Indischer Finanz-Superstar wegen Geldwäscheverdacht verhaftet

Rana Kapoor, Festnahme wegen Geldwäsche in Indien. Bild von WikimediaImages auf Pixabay

Es geht um sehr viel Geld, Vertrauen und Recht. Rana Kapoor (62), Chef der Yes Bank, wurde wegen des Vorwurfs der Geldwäsche verhaftet. Einige Tage zuvor hatte der Staat die Kontrolle über die Geschäfte der Bank übernommen, es geht um hunderte Millionen.

Kapoor wurde in der indischen Stadt Mumbai vor Gericht gestellt und bleibt bis mindestens 11. März unter polizeilicher Aufsicht. Die ihm vorgeworfenen Straftaten umfassen Werte von 581 Mio. US-Dollar, meldet die BBC. Laut Vorwurf habe der Milliardär Kredite an eine ebenfalls unter Staatsaufsicht gestellte Schattenbank vergeben und dafür unerlaubte Kickback-Zahlungen erhalten haben. Diese Rückerstattung oder Vergütung soll er über ein Netz an Strohfirmen verschleiert haben.

Der Angeklagte bestreitet die ihm vorgeworfenen Taten und verweigert die Zusammenarbeit mit den Behörden, sagen diese. Kapoor sieht das anders, er sei „Tag und Nacht“ kooperationsbereit, unabhängig davon, dass er „kein bisschen“ geschlafen habe.

Ausgeschlafen sind auf jeden Fall die Yes-Kunden. Kurz nachdem die RBI das Unternehmen übernommen hat, schlugen sie in langen Reihen vor den Filialen der Bank auf und wollten ihr Geld zurück.

Die Zentralbank arbeitet daran, „das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen“ und die Bank langfristig handlungsfähig zu machen, allerdings dürfen Kunden derzeit nur rund 630 US-Dollar abheben, was kaum als vertrauensbildende Maßnahme durchgehen dürfte.

Alles begann mit einem Gesetz

Die private Yes Bank hat schlechte Kredite in den Büchern und es gelang Kapoor nicht, das für regulatorische Anforderungen benötigte Geld aufzutreiben, wie die Reserve Bank of India (RBI) bestätigt. Das Kapital wäre nötig gewesen, um potenziellen Kreditverlusten und Rating-Downgrades zu begegnen. Das Unternehmen weist etwa 28 Milliarden US-Dollar Einlagen auf.

Im Jahr 2016 hat Indien ein spezielles Bankgesetz erlassen, das offenbar aktuell zur Anwendung kommt. Die Kredithäuser müssen schneller reagieren, um schlechte Kredite und „poor oversight“ zu erkennen und diese den Behörden zu melden. Laut BBC erschwert das Gesetz den Finanzinstituten, an frisches Kapital zu kommen.

Ursprünglich waren neue Finanz-Unternehmen wie die Yes Bank auf dem indischen Markt willkommen geheißen worden, da sie mit neuen Technologien den verkrusteten, staatlich dominierten Bankensektor aufbrachen. Ob sich das nun ändern wird, bleibt offen.

Sowohl der Banken- wie auch der weitere Finanzsektor „mit all den Schattenbanken“ befinde sich „weiter unter Stress“, erklärt der Investment-Research-Anbieter TS Lombard.

Ob auch der Versicherungsmarkt von dem „Stress“ betroffen ist, bleibt abzuwarten. Tapan Singhel, Managing Director und Chief Executive of Bajaj Allianz General Insurance, glaubt weiterhin an Wachstum mittels Technik auf dem indischen Markt.

Autor: VW-Redaktion

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