Coronavirus: Wie die Allianz ihre Mitarbeiter in China abschottet

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Kaum hat die Allianz ihre China Insurance Holding eröffnet, stehen die Büros für eine längere Zeit wieder leer. Das Personal arbeitet im Homeoffice. Die Reisepläne der Mitarbeiter werden umgekrempelt. Zu groß ist das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus. Im Reich der Mitte geht es vielen deutschen Firmen so, die wohl darauf hoffen, dass ihre Betriebsunterbrechungs-Police greifen wird.

Die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, wo der Erreger zum ersten Mal auftauchte, erwirtschaftete 224 Mrd. Dollar im Jahr 2018 – etwa so viel wie Griechenland. Nun gleicht sie einer Geisterstadt. Mittendrin sind viele deutsche Firmen, deren Betriebe zumindest teilweise stillstehen. Darunter der Bosch-Konzern oder die Autozulieferer Schaeffler und Webasto. Auch für Frankreich ist die Industriestadt von großer Bedeutung. Dort befindet sich der staatliche Autokonzern Dongfeng, der maßgeblich am Peugeot-Konzern PSA beteiligt ist und in Wuhan große Gemeinschaftswerke sowohl mit PSA als auch mit Renault betreibt.

Auch die Versicherungswelt ist dort präsent. Die Allianz-Niederlassung in Wuhan ist seit dem 20. Januar jedoch geschlossen, die Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Alle anderen Allianz- Niederlassungen in China, inklusive Schanghai, haben, gemäß den Empfehlungen der Regierung, die Büros bis 9. Februar geschlossen (Verlängerung der durch das chinesische Frühlingsfest bedingte Schließung).

Erhöhte Hygienevorkehrungen und mögliche Evakuierungen

Der Münchener Versicherer hatte erst am 16. Januar seine erste ausländische Versicherungsholding ins Leben gefunden. In Schanghai war sogar Oliver Bäte persönlich vor Ort. Ende 2019 hatte die Allianz die Lizenz zur Gründung einer komplett ausländischen Versicherungsgesellschaft in China erhalten. Zudem hatte die Allianz auch einen Anteil von rund vier Prozent am Pekinger Versicherer Taikang Life Insurance erworben. Bisher musste ein Unternehmen aus dem Ausland zwangsweise mit einem Lokalpartner zusammenarbeiten. Seit Beginn des Handelskrieges Chinas mit den USA betont die chinesische Regierung immer wieder ihren Willen für eine Marktöffnung.

Auf Anfrage erklären die Münchener ihre Strategie zum Schutz der Mitarbeiter gegen den Coronavirus. „Aus der Sicht des BCM (Business Continuity Management) und des Krisenmanagements haben die Allianz Gesellschaften im Asia-Pacific Raum ihren BCM-Plan aktiviert und unternehmensweit Präventiv- und Kontrollmaßnahmen eingeführt, um die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter und Agenten vorrangig zu gewährleisten. Diese gelten für alle Mitarbeiter, einschließlich Expatriates.“ Der Konzern hat die zusätzliche Hygienevorkehrungen am Arbeitsplatz verordnet.

40 Mrd. Dollar kostete die letzte Epidemie die Weltwirtschaft

Derweil erwägt die Bundesregierung ausreisewillige Deutsche aus der chinesischen Stadt Wuhan auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagt Außenminister Heiko Maas (SPD).  Mehr als ein Dutzend Städte wurden von der Außenwelt abgeriegelt, de facto stehen damit 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Vielerorts sind Atemschutzmasken Pflicht, die Neujahrsferien wurden bis Ende der Woche verlängert. Für den Tourismus gelten massive Einschränkungen.

Infolge der SARS-Epidemie 2002/2003 bezifferte der internationale Luftverkehrsverband IATA den wirtschaftlichen Schaden allein für seine Branche mit zehn Mrd. Dollar. Ökonomen schätzen, dass SARS die Weltwirtschaft etwa 40 Mrd. Dollar gekostet hat. Das Land China hat dadurch 17,5 Mrd. Dollar seines BIPs verloren. Damals betrug Chinas Wirtschaftskraft jedoch ein Fünftel der heutigen. 84 Millionen Flugpassagiere wurden damals verzeichnet, heute sind es mehr als 600 Millionen. Entsprechend wird der Schaden diesmal größer sein.

Autor: David Gorr

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