D&O: „Industrieversicherung wähnte sich lange in trügerischer Sicherheit“

Sebastian Klapper, Gründer und Geschäftsführer Finlex/ Quelle Finlex

Die D&O-Branche in Deutschland erlebt erstmals seit über zehn Jahren wieder eine härtere Marktphase. Versicherer sehen sich gezwungen, ihr Zeichnungsverhalten radikal zu ändern. Es ist nicht nur mit Prämienerhöhungen, sondern auch mit geringeren Kapazitäten und Bedingungseinschränkungen zu rechnen. Die Entwicklung versetzt die Industrieversicherer im D&O-Bereich in Aufruhr. Sebastian Klapper kommentiert.

Die Servicequalität sinkt auf teilweise unzumutbare Level. Und das in einem Marktumfeld, das noch heute weitestgehend manuell bearbeitet wird. Um für Industriekunden jetzt noch gute Lösungen zu erarbeiten, ist eine differenzierte Betrachtung der Risiken und ein effizienter Umgang mit den relevanten Prozessen wichtiger denn je. Neue Technologien, wie Maschinelles Lernen bzw. Künstliche Intelligenz, sind stark im Kommen und können Kunden zugeschnittene, transparente und vor allem schnelle Lösungen bieten.

Einige wenige Insurtechs haben nun auch das B2B-Marktumfeld für sich entdeckt. Die renommierte Industrieversicherung, die sich stets als „Champions-League“ der Versicherungsindustrie gesehen hat, wähnte sich lange in trügerischer Sicherheit. Man ging davon aus, dass individuelle und komplexe Versicherungsprodukte, wie bspw. die D&O- und Cyber-Versicherung für Unternehmen, nicht ohne Weiteres zu digitalisieren seien. Letztendlich basiert das Underwriting auch im Industriebereich stets auf bestimmbaren Parametern und Daten, die man kategorisieren, bewerten und gewichten kann.

Prozess von Systembrüchen geprägt

Allerdings sprechen wir hier von wesentlich mehr Merkmalen, als das im Privat- oder auch Gewerbebereich der Fall ist. Dadurch ergeben sich etliche Varianten und somit eine ziemlich komplexe Entscheidungsmatrix, die darüber hinaus auch immer Raum für Sonderlösungen lassen muss. In der Industrieversicherung kommen regelmäßig risikoabhängige besondere Bedingungen zum Tragen, die individuell ausgestaltet und verhandelt werden und die die Komplexität für alle Beteiligten erhöhen.

Der Prozess ist heute noch von vielen Systembrüchen geprägt, die manuelle Eingaben und Berechnungen erfordern und somit das Risiko-Assessment, die Platzierung sowie die Betreuung der Policen deutlich erschweren. Durch automatisiertes Underwriting in der Industrieversicherung, in Verbindung mit einem intelligenten „Matching-Prozess“ unter Berücksichtigung der individuellen Reaktionen der jeweiligen Versicherer auf die verschiedenen Parameter des Risikos, ergeben sich – von der Risikoanalyse bis hin zur Produktgestaltung – zukünftig viele Vorteile.

Versicherer können schneller und zielgerichteter auf neue Marktbewegungen reagieren und diese ausdifferenzierter abbilden. Auch die möglichen Fehlerquellen im Underwriting Prozess werden dadurch reduziert, wenn neue Guidelines der Versicherer auf Knopfdruck umgesetzt werden können. Makler profitieren von diesen neuen Möglichkeiten in gleichem Maße.

Wenngleich das nicht bedeutet, dass jeder Industriemakler sein eigenes Tool bauen sollte. Industriekunden werden erstmals eine echte Transparenz spüren, die man bislang in der Industrieversicherung leider vermisst. Individuelle Situationen können effizient abgebildet werden. Zugegebenermaßen stehen wir damit noch relativ am Anfang, aber der Markt entwickelt sich gerade sehr dynamisch.

Der D&O-Markt kann insbesondere in der jetzigen Marktphase von den neuen Möglichkeiten enorm profitieren. Durch effizientere Prozesse, neue Technologien und differenziertere Betrachtungen von Risiken profitieren am Ende dann auch wieder die Kunden. Die Digitalisierung wird somit dazu beitragen können, diese für Industriekunden schwierige Marktphase besser zu gestalten und die Ausschläge der „Krise“ abzufedern.

Autor: Sebastian Klapper, Gründer und Geschäftsführer Finlex

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