GDV: Corona-Krise könnte Versicherungsbetrug fördern

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Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie führt nach Branchenbeobachtungen bereits zu mehr Betrugsversuchen. „Aus elf Millionen Kurzarbeitern werden bald etliche Arbeitssuchende. Ich bin mir sicher, dass die Insolvenzquote steigen wird und damit mehr Gelegenheitsbetrüger ihre Versicherung als letzten Ankerpunkt sehen werden. Das sind Leute, die bisher unauffällig waren“, sagte Rüdiger Hackhausen, der beim GDV die Kommission „Kriminalitätsbekämpfung“ leitet.

„Aufgrund finanzieller Notlagen könnte es eine Zunahme von ‚Gelegenheitsbetrügern‘ geben“, sagte auch der Kölner Fachanwalt für Straf- und Arbeitsrecht, Abdou Gabbar, der sich auch mit Betrugsmotiven und Täterprofilen beschäftigt. Es gebe Hinweise darauf, dass betrugsverdächtige Schäden sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich im Zusammenhang mit der Corona-Krise stünden.

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Noch habe diese Entwicklung kein „dramatisches Ausmaß, aber man muss sie genau beobachten“, so Hackhausen, der Fachbereichsleiter Schaden der Allianz Deutschland AG ist. Als Beispiele für betrugsverdächtige Schäden nannte er angebliche Einbrüche, bei denen nicht mehr verkaufbare Saisonware gestohlen worden sein soll, oder Schäden an neuen, kreditfinanzierten elektronischen Geräten.

Grundsätzlich seien die Betrugsmuster gleichgeblieben, vieles werde aber inzwischen durch das Internet provoziert. Dort informierten sich die Täter in Foren, wie sie beispielsweise Schadenanzeigen am besten formulierten. Es gebe Unternehmen, die „Fake-Verpackungen“ teurer Marken eigens für Betrügereien produzierten.

„Es gibt Hinweise darauf, dass betrugsverdächtige Schäden im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen. Die Versicherungsbranche ist darauf vorbereitet.“

Rüdiger Hackhausen, Fachbereichsleiter Schaden der Allianz Deutschland AG und

Hackhausen meint, dass die Versicherungsbranche auf eine solche Entwicklung vorbereitet ist: „Wir prüfen jeden Schaden“, so der Allianz-Experte. Es werde nicht „blind ausgezahlt“: Die Branche habe gut geschulte Mitarbeiter und kaufe sich IT Know-how ein. „Die Betrugsabwehr der Versicherer hat darauf reagiert, beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Software zur Erkennung von Betrugsindizien oder den Einsatz speziell geschulter Mitarbeiter.“

Die Bildforensik gewinne bei der Betrugsabwehr immer mehr an Bedeutung. Denn Betrüger könnten mit Bildbearbeitungsprogrammen digitale Fotos manipulieren oder im Internet kursierende Bilder nutzen. Diese würden dann als visueller Schadennachweis vorgelegt.

Die Versicherer reagierten darauf mit der Analyse von Metadaten, die Manipulationen aufzeigen könnten. Daten zu aufgedeckten Fällen von Versicherungsbetrug oder Strafverfolgung erhebt der GDV nicht. Dies sei nicht Aufgabe des Verbandes. „Im Fokus steht die Versichertengemeinschaft vor unberechtigten Forderungen zu schützen.“ Sowohl die Betrugsprüfung wie auch der Umgang mit aufgedeckten Fällen ist von Versicherer zu Versicherer verschieden.

Die deutschen Schaden- und Unfallversicherer schätzten, dass ihnen durch Versicherungsbetrug jährlich ein Schaden von rund fünf Mrd. Euro entsteht. Schätzungsweise sei jede zehnte Schadenmeldung dubios. Dies bestätigt auch durch eine aktuelle Umfrage des vom GDV beauftragten Marktforschungsinstitutes Infas Quo.

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Danach gaben sechs Prozent der rund 1.000 Befragten zwischen 18 und 69 Jahren an, schon einen Versicherungsbetrug begangen zu haben. Vier Prozent sagten, dass sie konkret von einem Versicherungsbetrug wüssten. Bei 77 Prozent der dubiosen Fälle lag tatsächlich ein Schaden vor, der aber nicht versichert war. Bei 17 Prozent wurde der Schaden der Höhe nach übertrieben.

Nur bei fünf Prozent wurde ein völlig fiktiver Schaden gemeldet. Bei den Sparten, die nach Meinung der Befragten am leichtesten zu täuschen sind, rangieren die private Haftpflicht (37 Prozent, Mehrfachnennungen möglich), Hausrat (35 Prozent) und Reisegepäck (28 Prozent) weit oben.

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Die Akzeptanz für Versicherungsbetrug ist laut Umfrage gering: Nur jeder zehnte Befragte meint, dass es sich um ein Kavaliersdelikt handelt. 69 Prozent meinen, dass ein Betrug vor allem die anderen Kunden des Unternehmens und weniger den Versicherer schädigen. Bei den Jüngeren glaubt dies nur die Hälfte. Nur jeder Zweite hält die Aufdeckung von Versicherungsbetrug für wahrscheinlich; bei den Jüngeren sehen dies lediglich 40 Prozent so.

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„Schwarze Liste“ über Betrüger führt die Branche nicht. An das Informationssystem HIS werden nur bestimmte Daten weitergereicht, etwa, wenn ein Fahrzeug bereits in einen Totalschaden verwickelt war. Hackhausen schätzt, dass der Versicherungsbetrug in Deutschland ähnlich hoch ist wie im europäischen Vergleich. Allerdings vermutet er, „dass die, Aufklärungsquoten in manchen Ländern aufgrund anderer Datenschutzregeln höher sind. Es könnte uns helfen, wenn das Datenschutznetz locker wäre“, so Hackhausen.

Autorin: Monika Lier

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