„Völlig neue Rahmenbedingungen“: Wie stark die Lebensversicherer von steigenden Zinsen profitieren

Assekurata hat die LV-Branche analysiert. Bild von Pexels auf Pixabay.

Die steigenden Zinsen scheinen sich auch positiv auf die Solvenzquoten der Lebensversicherer auszuwirken. Laut einer aktuellen Analyse des Ratingunternehmens Assekurata sind die Quoten zum Jahresende 2022 auf durchschnittlich 613 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Ende 2021 lag der Schnitt noch bei etwa 474 Prozent. Dennoch zeige sich ein eher ambivalentes Bild.

So schwankt die Bandbreite der Quoten im regulatorischen Nachweis von unter 200 Prozent auf Werte weit über 1.000 Prozent. Spitzenreiter sei demnach die Signal Iduna mit einer aktuellen Solvenzquote von 1.424 Prozent, gefolgt von der R+V Versicherung mit 1.416 Prozent und der Condor mit einer Quote von 1.409 Prozent. Demgegenüber würden nur noch zwei Gesellschaften unterhalb der 100-Prozent-Marke liegen.

„Der rapide Zinsanstieg hat zu völlig neuen Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten geführt. Insbesondere die Solvenzquoten der Lebensversicherer, die im Schnitt um 139 Prozent gestiegen sind, profitieren von den gestiegenen Marktzinsen“, konstatiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.

So würden sich vor allem „bei den traditionellen Lebensversicherungsbeständen, die sehr sensibel auf Marktzinsen reagieren“, große Anstiege der Solvenzquoten verzeichnen. „Auch wenn die Wirkung der Übergangsmaßnahmen bis 2032 jedes Jahr abnimmt, können fast alle Gesellschaften ihre Kapitalanforderung mittlerweile komfortabel bedecken. Die zum Teil äußerst hohen Quoten könnten künftig sogar die Frage nach der Kapitaleffizienz aufkommen lassen“, ergänzt Heermann.

Die Assekurata-Analyse deckt sich demnach weitgehend mit einer aktuellen Untersuchung des Branchenverbandes GDV. So habe sich die Solvenzquote in der Lebensversicherung ohne Übergangsmaßnahmen weiter verbessert und lag mit schätzungsweise 270 bis 290 Prozent über dem Vergleichswert von 2021 (262 Prozent). In der Schaden- und Unfallversicherung blieb die Bedeckungssituation trotz hoher Inflation stabil. Mit einem Wert von 270 bis 280 Prozent zum Jahresende 2022 entspricht sie in etwa dem Vorjahreswert von 277 Prozent. Laut GDV wirkten sich dabei neben den höheren Preisen auch die gestiegenen Zinsen auf die Solvenzquoten aus.

Bereits im September 2022 hatten die Experten um Professor Hermann Weinmann die großen Lebensversicherer genauer unter die Lupe genommen. Hier zeichneten die Wissenschaftler ein etwas differenzierteres Bild: So bildet die Allianz gemeinsam mit der Axa Leben und jeweils 750 Punkten das Spitzenduo. Betriebswirtschaftlich „relativ schwach“ seien die beiden öffentlich-rechtlichen Versicherer Bayern-Versicherung und SV Leben. Beide sind laut Analyse in den Verbraucherinteressen ohne Abzug und erreichen die Note ausreichend (3,7). Demgegenüber stehen die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit zwar solide da, haben allerdings ein spürbares Kostenproblem.

Info: Die aktuellen Solvenzquoten im Überblick.

Autor: VW-Redaktion

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