NGO kritisiert Versicherer für Ölsand-Pipeline-Beteiligung – Talanx kontert trocken

Erdölgewinnung ist ein schmutziges Geschäft, Ölsand bildet keine Ausnahme. Bild von David Mark auf Pixabay.

Die Gewinnung von Öl aus Ölsand hat eine (noch) deutlich schlechtere Ökobilanz als die konventionelle Erdölförderung. Das sagen viele Experten. Es überrascht nicht, dass die Umweltorganisation Urgewald die Versicherer Munich Re und Talanx für ihre Mitarbeit an einer Ölsand-Pipeline in Kanada kritisiert. Doch ist der Vorwurf berechtigt?

Die Unternehmen Temple Insurance, Tochter des deutschen Rückversicherers Munich Re, sowie HDI Global SE Canada, Tochter des deutschen Talanx-Konzerns, sind an der Versicherung der Trans Mountain Pipeline in Kanada beteiligt, schreibt die NGO. Der Bau gilt als umstritten und es regt sich auch international viel Protest. Es wundert also nicht, das Urgewald die Versicherer in die Pflicht nimmt.

Die Munich Re hat seit letztem September eine Richtlinie, die die Versicherung von Ölsandgewinnung und damit verbundener Infrastruktur ausschließt. Zudem schließt sie Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes mit der Gewinnung von Ölsanden machen, aus den Kapitalanlagen aus, schreibt die NGO. „Das ist ein guter erster Schritt. Die Versicherung für Trans Mountain wurde im August 2019 vergeben. Wie ernst Munich Re die neue Ölsand-Richtlinie nimmt, wird sich zeigen, wenn diesen August der Vertrag zur Erneuerung ansteht. Dann darf die Munich Re-Tochter die Pipeline nicht weiter unterstützen, erklärt Energie-Campaignerin Regine Richter.

Urgewald weist auf die abweichenden Daten hin und stellt eine wichtige Frage, die VWheute direkt an die Münchener weiterleitete. „Unser Versicherungsvertrag für die Trans Mountain Pipeline wurde im August 2019 unterzeichnet, Monate bevor die neue Zeichnungsrichtlinie von Munich Re zu Ölsanden in Kraft getreten ist, erklärt das Unternehmen. Dies war am 9. Oktober 2019.

„Wir sind an diesen Vertrag gebunden, bis er zur Verlängerung ansteht. Selbstverständlich werden wir ihn zu gegebener Zeit im Lichte unserer neuen Zeichnungsrichtlinie für Ölsande überprüfen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir keine weiteren Kommentare abgeben“, schreibt das Unternehmen.

Weniger zimperlich ist Urgewald bei der Talanx. Der Ausstieg aus Ölsanden scheint zunächst nur für Kapitalanlagen zu gelten und dort mit einem sehr schwachen Schwellenwert von 25 Prozent. Die Beteiligung an der kanadischen Ölsand-Pipeline zeigt, dass Talanx seinen Ansatz verbessern muss, wenn der Konzern bei Nachhaltigkeit ernstgenommen werden will“, erklärt Richter.

Die Antwort der Talanx zeigt allerdings, dass das Unternehmen ernstgenommen werden kann. „Das Zertifikat ist inaktuell. HDI Global hatte in der Versicherungstechnik bei der Trans Mountain Pipeline einmal einen sehr kleinen Anteil von 2,5 Prozent. Aber wir haben 2019 eine Option genutzt, um komplett aus dem Projekt auszusteigen. Wir sichern die Risiken also nicht mehr ab.“

Autor: VW-Redaktion

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