Rheinland muss wegen Lebenstochter Millionen abschreiben

Die Rheinland muss wegen LV-Tochter abschreiben- Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Lebensversicherung bleibt ein Problem für die Branche. Nullzinsen, und Regulatorik erschweren den Versicherern das Leben. Nun kündigt die Rheinland Versicherung eine massive Abschreibung wegen ihrer LV-Tochter an.

Der Vorstand des Unternehmens, Christoph Buchbender, Lothar Horbach, Udo Klanten und Andreas Schwarz hat für dieses Jahr eine Abschreibung in Höhe von „8,5 Millionen Euro auf den mit 17 Millionen bezifferten Beteiligungsbuchwert der Rheinland Lebensversicherung AG in der Holding“ beschlossen. Die Entscheidung wurde per Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht und die Aktionäre erhielten einen Informationsbrief.  

Die Gründe sind schnell erklärt, die Lebenstochter wirft keinen Gewinn ab. Es sei „mittelfristig“ keine Gewinnausschüttung an die Holding zu erwarten. „Wir rechnen damit, dass die Folgen des Niedrigzinsszenarios/Umfelds mindestens 10 Jahre andauert“, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Mit einer Verbesserung wird nicht gerechnet, der Versicherer mit Sitz in Neuss geht „maximal von einer moderaten Erholung aus“.  

Und die Kunden?

Die Versicherungsnehmer werden von der Änderung nichts spüren, erklärt der Sprecher, die „Leistungen unserer Kunden sind hiervon nicht betroffen“. Im Gegensatz zu Generali plant das Unternehmen keinen Verkauf an einen Drittanbieter. „Die Gruppe wächst seit Jahren im Leben-Segment und bei der Rheinland Lebensversicherung ist kein Run-off geplant“, erklärt das Unternehmen.

Gemeint ist damit der nicht kapitalbildende Bereich der Lebensversicherung, laut Webseite bietet das Unternehmen Risiko- und Sterbegeldversicherungen wie auch Arbeitskraftabsicherung an. Ein Sprecher klärt auf: „Die Gruppe wächst insbesondere über die Credit Life sehr stark in Risikolebensversicherungen und in Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen.“ Offenbar bleibt aber trotz Wachstum nicht ausreichend Gewinn im Haus.

Die Rheinland wird also nicht der nächste Hauptdarsteller im Run-Off Drama, dass Generali, Ergo und Arag prominent eröffneten. Seitdem dieser Klimax ist es um das Thema erstaunlich still geworden. Zwar besagen Studien immer wieder, dass mehr Verkäufe auf die Branche zukommen, doch nach dem Sturm ist nur noch ein laues Lüftchen zu fühlen. Das klang einmal anders.

Der Chef des LV-Aufkäufers Athora, Christian Thimann, erklärte Ende des letzten Jahres, dass „Lebenbestände oftmals nicht mehr zum zukünftigen Geschäftsmodell passen würden“. Der Verkauf des Generali Bestandes wäre ein „deutliches Signal im Markt“ und würde den Weg für weitere Transaktionen sicherlich ebnen.“ Der Verkauf erfolgte, aber ein Signal war es nicht.

Die großen Deals blieben hierzulande aus, Athora kaufte in den Niederlanden und Belgien zu. Seitdem gab es auch immer wieder Nackenschläge für die LV-Aufkäufer. Die Versicherungsmakler stehen  Run-Off-Anbietern weiter kritisch gegenüber und die Absage der Aufsicht zum Deal zwischen Prudential und Rothesay zeigt deutlich, dass die nationalen Aufsichtsbehörden sehr genau prüfen.

Ein Run-Off muss für das abgebende Unternehmen allerdings auch kein Problem werden, die Generali scheint bisher bilanziell gut klarzukommen. Wie es mit dem Image aussieht, ist schwer zu sagen.

Schurke EZB?

Der Schuldige für die Misere bei der Rheinland ist schnell ausgemacht, es ist die gute alte Europäische Zentralbank (EZB). „Ja, die seit Jahren vorherrschende (Niedrig)Zinssituation insbesondere das „gewollte“ Niedrigzinsumfeld ist hierfür maßgeblich“, schreibt das Unternehmen.

Sicherlich sind die Niedrigzinsen für die Lebensversicherer alles andere als hilfreich, doch selbst der Volkswirt eines großen amerikanischen Vermögensverwalter erklärte kürzlich auf einer Banker-Konferenz, dass „Draghi kein Schurke“ und die Zentral- und Notenbanken nicht allein Schuld an den Nullzinsen hätten. Ein weiterer Volkswirt einer großen deutschen Bank stimmte dem zu.

Es ist zu einfach, die Politiker für die Probleme der Branche allein verantwortlich zu machen, es gibt’s sogar Stimmen die sagen, Berlin habe die Versicherer vor größerem Übel bewahrt. „Eine politische Rettung, die keinesfalls einen Jahresabschluss später hätte kommen dürfen“, nennt beispielsweise LV-Experte Hermann Weinmann, Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, das Eingreifen der Politik. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten ergänzt: „Die Reserveanforderungen wurden zurückgeschraubt, ansonsten wären einige Versicherer pleite gegangen„. 

Die Rheinland jedenfalls rechnet trotz der LV-Pleite weiter mit erfolgreichen Zeiten. Die Verluste werden laut Unternehmen keinen Einfluss auf die Dividendenzahlung haben, das Ergebnis der Holding werde auch nach der Abschreibung ausreichend sein. Das Konzernergebnis werde nicht beeinflusst.

Autor: VW-Redaktion

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