrd. Euro.

Der Kompositbereich, der mit Arno Bröker verstärkt wurde, konnte seine Beitragsentwicklung 2019 um 3,7 Prozent auf 79 Mio. Euro steigern. Mittelfristig wird die 100-Millionen-Grenze angepeilt, wozu neue Produkte im Bereich Tierversicherung, aber auch überarbeitete Kfz- und Haftpflichtversicherungen beitragen sollen. Coronabedingt war die Schadenentwicklung in den letzten Wochen in Kfz sehr günstig, das könne sich aber wieder ändern, wenn mehr Menschen auf das Auto umsteigen, weil sie den öffentlichen Nahverkehr meiden.

Völlig offen ist die Entwicklung des Bereichs Reise & Freizeit, der im letzten Jahr einen Rückgang von 224 auf 223 Mio. Euro bei den Beitragseinnahmen hinnehmen musste. „Im Gegensatz zu einem Reiseversicherer kann die Diversifizierung in der Gruppe das besser auffangen“ , hofft Sautter.

Bis Jahresende dürften sich die Beitragsrückgänge in der Reiseversicherung im Verhältnis zum Vorjahr auf 50 Mio. Euro bis 60 Mio. Euro addiert haben, erklärt das Unternehmen. Es bleibt das geschäftspolitische Ziel, diesen Beitragsabrieb durch ein „Prämienplus in den Geschäftsfeldern Kranken, Leben und Schaden/Unfall zu kompensieren“ und bei einem leichten Wachstum von rund einem Prozent erstmals eine Beitragseinnahme von über 2,3 Mrd. Euro zu erreichen.

Autor: Susanne Görsdorf-Kegel

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