AO-Vertreter kommen mit Nachhaltigkeitspräferenzen besser klar als Makler

Bildquelle: Axa Deutschland

Vermittler müssen die Nachhaltigkeits- und Umweltziele ihrer Kunden abklopfen, bevor sie ihnen eine Fondspolice oder andere Versicherungsanlageprodukte vermitteln. Wie zufriedenstellend die Berater diese Vorgabe umsetzen, hat die Ratingagentur Assekurata wissen wollen – und die Verbraucher nach ihren Erfahrungen aus Beratungsgesprächen befragt.

Seit August 2022 sind Vermittler dazu verpflichtet, im Beratungsgespräch mit ihren Kunden zu klären, ob sich das gewünschte Versicherungsanlageprodukt mit deren Nachhaltigkeitspräferenzen deckt. So verlangt es die Ergänzung der IDD-Richtlinie. Ziel des Ganzen ist es, Nachhaltigkeits- oder Umweltziele im Sinne der Offenlegungs-Verordnung beziehungsweise der EU-Taxonomie im Versicherungsvertrieb zu verankern.

Ob das aus Sicht der Verbraucher alles so klappt, wie es sich die EU ausgedacht hat, das war das Ziel der Assekurata-Befragung. Diese wurde im Juli 2023 durchgeführt und von 1.012 Menschen beantwortet. Dabei wollten die Analysten von den Befragten zunächst erfahren, ob sie zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen überhaupt befragt wurden. Von denjenigen, die sich zu einem Versicherungsanlageprodukt haben beraten lassen, bejahten dies insgesamt drei Viertel. Bei knapp jedem Sechsten hatte das Thema Nachhaltigkeit allerdings keine Rolle gespielt.

„Somit scheint in einem großen Teil, aber nicht in allen Beratungsgesprächen zu den entsprechenden Produkten eine Präferenzabfrage stattzufinden“, schlussfolgert Oliver Bentz, Fachkoordinator Nachhaltigkeit bei Assekurata. Dabei zeigte sich, dass auch bei Produktarten, die nicht unter die IDD-Präferenzabfrage fallen, „in vielen Fällen“ das Thema Nachhaltigkeit besprochen worden sei. „Unklar ist, von welcher Seite der Impuls dabei kam“, so Bentz. Die Abfragepflicht gilt ausschließlich für Lebensversicherungsprodukte, die neben der Absicherung biometrischer Risiken noch eine Kapitalanlagekomponente mit Chancen und Risiken enthalten. Damit fallen beispielsweise kapitalbildende Lebensversicherungen, fondsgebundene Lebensversicherungen oder Hybridprodukte darunter.

Von allen Befragten, die innerhalb des vergangenen Jahres eine Beratung zu einer Versicherungsanlage erhalten haben, erklärten 63,5 Prozent, dass sie ihre Präferenzen bezüglich Nachhaltigkeit angeben konnten. Dieser Prozentsatz ist in der Krankenversicherung (45,7 Prozent) und der Sachversicherung (33,3 Prozent) niedriger.

Der Aussage „Ich habe mich gut zur Nachhaltigkeit des Produktes informiert/beraten gefühlt“ stimmten 68,7 Prozent der Befragten in puncto Versicherungsanlageprodukte zu, für Krankenversicherungsprodukte traf dies auf 51,1 Prozent zu und für Sachversicherungsprodukte auf 35,8 Prozent.

Gut beraten fühlten sich insbesondere diejenigen, die sich von einer Ausschließlichkeitsvertretung beraten ließen (27,5 Prozent trifft vollkommen zu; 30,6 Prozent trifft eher zu (siehe erste Grafik)). Auffällig sei hier der Vergleich zu Versicherungsmaklern, die in diesem Bereich schlechtere Werte erzielten (9,1 Prozent trifft vollkommen zu; 38,5 Prozent trifft eher zu). Dies könnte daran liegen, dass die Herausforderungen für Makler in Bezug auf die Kenntnis von Nachhaltigkeitsaspekten verschiedener Versicherungsprodukte und -unternehmen wesentlich größer sei als für Einfirmenvertreter, gibt Assekurata-Analyst Bentz zu bedenken. Auch über Vergleichsportale fühlten sich die Befragten tendenziell schlechter zur Nachhaltigkeit beraten. Die restlichen Vertriebswege ordneten sich dann „in der Mitte“ ein, so Bentz.

Quelle: Assekurata

Darüber hinaus gaben Assekurata zufolge 73 Prozent der Befragten an, dass ihnen ein Versicherungsanlageprodukt angeboten werden konnte, welches ihren Vorstellungen in Bezug auf Nachhaltigkeit entspricht. Bei Beratungen zur Krankenversicherung traf das in 46,9 Prozent der Fälle zu, bei der Sachversicherung auf 42,6 Prozent.

Sind das nun gute Werte oder eher nicht so gute? Oliver Bentz schaut sehr wohlwollend auf die Umfrage-Ergebnisse. Es deute einiges darauf hin, dass die IDD-Präferenzabfrage einen positiven Einfluss auf die Qualität der Beratung in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte bei Versicherungsprodukten habe, sagt der Fachmann. Insbesondere bei Versicherungsanlageprodukten falle ein umfangreicheres Nachhaltigkeits-Angebot auf. Dies ermögliche es den Verbrauchern, Produkte zu finden, die ihren Präferenzen entsprechen, so Bentz.

Spannend findet der Analyst, dass eine verbesserte Beratung zu Versicherungsanlageprodukten nicht zu einem geringeren, sondern zu einem höheren Bedarf an zusätzlichen Informationen führt, zumindest im Vergleich zu den anderen Sparten. So wünschen sich rund 69 Prozent der Befragten, die zu Versicherungsanlageprodukten beraten wurden, mehr Beratung beziehungsweise Informationen zur Nachhaltigkeit beim Abschluss von Versicherungsprodukten (siehe zweite Grafik). Für Kranken- und Sachversicherungen liegen diese Werte bei 49,6 Prozent beziehungsweise bei 48,3 Prozent. „Über alle Sparten hinweg besteht somit ein hinreichend großer Informationsbedarf“, resümiert Oliver Bentz.

Und während der Ausschließlichkeitsvertrieb den Beratungsbedarf der Kunden am besten decken könne, bestehe über alle Vertriebswege hinweg noch Potenzial, weiß der Experte zu ergänzen. Versicherer sollten daher nicht nur darauf abzielen, die Endkunden in den Mittelpunkt zu rücken. Vielmehr gelte es, auch die Vertriebskanäle mit Informationen zu versorgen und in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen zu schulen, „um eine qualitativ hochwertige Beratungsleistung sicherzustellen“, so der Appell des Assekurata-Mannes.

Hintergründe zur Studie gibt es hier.

Autor: VW-Redaktion

Quelle: Assekurata

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