Gothaer plant großen Wurf beim Thema Nachhaltigkeit

Quelle: Gothaer

Das Thema Nachhaltigkeit wird beim Gothaer-Konzern künftig eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. „Die Hauptverwaltung in Köln-Zollstock wird in Kürzen klimaneutral sein“, kündigte Finanzchef Harald Epple an. Alle Kapitalanlagen werden nach ökologischen und sozialen Aspekten sowie Kriterien der  Unternehmensführung (ESG-Kriterien) investiert. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Unternehmensgruppe wurde zudem die gemeinnützige Gothaer Stiftung gegründet, deren Fokus auf dem Thema Nachhaltigkeit liegen wird.

„Wir wollen zu den führenden nachhaltig agierenden Versicherern gehören“, sagte Oliver Schoeller, der seit Monatsbeginn neuer Konzernchef ist. Dazu werde man Umwelt- und Klimarisiken proaktiv begegnen. Die Gothaer Stiftung soll die Forschung zu gesellschaftlich relevanten Entwicklungen fördern, die Öffentlichkeit zum Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und Projekte mit Bezug zu allen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung durchführen.

Dazu soll die Stiftung mit Forschungsinstituten, Universitäten kooperieren, aber auch Projekte aus der Belegschaft und von Kunden umsetzen. Das Stiftungsvermögen beträgt eine Million Euro. In den Folgejahren soll sie jährlich mit einem halben Prozent des Konzerngewinns pro Jahr dotiert werden.

Das Thema Nachhaltigkeit habe bei der Gothaer immer schon einen besonderen Stellenwert gehabt, sagte Schoeller. 1995 habe der Versicherungsverein als eine der ersten Assekuranzen in Deutschland mit der Versicherung von Erneuerbaren Energien begonnen. Mit 8.800 versicherten Windenergieanlagen sei in Deutschland etwa jede dritte Windkraftanlagen bei der Gothaer versichert. Weltweit versichert der Konzern 19.00 Anlagen On- und Nearshore und erzielt damit über 63 Mio. Euro Prämieneinnahmen.

Das versicherungstechnische Wissen im Bereich Erneuerbare Energien habe man sei der Energiewende 2011 auch in die Kapitalanlage eingebracht. Über eine Milliarde Euro bzw. 3,5 Prozent der Kapitalanlagen seien in Erneuerbare Energie-Investments investiert, womit man relativ zu den größten Investoren in diesem Bereich gehöre.

Epple berichtete, dass der Konzern Ende Mai den UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) beigetreten ist und die dort festgelegten sechs Prinzipien nun den Rahmen für die Integration von ESG-Themen in allen Kapitalanlageentscheidungen bilden würden. „Unser Ziel ist es, unsere Kapitalanlagen kontinuierlich im Sinne von nachhaltigen Investments zu verbessern“, so Epple.

Bereits 83 Prozent der Kapitalanlagen entsprächen den Vorsätzen an die Nachhaltigkeit. Bei Aktien und Anleihen werden beispielsweise Unternehmen ausgeschlossen, die in ABC-Waffen, international geächtete Waffen oder mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit konventionellen Waffen erzielen. Der Ausschluss für Kraftwerkskohle liegt bei 30 Prozent des Umsatzes. Die eigenen Investments mache man nicht von einem ESG-Rating abhängig. Dafür wiesen die im Wesentlichen drei Ratingagenturen zu unterschiedliche Bewertungen auf, so Epple. Das Engagement soll nicht zulasten der Rendite gehen. Er verweist auf Studien, wonach ESG-Kriterien tendenziell das Risiko senkten „ohne notwendigerweise Rendite zu reduzieren“.

Bei der eigenen Klimabilanz kommt die Gothaer auf ein Emissionsvolumen von 17.900 Tonnen Kohlendioxid. Größte Posten sind mit 30 Prozent die Energie für die eigenen Gebäude und mit 33 Prozent der Berufsverkehr der Arbeitnehmer. Diese Emissionen sollen nachhaltig gesenkt und Restemissionen durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten ausgeglichen werden.

In der Hauptverwaltung starte im dritten Quartal 2020 mit der Klimaneutralität. Die übrigen Standorte sollen sukzessive ebenfalls CO2-neutral werden. Für die Hauptverwaltung wurde der zugekaufte Strombedarf auf Ökostrom umgestellt. Zudem wird das eigene Blockheizkraftwerk modernisiert. Weitere Maßnahmen sind der Ausbau von Telearbeit und neue Mobilitätskonzepte.

Autorin: Monika Lier

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