Tenhagen kritisiert Bundeskanzler Merz beim Thema Altersvorsorge

In der ARD-Sendung Sandra Maischberger erklärte CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz, dass er eine schwarz-grüne Regierung und Habeck als Wirtschaftsminister nicht ausschließe. (Bildquelle: WDR/Oliver Ziebe)

Bundeskanzler Friedrich Merz beantwortet regelmäßig Fragen von Bürgern via eines Videos auf Instagram. Ein User fragte kürzlich, ob er sich schon Sorgen um die Rente machen sollte. Merz antwortete: „Verlass dich nicht auf die gesetzliche Rentenversicherung, ein ganz klein bisschen sparen im Monat, 10, 20 oder 50 Euro über eine lange Zeit, einfach festlegen, sichert ein sicheres Alterseinkommen.“ Diese Summen reichen nicht aus, kritisiert Hermann-Josef Tenhagen und machte eine Beispielrechnung auf. „Als ehemaliger Aufsichtsratschef von Blackrock sollte Merz es besser wissen.“

Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine signifikante und wachsende Reichweite in den sozialen Medien, insbesondere auf den Plattformen, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Seinem Account auf Instagram folgen 2,6 Millionen Menschen. Seine regelmäßigen Fragestunden, bei denen er in seinem Büro Fragen von Usern beantwortet, werden manchmal mehr als eine Million Mal aufgerufen.

Am 13. August wurde die Frage gestellt: „Sollte ich mir jetzt schon Sorgen um die Rente machen?“ Merz sagt in seinem Video: „Meine Antwort ist: nein. Vorausgesetzt, du tust in jungen Jahren genug für deine Altersversorgung.“ Er wurde dann konkreter: „Verlass dich nicht auf die gesetzliche Rentenversicherung, ein ganz klein bisschen sparen im Monat, 10, 20 oder 50 Euro über eine lange Zeit, einfach festlegen, sichert ein sicheres Alterseinkommen. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen.“

Das Eingeständnis, dass man sich auf die gesetzliche Rente nicht verlassen könne, sei zumindest ein Fortschritt, lauteten einige Kommentare in den sozialen Medien. Schließlich hört man das von offizieller Seite aus Berlin selten. Die von Merz genannten Summen zum Ansparen zogen aber Kritik auf sich. Dem Portal Finanztip und ihrem Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen war das eine Pressemitteilung wert.

„Die Botschaft von Friedrich Merz, schon 10 oder 20 Euro im Monat reichten für ein sicheres Alterseinkommen, ist irreführend und bagatellisiert das große Problem der Altersvorsorge. Mit solchen Beträgen kommt man nicht weit – und das sollte die Regierung der jungen Generation ehrlich sagen“, lautet die Kritik von Tenhagen. Die für die private Altersvorsorge erforderlichen Summen seien viel höher, das müsste Merz als ehemaliger Aufsichtsratschef von Blackrock „besser wissen“. 

Er rechnet vor: Wenn ein 20-Jähriger jeden Monat zehn Euro in einen globalen Aktien-ETF mit durchschnittlich sechs Prozent Rendite im Jahr investiert, komme nach 47 Jahren in Arbeit auf insgesamt 30.000 Euro vor Steuern. „Soll das Geld bis zum Lebensende reichen, sollten davon maximal drei Prozent pro Jahr entnommen werden. Unterm Strich bleiben dann weniger als 80 Euro im Monat. Und diese 80 Euro werden bei zwei Prozent Inflation bis zum Alter von 67 nur noch einer heutigen Kaufkraft von rund 30 Euro entsprechen“, betont Tenhagen.

Stattdessen sollte eine 20-jährige Person mit einem Jahresbruttogehalt von 30.000 Euro heute mehr als zehn Prozent ihres Nettogehalts mit einem weltweit streuenden Aktien-ETF sparen, um im Alter die persönliche Rentenlücke zu schließen. Das würde einer Monatsrate von rund 190 Euro entsprechen. Wer später anfange, müsse entsprechend mehr vom Netto zurücklegen. Tenhagen beruft sich dabei auf Berechnungen „mit über 900 Musterfällen im Alter von 20 bis 55 Jahren“, die Finanztip vornahm.

Auf die Kritik von Finanztip und anderen Experten reagierte ein Regierungssprecher bereits: „Der Bundeskanzler möchte mit seiner Aussage jungen Menschen deutlich machen, dass zusätzliches privates Vorsorgen für den Ruhestand eine wichtige Säule der Altersvorsorge ist und es deshalb wesentlich ist, sich schon in jungen Jahren damit auseinanderzusetzen, auch wenn es vorerst nur kleine Sparbeträge sind.“

Autor: VW-Redaktion